§, 303. Reichstag zu Worms 1521. Luther aus der Wartburg. 751
s3. Jan. 1521) Genüge geschehe. Aber hier zeigte sich recht augenscheinlicheinerseits baS N a chtb eil i ge d eS C e ntraI is iren s aller kirchlichen Ge-walt in Rom, und andererseits der Mangel an Synoden, vor welcheLutbcr'S Angelegenheit gehörte. Mehr Eindruck machte die Rede dieses Le-gaten, worin er zeigte, daß es sich hier nicht um einige Differenzen zwischenLuther und Rom handele, sonder» daß Luther mit dem völligen Umsturz derKirche drohe, namentlich aus den Kaiser. Doch mußte er dem Verlangender Stände, die nichts beschließen wollten, obne Luther gehört zu haben,nachgeben. Zudem hatten sie in seltener Verstimmung über die eingcrissencnMißbräuche in Neligionssachcn 101 Beschwerden iLr.iv.ammaj eingereicht'),und Herzog Georg von Sachsen, der eifrige Feind Luther's, sogar12 besondere Punkte vvrgclegt, worin über Mißbrauch der Ablässeund schlechte Sitten der Geistlichkeit ernste Klage geführt, und zur Steuerungauf ein allgemeines Concil gedrungen wurde.
Je nach der Lage der Dinge und der Kunde davon zeigte sich Luther balddemüthig und bereit zu widerrufen, bald hochfahrend und unbeugsam, zu-mal als er mit einem kaiserlichen Gelcitsbricfe nach Worms kam (16. April)und noch anderwcitcn Schutz im Hinterhalte wußte. Daher erkannte er zwardie ihm vorgelcgtcn Bücher als die seinigen an, erklärte aber: „daß er mitZeugnissen der h. Schrift oder mit öffentlichen, Hellen und klaren Gründenüberwiesen und überwunden zu werden verlange, und nicht anders widerru-fen werde." Ja er fügte schließlich hinzu: „Ich glaube weder dem Papste,noch den allgemeinen Concilien allein, da es am Tage und offenbar ist, daßsic oft geirrt und sich selbst widersprochen haben; mein Gewissen ist in Got-tes Wort gefangen, ich kann, ich will nichts widerrufen: hier stehe ich; ichkann nicht anders, Gott helfe mir, Amen." Der Trier'schc Official Johan-nes von Eck zeigte ihm das Widersinnige dieser einseitigen Berufung auf dieh. Schrift und ihre Erklärung nach seinem Sinne, zumal er daS Ansehenderselben durch willkürliche Annahme und Verwerfung der einzelnen Bücher*)
1) Walch, Luth. Werke. Bd. XV. S. 2058 ff.
Luther äuficrt sich über d. Pentateuch: „Wir wollen Mosen weder sehennoch hören. Denn Mose ist allein dem jüd. Volke geben und gehet uns Heiden u.Christen nichts an. Daruin lasse man ihn der Inden Sachsenspiegel sein, u. unsHeiden unvcrworren damit Gleichwie Frankreich den Sachsenspiegel nicht achtet u.doch in dem natiirl. Gesetze wohl mit ihm stimmet: das Gesetz gehet die Indenan, welches uns forthin nicht inehr bindet. — Mose ist aller Hcnkcrnieister u. nie-mand ist über ihn noch ihm gleich mit Schrecken, Aengstigcn, Tvrannisircn u. s.>v. — üb. Eeclesiastes: s,Dieß Buch sollt völliger sein, ihm ist zu viel abge-brochen, es hat wed.r Stiefel noch Sporn, es reit nur auf Socken, gleich wieich, da ich noch im Kloster war." — über Judith u. Tobias: „Mich dünkct,Judith sei eine Tragödie od. Spiel, darin beschrieben u. augczcigt wird, was fürein Ende die Tyrannen nehmen; Tobias aber eine Komödie, darin von Weiberngcrett wird u. viel Lächerliches u. närrisch Dings enthält" — üb. Ecclcsiasti-cus: „der das Buch gemacht hat, ist ein rechter Gcsetzprcdigcr od. Jurist, lehret,wie man einen feinen äußeren Wandel führen soll, ist aber kein Prophet, weißnoch lehret von Christo nichts." — üb. II Makkab.: „Ich bin dem Buch u.Esther so feind, daß ich wollt, sie wären gar nickt fürhanden, denn sic Jüdcnzcnw sehr u. haben viel hcidn. Unart." — Ucbcr die 4 Evangelien: „Weil 3Evangelisten viel seiner Merck, wenig seiner Wort beschrieben, ist JohannesEvangelium das einzige zarte, reckt boglaubt Evangelium und den andern dreienwest fnrzuzichen und höher zu heben. Also auch St. Paulus und'Petrus Epistelnwnt über die 3 Evangelien fürgehen." — Uebcr den Br. a. d. Hebräer: „Der-halbcn er uns nicht hindern soll, ob vielleicht etwa Holz, Stroh u. Hew mit