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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
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750
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3. Zeitraum. 1. Periode, t. Capitel.

und bis zur Flucht verfolgt, die Bulle beschimpft; AehnlicheS geschah zu Er-furt. Dagegen wurde die Pnblication der Bulle und die befohlene Verbren-nung der Schriften Luther's durchgesetzt zu Mainz, Coln, Halberstadt, Frei,singen, Eichstädt, Merseburg, Meißen, Brandenburg u. a. O.

Der Churfürst von Sachsen forderte Luther auf, sich noch einmal an denPapst zu wenden. Luther that dies durch das oben angegebene plumpe Schrei-ben sammt Beischlnß der Schriftvon der christlichen Freiheit." Nach demTode des Kaisers Maximilian ward nach langem Schwanken Carl V. zumKaiser gewählt, dessen angeborene oder in dem Familiengeiste liegende Ehr-furcht vor dem Herkömmlichen, besonders dem Kirchlichen, durch den Unter-richt seines Lehrers Hadrian von Utrecht, dem er nachmals zum Pontificateverholfen, noch verstärkt worden war ^). Nach seiner Krönung zu Aachen(22. Oct. 1520) übergaben ihm die päpstlichen Legaten Carraccioli undAleander die Bannungöbulle. Luther, noch ungewiß über die Gesinnung desneuen Kaisers, hatte sogleich ein demüthiges Schreiben an ihn gerich-tet^), um ihn für sich zu gewinnen. Der Churfürst von Sachsen erklärteden päpstlichen Legaten nach dem Rathe des Erasmus, welchen er nachCöln beschieden: die Sache müsse erst durch billige, fromme und unverdäch-tige Schiedsrichter untersucht, und Luther's Lehre aus der h. Schrift wi-derlegt werden. Zugleich appellirte Luther, nicht achtend des Verbotes derfrühern Oberhäupter der Kirche, und ohne die Antwort des P. Leo abzuwar-ten, vom Papste an ein allg emeines Concil, und verfaßte die Schriftwider die Bulle des Antichrist." Am höchsten steigerte sich seineKühnheit durch die öffentliche Verbrennung der Bannbulle sammt dem kano-nischen Rechte, mehreren scholastischen und casuistischen, sowie den polemi-schen Schriften von Eck und Emser mit den Worten:Weil du den Heiligendes Herrn (Martin Luther) betrübt hast '), so betrübe und verzehre dich daSewige Feuer" (10. Dec. 1520). Wie Luther diesen Act durch einen Anschlagzum Voraus bekannt gemacht, so berichtete er auch nach vollbrachter Thatüber den Sieg, den er errungen, an Spalatin *). Bei der immer größerenVerwickelung schrieb der Kaiser seinen ersten Reichstag nach Worms aus.

tz. 303. Reichstag zu WormS 1521. Luther auf der Wartburg.

L'oc/rkaeus (6ol. 568? p 55 sg. TÄKavia»» bist. Oonc. Brill. lib. I. c. 25sg. läse. (laue. Brill. Iil>. I. o. 21 sg. Xcta Bmküer» in con-

riliis Vormat. all. Bnlirariu?. Vit. 546. (I-utd. opp. lat. llon. 1. II. x>436 sg. dcut. Werke, Je». A. Th. I. S. 432463.) »ä s.

1521. Riffel Bd. I. I. A. S. 180 ff.

Der Kaiser beabsichtigte gleich anfangs Luther auf den Reichstag zu be-scheiden; diesem widersetztc sich jedoch der päpstliche Gesandte Aleander,da ja eine weltliche Behörde die Entscheidung des Papstes nicht untersuchenkönne; er verlangte vielmehr, daß der Forderung der Bannbulle gegen Luther

l) La uz, Correspondenz Kais. Carl's V. a. v. königl. Bibl. u. d. Bibl. äeLourxvKns zu Brüssel mitgetheilt. Lpz. 844 ff. 6 Bde. Heine, Briefe an Carl V(153032) von seinem Beichtvater a. d. Span. Rcichsarchiv zu Simancas. Drl.848. Robertson, Gcsch. Kaiser Carl's V. deutsch. Kempt. u. Braunschw. 3.Ausl. 792 ff 3 Bde.; vorthcilhaftc Charakteristik Car's V. bei Raumer, Gcsch.Europ. seit dem Ende des 15. Jahrh. Bd. I. a. v. Stellen besond. S. 5808v.

2, Bei Walch, Luth. Werke Bd. XV. S. 1636. vgl. Riffel Bd.I. S. 103 ff-

3 > Imtb. ep. all Lpalat.: Impossibils ost euim 8aivo8 üori. gui buie bullneaut kovsrum aut non rspugnarunt. (bei de Wette Bd. I. S. 522.)

4) de Wette Bd. I. S. 532; bei Walch, Luth. Werke Bd.LV. S.1S25.