§. 300. Rom's Unterhanvlungcn »nt Luther. Leipz. Disputation. 743
und seine Gesinnungsgenossen zugleich die ihnen verhaßten Humanistenan und schrieben diesen alle Schuld zu ^). Dadurch erweckten sie sich neueGegner und schadeten nur der guten Sache ").
Luther beantwortete in Kurzem alle Gegenschriften, die des Eck durchasteiisei'H in einem Strome ungebührlicher Schmähungen^), denenruglcich seltsame Widersprüche und Abweichungen vom Kirchen-ylauben inh ärirten. Bei seiner Disputation in Heidelberg auf demAugustiner-Convente (April 15 l8) hat Luther die später gegen die kath.Lehre verfochtenen Hauptsätze schon sehr bestimmt ausgesprochen'), und hierbereits den Bucer für sich gewonnen; in Wittenberg erklärte sich für ihn Ilr.Andreas Bodenstein, nach seinem Geburtsort Carlstadt genannt °). Durchdiese Schriften war die allgemeine Aufmerksamkeit aus Themata der christ-lichen Anthro polog ie gelenkt, die nach dem Zcugniß der Geschichte zuden größten Verirrungen führen können, wenn nicht die ruhigste Besonnen-heit angewandt wird.
§.300. Rom's Unterhandlungen mit Luther. Leipziger Disputa-tion; Eck, Einser und Melanchthon.
Nach der Kunde von diesen Vorgängen ernannte Leo X. für den Ordender Augustiner-Eremiten, der eben keinen General hatte, interimistisch denvenetianischen Gelehrten und Promagister der Augustiner Gabriel (1518).Der Papst scheint die von Cochläus ^) angesührste weit verbreitete Ansichtgehabt zu haben, es handle sich hier um Ordensneid und Mönchszänkcreien,und wollte so Luther durch seinen OrdenSgencral zum Gelübde des Gehor-sams undzum Schwelgen bringen. Sodann forderte er den Churfürsten Fried-rich den Weisen aus, dem TreibenLuther's zu steuern. DerKaiser Maximi-lian, der schärfer sah, hatte nachdrücklich auf die gefährlichen Folgen desbeginnenden Streites aufmerksam gemacht und vorher gesagt: „man werdebald an die Stelle der überlieferten Heilswahrheiten Privatmeinungen und
dutderi srrores, Ovlon. 522. Ucber sämnitliche kathol. Gegner Luther's vgl.vr. Lämmer, die vortridcnt. kathol. Theologie des Reform. Zcitalt. Bell.858. S. 1-17.
1) „Erasmus, sagten sie, habe das Ei gelegt, Luther es ausgebriitet, dieganze Ketzerei komme von den gricch. Wissern u. zierliche» Rcdeküustlern her."Daher spottete Erasmus über diese Kctzcrrichtcr: „Olim daersticus dadodatur,qui äissentiedat ad svrmZeliis, ad articulis üävi, am dm, guas cum dis pu-rem odtmönt auctoritatsm; — nunc guickguick non placst. guulguicl non in-telligunt, dasrssis sst. Orasco seirs dasrosis ost, vxpvdts loqui dasrssis sst,quick,uiä ipsi inni kacinnt, dasrssis sst." epp. dd. XII. p. 403.
2) Erasmus bei Seckendorf sagt über Hogstratcns Taktik: „diulla rss waZiseonciiiavit ownium kavorsm Imtdsro." u. von Pricrio: Lcripsit ckrisrias —seä ita tamsn, nt causam iuäulAvutiarum tscorit ckotsriorsm.
3) Beide Schriften bei Löscher. Bd. II. S. 62 ff. u. 333 ff. Bd. III. S.M ff. Imt/rsrr opp. Imin. cksu. D I. — 4> Vgl. Riffel Bd. l. 2. A. S. 73 ff.
5) Luth. Werke bei Walch Th. XVIII. S. 66 ff.
6> Schon vor Luth. astsrisci schrieb Carlstadt 370 apologsticao conelusionssu. auf Eck's Apologie der Obelisken die clsl'susio ackv. ilu. dleckii monowacdiambei Löscher, Th. II.
,7) Vgl. Lcssing's Rettung des Cochläus, aber nur in einer Kleinigkeit,isanmiil. Schriften Ausg. von Lach mann. Brl. 838 ff. Bd. IV. S. 87—101.)Dagegen die Vertheidigung P. Leo's gegen Bandello's Bericht, als ob Leome Sache anfänglich für geringfügig gehalten, in der Breslauer Zeitschr.M kathol. Theol. von Ritter. 832. H. I. u. II.