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2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitel.
den Papst, noch den übrigen Klerus, auch nicht durch Ablässe in der Er-reichung der Seligkeit gefordert werden; die kirchlichen Gebote seien nichtunter Versündigung verbindlich; Christus habe keine Fasten, Wallfahrtenund keine Gebete außer dem Vaterunser vorgeschriebe» '). — 3) Der Nie-derländer Johann (Pupper) von Goch, Prior eines Nonnenklostersi»Mecheln (-s- 1475), trat gleichfalls mit der Behauptung auf: nur die ansden kanonischen Schriften geschöpften und begründeten Lehren sind wahre,und rühmte sich, das zu allen Zeiten von Jrrthümern getrübte Christcuthumin seiner Reinheit und Wahrbcit herzustellcn '). Zuerst nämlich sei es durchVerbindung mit dem mosaischen Gesetze verunstaltet worden; zum ander»habe man die Vollkommenheit des christlichen Lebens einseitig in den Glaube»ohne seine Werke gesetzt; zum dritten sei durch Pclagius die Unterstützungdurch übernatürliche Kräfte für überflüssig, erklärt, und viertens die Verbindlichkeit eines Gelübdes als nvthwcndig zur evangelischen Vollkommenheit be-hauptet worden. Das letztere sei ein abermaliger pelagianischer Jrrtbumder Thomisten, welchem er neun Schlüsse über die Freiheit der christlichenReligion gegenüberstellt.
4) Hieronymus Savonarola, jener strenge Sittenprediger, istnur wegen seiner Heftigkeit und Verwegenheit gegen P. Alexander V!.hierher zu rechnen. Er war zu Ferrara geboren (1452), und trat »achBeendigung seiner philosophischen und theologischen Studien zu Bologna inde» Dominikanerorden (1475), in welchem er erst die Metaphysik deö Aristo-teles vortrng, später dem Studium der Väter (Cassianus, Hieronymus,Augustinus) und der h. Schrift mit großem Eifer oblag. Darauf beganner mit vielen: Beifall und seltenem Erfolge zu predige». Als ihn seine Vor-gesetzten nach Florenz beriefen (1489), erweckte er durch seine Abhandlung„über die Regierung von Florenz" und seine vorherrschend apokalypti-sch cn Vorträge p olitisch e Aufregung gegen die Mcdiecer, und führtezugleich eine alles Maß und allen Anstand überschreitende Polemik gegen denPapst, die Prälaten und Mönche. Auf mehrfache Anklagen beim Papstewurde ihm das Predigen verboten, was er einige Zeit befolgte, so daß ernach G u i cci ard i u i in Kurzem auf Verzeihung und Absolution vom Papstehoffen durfte. Da erschien er aber plötzlich wieder auf der Kanzel und tobtenoch heftiger gegen den Papst. Nun wurde er gebannt und Florenz, wennes den Widerspenstigen gewähren ließe, mit Kirchenstrafcn bedroht. Savo-narola erhielt nun auch noch in dem Franziseaner FrauzApnlns einenstarken Widersacher, und eS sollte sogar zwischen Mitgliedern beider Ordenzu einer Feuerprobe kommen, um die Wahrheit oder Falschheit der Redenund des Treibens Savonarola'ö zu erhärte», welcher jedoch der auöcrwähltcDominieanermönch feig auswich. Der schaulustige Pöbel, darüber entrüstet,wollte seinen Mißmuth an Savouarola auslasscn, und als er daran verhin-dert ward, spottete er der Heiligkeit Savonarola'ö. Jetzt wurde er gefangengesetzt, verurthcilt und mit zwei Ordensbrüdern hingerichtct (23. Mai1498). Der von Savonarola mit Standhaftigkeit erlittene Tod hob dieVerschiedenheit der Urtheile über ihn nicht aus"), aber die Theilnahmcseines
I) Seine Schrift ackversus i'uilulßentias. (lllutoä, incnini» meilii »vvi bare.1 1 >. 111 so) Die Proceßactcn bei Ai'Aent-'ö, laUeetio snilieinr. cle iwvisei'i oi'M ab initio suee. XII. ote. ll. 1. IX II. p. 291 8g.
21 1)6 libeetnte iliinst ml 0. Xutv. 521. 4 ; äe gnntuar eiron-
I,U8 äinloKiis. (IlVcke/g I. e. käse. IV. ». 73 8g. Vgl. XVnIeln'i i>enek. p Xlll. s>j.)
3) Bcrthcidigcr: 7''. TVcus cko Lrrmrckcka, vitn. I'utris Hieran. Lnvou in.
Urkund. eil. °/ac. tzuet,/. (Dominicaner) I?nr. 674. 3 r. 7'ac:/. Mrimnaccin,