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3. Zeitraum. 1. Periode, t. Capitel.
droht wurden. In Frankreich, Spanien und England hatte nachthcilweise heftigen Kämpfen die königliche Macht über die seither mächtigeAristokratie gesiegt, wogegen in Dänemark, Norwegen und Schwe-den die gewaltige Aristokratie der Geistlichkeit und des Adels die Macht derKönige sehr beschränkte. Unter diesen also gestalteten politischen und religiösenVerhältnissen kam es darauf au, ob ein starker, organisirender und fürdas wahre Interesse der Kirche und der Staaten aufrichtig besorgter Geist dengewaltsamen Ausbruch der gährenden Leidenschaften durch die bestehen-den Autoritäten noch beschwören und sie durch eine beftiedigende Reformbeseitigen; oder ob Einer unbesonnen oder in revolutionärer Weise den Feuer-funken in die gährende Masse werfen würde. Die Geschichte antwortet: esgeschah das Letztere; die angeregten gewaltsamen Bewegungen aus dem kirch-lich-rcligiösen Gebiete erzeugten bald auch erschütterndepolitischeUmwälzungen.
Der Mann nun, welcher jene gewaltsame Bewegungen auf dem kirch-lichen Gebiete hervorbrachte, war Martin Luther. Er wurde am 10.November 1483 zu Eisleben geboren. Sein Vater, erst Bergmann, dannRathsmann in ManSseld, wollte den störrigen Knaben für das Rechts-studiumbestimmen, wofür er zuMagdeburgund Eisenach dieVorstudien machte.Seit 1501 studirte Luther auf der Universität in Erfurt Dialektik und die la-teinischen Cassiker; 1505 erhielt er den Magistergrad und begann Vorträgeüber die Physik und Ethik des Aristoteles. Bei diesen Studien aber fandLuther zu wenig Nahrung für sein bewegtes religiöses Leben; dabei zuExtremen geneigt floh er zufolge des plötzlichen Todes eines Freundes in dasAugustinerkloster zu Erfurt (17. Juli 1505), legte gegen den Willen seinesVaters und seiner Freunde voreilig Profeß ab, und wurde kurz darauf Prie-ster (1507). Jetzt studirte er vorzugsweise die hl. Schrift, besonders mitZuziehung der Commentare des Nicolaus von Lyra. Durch den Provincialdes Augustinerordens in Meißen und Thüringen, I o h a n n von Stau pitz,wurde er auf die Werke des h. Augu sti nus hingeführt. Als der ChurfürstFriedrich der Weise von Sachsen fiir die neu errichtete Universität WittenbergLehrer warb, ward er zu einer Professur vorgeschlagen. Dort lehrte Luther(1508) erst Dialektik, später Theologie; nach längerem Widerstreben beganner auch zu predigen. In Geschäften seines Ordens ging er auf einige Zeitnach Italien (1510), wo er die ehrwürdigen Orte des „heiligen Roms" mitAndacht und Rührung besuchte: „ja es schier bedauerte, daß seine Eltern nichtschon gestorben wären, damit er durch Messen und andere treffliche Werkeund Gebete sie aus dem Fegfeuer erlöste." Nur an dem Gerüchte von demUnglauben dortiger Geistlichen nahm er Anstoß. Während seiner fernerenWirksamkeit als Doctor der Theologie (1512) verwendete er großen Fleißauf die Auslegung des Römer- und GalaterbrieseS und desPsalters.
Damals kam von dem prachtliebenden und, wie man sagte, drei Pontifi-cate verschwendenden P. LeoX. eine Ablaßverkündigung, deren Ertrag fürdie Ausbauung der von Julius 11. begonnenen überaus prächtigen PeterS-kirche zu Rom bestimmt war'). Mit der Ausführung dieser Verkündigung inDeutschland war der nicht minder prachtliebende Churfürst Albrecht, EB.von Mainz und Magdeburg und Administrator von Halberstadt, beauftragt^-Für seine Bisthümer berief er den als Volksredner bekannten Dominicaner
1) Die Bulle bei v. ck. LaE. I. e. I. IV. p. 4. - 2) (Hennes, Albrechtvon Brandend. EB. von Mainz u. Magdeb., Mainz 858.