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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 299. Luthcr's Auftreten gegen den Ablaß.

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Tetzel von Leipzig, der durch unwürdige Anpreisung des Ablasses *),nach der frühem Opposition gegen das Ablaßwesen von kirchlicher und staat-licher Seite (s. S. 635 u. 661) mehrfach Anstoß erregte. Denn schon hat-ten die Churfürsten (1500) gegen derartige Ablaßverkündigungcn protcstirtund festgesetzt (1510), daß bei verkündeten der Erlös in Deutschland bleibensollte; Kaiser Maximilian hatte die Maßregel kräftig unterstützt. Der B.Johann von Meißen hatte verboten, irgend einen Ablaßprediger in seineDiöcese aufzunehmen, und für die Divcese Constanz waren ähnliche Ver-ordnungen erlassen.

Hiernach war Luther nicht der erste, der sich gegen den Mißbrauch desAblaßhandels erklärte; es lag hierin noch nichts Ungesetzliches in seiner Stel-lung als Prediger, Beichtvater und Lehrer der Theologie. Auch der Anschlagder 95 Thesen über den Ablaß am Vorabendedcs Allerheiligenfestes (31.Oct.1517)) war nach der Sitte der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches, undLuther verwarf darin nicht den Ablaß, vielmehr erklärte er in der 71sten The-sis:Wer wider die Wahrheit des päpstlichen Ablasses redet, der sei einFluch und vermaledeit," und betheuerte zugleich: daß er nichts sagen wolle,was gegen die heil. Schrift, die Lehre der Kirchenväter und der Päpste ver-stoßen würde. Nur wünsche er über den Ablaß,von dem ernichts verstünde,"Ausschluß zu erhalten; und diesen hatte er nach Ausweis des widersprechen-den, oft burlesken Inhaltes und der theilweise höhnenden Form der Thesengar sehr nöthig ^). Es bezeugten ihm auch anfangs der B. Bibra von Würz-burg u. A. lauten Beifall darüber ^); der crstere schrieb sogar an den Chur-

1) Gegen die maßlosen Entstellungen in frühem Biographien Tctzel's von

Hecht lVilewb. 717) von Vogel, Lpz. 7>7 u, 727 von Hoffmaun 844.vgl. ^Briefwechsel zweier Katholiken über den Ablaßstrcit zw. Tetzel u. Luther.Frks. a. M. 817. -(Grüne, Tetzel u. Luther oder Lebensbcschrcib. u. Rechtfertig,des Ablaßpred. Dr. 3»h. Tetzel. Soest 853. Zudem schrieb Tetzel iu seinermstrueüo summurm (vom 31. Octob. 1517) den Pfarrern vor:Wer gebeich-tet hat und Innern Schmerz über seine Sünde empfindet (coutessus steontricusi, dem kann, wenn er Almosen gibt lelsemoszosm d. i. das Ab-laßgeld), Nachlaß der zeitlichen und kanonischen Kirchcustrafcn gewährt werden."(s. Löscher a. a. O. l. 414.) Und die damals übliche priesterliche Absolutions-formcl, die selbst der Lutheraner kmtoriu Dutbemuismi lib. II.

sect. 6. anführt, lautet also:blissrsatur tut Dominus nnster ./«LUL

per meritn suas snnetissimus pnssionis ts absoivat st sgo uuetorituts esus-lleni et dsntorum Dstri st kuuli Xpostolorum st sanetissimi clomini nostripapse mibi eoneessn st in bas parts mibi commissa ts ubsolvo: primo abomnibus censuris u ts guomollolibst incursis. clslnclv ab vmuibus psccutis,üelictis et excsssibus etium ssili Xpostolicus reservatis, inelsves snnctae matris scclssiae ss sxtenclunt, rsmittenäo tibi per plsnu-riaw imiulgsntiam omnem posnam in purl/atorro pro prusmissis äebitnm, etrestituo ts snnetis sucramentis scelesius st unituti iiäslium ne innocsntius stpuritnti, in gun sras, ()uunäo buptisutus (uisti etc. stc. In nomine Ib I?. etSpiritus 8cti. ämen/-

2) Bei Löscher, vollst. Rcformat. Acta Th. I. S. 367 ff. u. in den Ausg. vonkuth. Werken z. B. zu Jena Thl. I., zu Altcnb. Bd. I. von Walch Bd. XVIII.S 255 ff. Nach tbssis 29 z. B. soll man nicht wissen, ob alle Seelen auS demFcgscucr erlöst sein wollen; in tbssis 82 heißt cs: warum befreit der Papst nichtaus Liebe alle Seelen aus dem Fcgfcuer, so er doch des vergänglichen Geldeswillen viele daraus erlösen kann? Wiederum ist der Ablaß nach einigen Thesenlchädlich, nach andern wieder nicht zu verachten! vgl. Kritik dieser Thesen beiRW Bd. I. S. 32 ff. 2. A. S. 65 ff.

3) äbi'rus u. 1517 sagt offen:In ipsis Kusus truZosüius initiis sisus