Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
787
Einzelbild herunterladen
 

3l8. Neue Gewaltthätigkciten d. Protestanten; Versöhnungsversuche. 787

,«,d der Papst ermunterten de» Rath von Cöln und daö Capitel, in demWiderstande zu beharren. Als der bedrängte EB. nur auf kurze Zeit zumScheine nachgab, appellirtc die Geistlichkeit, die Universität und die Ständea» den Papst und Kaiser. Hermann wurde zur Verantwortung vor beidegeladen, und als er nicht erschien, seiner Würde und seines Amtes entsetztund crcommuuicirt'). Zwar suchte er Aufnahme in den Schmalkalder Bund,erhielt aber nur Fürsprache, und blieb auf seine Grafschaft Neuwied be-schränkt (P 1552).

Dagegen waren im Norden von Deutschland außer den bereits genannten die Gebiete von Magdeburg, Halberstadt, Halle, Meißenn. a. frühzeitig von der neuen Lehre inficirt und von der kathol. Kirche loö-gerifscn worden "). Selbst in den Ländern der streng katholischen Herzogevon Bayern, König F erdin a n d s, in Tyr ol*) u. a. wurden vielfacheUmtriebe zur Vertreibung dcS KatholiciSmuü unternommen. Endlich wußtendie protestantischen Fürsten den neuen Reichstag zu Spcier (1542), wo essich vorzüglich um die Türkcnhilfe handelte, mit der cs denselben doch kein rech-ter Ernst war, dazu zu benützen, um sich die Gewaltstreiche gegen Braun-schweig und Naumburg sanctivniren, und die Kammergerichtsproccsse gänz-lich aufhebcn zu lassen ; dagegen lehnten sie das nach Trient berufene allge-meine Coucil förmlich ab. Dennoch ging der Kaiser in seiner Nachgiebigkeitund Friedensgesinnnng auf dem abermaligen Reichstage zu Speier (1544)so weit, daß die Katboliken nicht mit Unrecht ihn einer Uebcrschreitung seinerGewalt beschuldigten, und das kirchliche Oberhaupt in einem Breve (24.Aug. l544) darüber klagte. Carl suchte daher, nachdem er durch den Bei-tritt der Protestanten zur Kriegserklärung deS Reiches gegen Frankreich sei-nen hartnäckigen Gegner Franz I. zum Frieden vonCrcspy (18. Sept.1544) gezwungen hatte, die Zweifel gegen seine Gesinnung zu zerstreuen,und betrieb die abermalige Ausschreibung des Concils (auf 15. März 1545).Aber auf dem neuen Reichstage zu Worms (März 1545) verwarfen dieProtestanten wiederholt das zu Tr i en t zu h alt end e Concil, weil vomPapste berufen, wobei sich zugleich ihre Gesinnung aus eine höchst merkwür-dige Weise kund gab. Sie vcrtliciltcn nämlich die aus momentaner Geisteö-überspannung hervorgcgangcnc Schrift Luther'Sdas Papstthum vomTeufel gestiftet" (1545) mit einem ekelhaft-schmutzigen Titelkupfer*)unter die kathol. Stände^). Gleichwohl machte der Kaiser nicht ohne Ver-

l> -sDcckers, Hermann von Wied, EB. u. Churs, von Cöln. Cöln 840.Mcuscr, s. v. Hermann von Wied im Bd. III. des Aschbachs. Kirchcnlcri-lo». sPaeca, Cardinal, üb. die großen Berdicnste dcS Klerus, d. Univers. u.d. Ragisir. v. Cöln um die kathol. Kirche im 16. Jahrh. a. d. Zral. Augsb.840.Eunen, Gesch. der Rcformat. im Bereiche der alt. Erzdiöccsc Köln. Neuß 849.

2> Einführung der Reform, im Erzstiste Magdeburg. «Fiedler, Pastoralzcit.l» Torgau. Jahrg. IV. von 1842. Franke, Gesät. der Hallislb. Reformation.Halle 84l. Apfclstcdt, Einsühr. der Reform. Luth. in d. Schwarzburg. Landen.Eoudershauscn 841. Fraustadt, die Einführ, der Reformatio» im Hochstifte-Merseburg Lpz. 844.

3> Refvrinationsumtricbc in Bayern in der Mitte des 16. Jabrh. fHistor.polit. Blätter Bd. IX. S. 14-29.1 Glaubcnstrennung in Tprol. «Hist, polit.Blätter Bd. VI. S. 577-6091. FW cb cr, Tprol u. die Reformation. JnnSbr. 841.

4> Bei Walch Bd. XVII. S. 1278 ff.; auch abgedruckt und mit Anmcrk.begleitet in des Abtes Prcchtl Scitcnslück zur Weish. Dr. Mart. Luth. .;.Jubels, der Luther. Rcformat. 3. Aufl. Sulzb. 818.

5i Aus Churfürstl. Befehl verfaßte Melanchthon: Oausae, guars et am-

50*