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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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735
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§. 297. Rückblick auf die Wirksamkeit der kath. Kirche im MA. 735

Ordens ist ihm verbliebe». Der zuversichtliche, trotzige Ton uud die Keck-heit mit welcher Savouarola sprach, mache» ihn allerdings zu einem Vor-läufer Luther's, nicht aber sein Lehrbegriff, worin der Dominicaner denwesentlichen Punkten nach mit der kathol. Kirche in Gemeinschaft verblic-hen z« sei» scheint; ja in einzelnen Schriften kommt er den bestenMystikern nahe.

297. Rückblick aus die Wirksamkeit der kath. Kirche im MA.

Um die seitherige Wirksamkeit der katholischen Kirche unter den Ger-manen und Slave» klar zn erkennen, vergleiche man die Stufe geistigerBildung, auf welcher das MA. begann mit jener, auf welcher es nunendet. Man wird so den freudigen Ansruf:Siehe, Alles ist neu ge-worden !" nicht unterdrücken können. Während damals rohe Horden uuter sichund mit andern kämpften, und die nördliche Hälfte Europa's in Wildnifi,Sumpf und Wald, in Dunkel und Finsternis; begraben lag, noch niemalsoon einem höheren Lichte erleuchtet, finden wir am Ende dcsMA. den ganzenWeltthcil zum Christenthume bekehrt und das heitere Schauspiel wohlbe-bautcr Länder, geordneter Staaten und Staatenverhältnifse, des lebendigstenWcchsclvcrkehrs der Völker unter sichst). Durch sinnreiche Kunst und dieseither entfaltete Geisteskraft der Europäer ist ein vierter Weltthcil entdeckt,und dadurch sowohl für den Gedanken als das sinnliche Leben eine fruchtbareOuclst von Reichthümern und Genüssen fliessend geworden. Auö den un-scheinbaren Anstalten bildeten sich vom 12ten Jahrh. an jene grossen undzahlreichen Pflanzschulcn europäischer Gelehrsamkeit und Wissenschaft, welcheLichtströmc durch alle Länder in uncrmüdetcr Thätigkeit verbreiteten; 66Universitäten zählte Europa vor d. I. l517, wovon 16 Deutschland ange-gehörten. Und waS wurde auf denselben gelehrt? Eine Misscnschaftwurde gepflegt (Scholastik), die aus der tiefsten, innigsten Versenkung indas objektive Christcnthum hcrvorgcgangen ist, und von einer Geisteskraftanögeführt wurde, deren Grösse am besten mit jener Kunst und Gemüths-fülle verglichen wird, deren Hervorbringungcn die gleichzeitigen Münsterund Dome sind. Neben der spceulativen Scholastik erhielt bald auchjedes europäische Land einen oder mehrere große Geschichtschreiber;selbst das eisige Island hatte den sinnigen Snorro Sturleson. DieHütten, Burgen und Paläste hallten wieder von den herrlichen Liedern,welche die Großthaten der Gegenwart und Vorzeit sinn- und kunstreich be-sangen. Aber auch höhere, religiöse Glaubenswahrheiten wurden von dich-terischen Geistern glücklich behandelt, und Hymnen und religiöse Gesängehcrvvrgebracht, mit welchen der Form und dem Inhalte nach nicht viele ausunserer Zeit verglichen werden können. Damit hängen auch die Erzeugnisseder kirchlichen Baukunst zusammen, die wir staunend bewundern, derentiefe Ideen wir kaum erfassen, und die durch ihre großartige Anlage uns oftgenug unsere Ohnmacht fühlen lassen. Uud als der menschliche Geist in derRichtung, welche die spekulative Theologie bisher verfolgt hatte, ermüdet war,und diese den Wünschen und Bedürfnissen der Zeit nicht mehr entsprach, hatdle erwachte Liebe zu den Werken der alten Griechen und-mer der bereits errungenen Bildung eine neue Richtung, neuenStoff und eine neue Form gegeben und dafür eine begeisterte Aufnahme ge-

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Biographien s- S. 676. Note 2. ».Hase, neue Prophcicn Lpz.851. S. 97 ff.

bl Möhler. (Gesammelte Scknist. Ad. U. S. 5 ff.) Frcib. Zcttschr.M Thcol. Bd. I. S. 114 ff.