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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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745
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§. 300. Rom's Unterhandlungen mit Luther. Lcipz. Disputation. 745

nützen Wäscher so hart angetastet; aber ich habe sa dieses allein darum un-tersucht, daß nicht durch Schande fremden Geizes die römische Kirche,nsere Mutter, befleckt, noch das Volk durch den Ablaß inJrrthumver-führt werde. Nie bin ich Willens gewesen, der römischen Kirche und päpst-lichen Hoheit Gewalt anzugreiscn. Ja ich bekenne, daß dieser Kirche Gewaltüber Alles sei, und ihr nichts,, weder im Himmel noch auf Erden, könne vor-gczogcn werden, denn allein Jesus Christus, der Herr über Alles." Zu glei-cher Zeit aber enthüllte er die vcrdammungswürdige Heuchelei an seinenFreund Spalatin, churfürstlichcn Hosprcdiger und Geheimschreiben:Ichweiß nicht, schrieb er ihm, ob der Papst der Antichrist selbst sei, oder sein Apostel."

Ehe die Unterhandlung der deutschen Bischöfe noch zu Stande komme» konnte,drangen die Gegner Luther's, besonders Eck ohne Erwägung der Folgen auf eineöffeinlichc Disputation, um so eine» eklatanteren Sieg zu gewinnen. Dieselbeward zu Leipzig zwischen Luther, seinem Anhänger Carlstadt, und Eck in Ge-genwart des Herzogs Georg von Sachsen, Albcrtiuischcr Linie, undeines großen Publikums veranstaltet (27. Juni bis 15. Juli 1519). Der Pri-mat der römischen Kirche, der Zustand des gefallenen Menschen,Gnade und Freiheit, Buße und Ablaß waren die vorzüglichsten The-mata. Eck, an Kenntnissen, Dialektik und Sprachgewandtheit seinen .Gegnernüberlegen, trug einen entschiedenen Sieg und Applaus davon'). Während desKampfes hatte Luther unverkennbar die Lehre angcdcutct, daß der Glaubeallein ohne die Werke selig mache, und durch Stellen aus dem Briefe des h.Zacobus in Verlegenheit gebracht, dessen Echtheit verworfen, die menschlicheFreiheit, auch den Primat des Papstes und die unfehlbare Auto-rität der Concilieu geleugnet. Bei den oft geltend gemachten verwandtenAnsichten mit den Husitcn hatte Herzog Georg von Sachsen mit dem Ausrufedes Erstaunens:Da wallt die Sucht," sich von seinem Sitze erhoben').Jetzt erhielt Luther einen weitern Gegner in dem in elastischer und'orientalischerPhilologie wohl bewanderten, gelehrten und sarkastische» Hieronymus Emser,Accntiatcn des kanonische» Rechtes zu Leipzig und Gchcimsccretäre des HerzogsGeorg von Sachsen'). Nach gemeinsamem Uebcreiukommen sollte das Urtheilüber den Ausgang der Disputation auf Grund der cinzuscndcnden Acte» denUniversitäten Erfurt und Paris anhcimgegebcn, und dieses vor weitern «schrittenabgcwartct werden. Als dies von lutherischer Seite nicht beobachtet ward, be-gann ein neuer Federkrieg.

1) Dutsterr ep. sei Kpalut.:Interim kamen ille plaest, triumpbat et rex-nat: seel sänke esticksrimus uos nostra. Uam guia male cklsputatum est,eilam rosolutiones cksnuo. Inpsisnses sank nos nsgue sulutarunt nvguerisitarunt ae vkluti bestes invisissimos balmsrunt. illum > omitabantur, aelbas-relnmt, convivabrintur, invitaliant, ilcubius turnen clonaverunt st scbamlotumLililiilerunt. cum ipso spaciatum eguitaverunt, bravster, guiclgubl potuerunt,in uostram injuriam tentaverunt." Xcta c.ollog. Dips. (zw. Eck, Mclanchthon,Ccllarius, Carlstadt, viele Repliken u. s. w.) bei Löscher. Bd. III. S. 203 ff.Walch Bd. XV. S. 054 ff. Scidemann, die Lcipz. Disputation i. I. 1519aus bisher unbenutzten Quellen. Drcsd. 843.

2) Actcnstücke über diese Disputat. bei Löscher. Bd. III. S. 203558;Walch's Ausg. der Werke Luth. Bd. XV.. S. 998 ff. u. bei de Wette, Luth.Briefe. Bd. 1. vgl. Riffel Bd. I. S. 80-94. 2. A. S. 134 ff.

3) L'ero». L)««er, de clisputatione Isspsieeusi guantum all Lokinos obiterüeßexa est im Aug. 1519; als Antw. aufLuthcr'S all XsAoceratsm blmserianumbl.butberi rospiinsio schrieb Emser a venations Imteriana XeZocerotis asscrtionn Nov. 1518(Dritsterr opp. lat. .len. I. I. Löscher Bd. III.); aus was Grundu. Ursach. Luth Dolmetsch, dem gemeinen Mann billig verbocken worden sei (wegenIM kctz. Jrrthümcr u. Lugen) Lpz. 1523; deutsche Uebcrs. des N. T. Drcsd.1527; assertio missae; cks canono missae; stuhcr schon cks vita et miraculis st.Leunonis. Vgl. das Aschbach'schc u. Frcib. Kirchcnlerikon s. v. Emser.