K. 319. Luthers Tod; sein Charakter.
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wo er durch seine Persönlichkeit und mit rastlosem Eiser gewirkt, hatte ernicht zu einer sittlichen Höhe erheben können. Schon im Jahre 1532 sagteer in einer Predigt: „Die Welt wird nach dieser (seiner reinen) Lehre vonTag zu Tag schlechter, gottloser, unverschämter. Die Teufel wandern nunschaarenweise in die Menschen, so daß sie unter dem Hellen Lichte des Evan-geliums nur habgieriger, unschamhafter und schlechter geworden sind, als sievorher unter dem Papstthum waren; — das erhelle in Bauern, Bürgernund Edeln, in allen Ständen, vom Größten bis zum Kleinsten, welch einschändlich und unordentlich Leben sie führen, in Habsucht, Trinkgelagen,Schlemmerei, Unschamhaftigkeit und aller Gattungen von Unlauterkeit undLastern^." Endlich aber überdiewachsendeUnsittlichkeitund Ueppigkeitdaselbstim höchsten Grade erbittert, hatte er die Stadt mit dem Entschlüsse verlassen,nicht wieder zurückzukehren. „Nur weg aus diesem Sodoma, schrieb er sei-ner Frau (Juli 1545); ich will umherschweifen, und eher das Bettelbrovessen, ehe ich meine armen, letzten Tage mit dem unwürdigen Wesen zuWittenberg martern und verunruhigen will, mit Verlust meiner säuern, thcuernArbeit^)." Durch die dringenden Bitten deS Churfürsten allein konnte erzur Rückkehr bewogen werden. Während in Negensburg über die Artikelseiner Glaubenslehre gestritten wurde, saß Luther in Eisleb cn, wo erfür die Grasen von Mansfeld an einem Vergleiche über Erzgruben arbeitete,und den Juden nach der schmachvollen Schrift „vom Schein Hamphoras"noch eine neue furchtbare Rache von der Kanzel herab drohte^). Doch hierübereilte der Tod den Mann (18. Febr. 1546), der die Herzen vieler Völkergetrennt, die Familienbandc zerrissen und der Kirche seiner Vorväter zwareine schwere Wunde geschlagen, ihr aber doch nicht, wie er gewollt, den„Todesstoß" versetzt hat. Denn „unsere schmerzliche Empfindung, sagtMöhler, wird nur durch das Bewußtsein gemildert, daß jene Wunde zu-gleich eine Fontanelle geworden ist, durch welche alle Unreinigkeiten abfließen,die durch Menschen in den Umfang der Besitzungen der Kirche gebracht wur-den." Wie Luther seine reformatorische Laufbahn mit dem Hasse gegen dasPapstthum begonnen, in derselben Weise beschloß er sie auch ^). Im Ange-sichte des Todes hatte ihm über die von Anfang aufgestellte Evidenz derBibel ein helleres Licht geleuchtet, und in Demuth beugte er sich vor der un-erforschlichen Tiefe der heil. Schrift ^). Mit dieser dcmuthsvollen Gesin-
1; Vgl. Döllinger Bd. 1. S. 289 ff. 297 ff. 306 ff. u. S. 167 ff.
2) Luthcr's Briefe v. d. Wette Bd. V. S. 753.
3) Ebendas. Bd. V. S. 610.
4) Zu seinen significantcn Aussprüchen gehörte u. A.: „blc>8 Iris persuasi«umus, ml kapatum (Iseftüsucluin o»r»ra licers, und: kestis oraur vivns,worisns oro maus tun kapa!" Der letztere nach der Abreise von Schmalkalden(de Wette, Luth. Briefe Bd. V. S. 57.> u. unmittelbar vor seinem Todeneben der Schrift: „das Papstthum vom Teufel gestiftet" wiederholt, daher vonseinen Anhängern sogar auf I u b e l m ü n z cn verkündet.
5) „Virgil's Schäfergedichte kann keiner verstehen, der nicht 5 Jahre einSchäfer gewesen; Virgil's Landbau keiner, der nicht 5 Jahre ein Landmanngewesen; Ciccro's Briefe keiner, der nicht 20 Jahre einen Staat regiert hat. Dieh. Schrift soll keiner hinreichend geschmeckt zu haben scheinen, wer nicht 100 Jahremt den Propheten EliaS und Elisa, mit Johannes den« Täufer, mit Christomb mit den Aposteln die Kirche regiert hat."
Haue tu ns ckiviuaw ^ousiäu tsutu,
8sä vestißis, prouus aelora.
Wir sind Bettler, dies ist Wahrheit!