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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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786
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3. Zeitraum. I. Periode. 1. Capitcl.

daher die Genehmigung der Doppelehe entwirr ableugnen (was er wolilkönne, da sie nur ins Geheim ertbeilt worden und durch die Veröffentlichungnichtig werde), oder im Fall dies nicht angehe, um Gnade bitte» und beken-nen, daß er geirrt und genarrt habe." Es entstand darüber ein Federkriegzwischen Luther und dem Herzog Heinrich von Brannschweig, gegenwelchen er die Schriftwider Hanswurst" richtete, und sei» freventlicheöBerbältniß zu Eva von Trotta ausbeutete. Der standgraf Philipp lebte in-deß ungestört mit seinen beiden Franc» und zeugte mit beiden Kinder: »ntder Landgräsin zwei Söhne und eine Tochter, und mit Margaretbe 6 Söhne,die Grafen von Diez genannt wurden.

318. Neue 6!ewalttl>ätig selten der Protestanten; Versöhnungt-

v ersuche.

Als das BiStbuni Nanniburg-Zeitz erledigt war, wählte das Eapitelden Dompropst Julius von Pflug, einen Mann von bedeutender theologischerBildung und milder Gesinnung; aber der Cburfürst Jo bann Friedrichder Großmütbige wollte einen lutherischen eiuführen. Nicolauü vonAnisdorf wurde niit dem Gebalte eines Pfarrers gewaltsam eingesetzt l 1542),ein churfürstlicher Beamter übernahm die weltliche Regierung des KiSthumS.Ilm das kathol. Kirchcnthnm zu verhöhnen, hatte stuther den Ämsdorfnach sei-ner Art zum Bischof geweiht und mit Frivolität berichtet:Wir haben einenBischof geweiht, ohne allen Chresam, auch ohne Butter, Schmalz, Speck,Theer, Schmeer, Weihrauch und Kohlen." Dieser Gewaltthätigkcit folgtesogleich eine andere. Der kathol. Herzog Heinrich von Braunschweigwar mit der Stadt Braunschweig, die gegen seinen Willen sich dem schmal-kaldischen Bunde angeschlossen batte, in Streit gerathen '). Als er im Be-griffe stand, die ihm vom Reichskammergericht übertragene Reichsacht an derStadt Goslar zu vollziehen, überfielen ihn die Häupter des schmalkaldischenBundes (1542), bemächtigten sich seines standes, nöthigten ihn zur Fluchtnach Bayern, und führten sogleich in seinem Lande das Lutherthum ei». Aehn-lich erging es in dem H ild eshei mi sch en Sti ftl a nde ^), das durch kai-serlichen Ausspruch den Herzögen Erich und Heinrich von Braunschweig warzugetheilt worden.

Eine neue Verwicklung veranlaßte Hermann, Graf von Neuwiedund Churfürst von Cöln (s. 1515). Er hatte unter Gropper's Leitung sei-ner Diöcese auf der Provinzialsynode 1536 eine treffliche kathol. Reformin Aussicht gestellt, aber bei seinem beschränkten Geiste wurde er von derertremen Richtung der neuen Lehre sortgerifsen, und ging damit um, seinemLande nach einem von Bucer und Melanchtho» verfaßten Gutachten de»Protestantismus aufzudringcn. Der Erstcre hielt bereits exegetische Bor-träge im Franziseanerkloster zu Bonn. Doch widerstand das Domcapitelkräftig und legte eine Widerlcgungsschrift iunticliclu^nis) ein. Der Kaiser

von der Sahl." (Histor. polit. Blatt. Bd. VII. S. 751 ff. Bd. XVIIlS. 224 ff. Bd. XX. S. 93 ff.l

1) Hildesheimer thcol. Monatschrist Octob. u. Nov. Hcst von 85>.

2) Vgl.das Luthcrthum der Stadt Hildcsheim," aus ei», alten ManuseripnI'Htst. polit. Blätter Bd. IX. u. Bd. X.) Les/enbe,A> «must, ileou »«Lbsn. inksr. 'b. I. p. 25l sg. Llin.pcl, die Annahme d. evang. Glaubensbckcnnt.v. d. Stadt Hildesh. Hildcsh. 842. Vgl. auch Schlegel, Kirchen- u. Rcforma-tionsgcsch. von Norddeutsch!, bcsond. der Hannov. Staaten. Hann. 628A.2 Bdc. Baring, Gesch. der Reform, in der Stadt Hannover. Hann. 642.