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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
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736
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736 2 Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitel.

funden. Durch den Fleiß jener so bildungscifrigcn Mönchsorden warenviele Werke des Alterthnms erhalten worden.

Wir können hieran aber noch viele andere herrliche Erscheinungen deSMA. anreihen: die großartige Idee der Verknüpfung des P a p st th uinsund Kaiserthnms in einem Doppelvereine zur Gesittung der Völker;dejn Geist, der das Ritterthum schuf oder ihm vielmehr die wahre Rich-tung gab , der durch Erweckung eines wahren Gefühles von christlicher Elmin den Krenzzügcn unübersehbare Völkermasscn durch Jahrhunderte inBewegung setzte, der den Muth und das Vertrauen bis zur Resignation desBettelmönches einflößte, selbst die bildenden Künste für die Religionund Kirche gewann und nie Gesehenes schuf; der die Gesetzlosigkeit bezwang,die Leibeigenschaft unterdrückte, eine unzählige Schaar Heiliger beiderGeschlechter erzeugte, in den bessern Zeiten ein wahrhaft religiöses Volks-leben erweckte, und endlich in jeder Sphäre menschlichen Wissens und Lebensherrliche Vorbilder erzeugt hat. Im Hinblick darauf werden wir mitunendlicher Liebe und Verehrung für die Kirche erfüllt, welche unter denschwierigsten, oft zerstörenden Verhältnissen so Großes vollbracht, die ent-legensten Völker zuEinem großen Familienbunde vereint hat.

Doch ist diese Freude nicht ungetrübt. Die historische Darstellung Hai,nach manchen früheren traurigen Erscheinungen am Ende des MA. angclangt,in Folge des Zusammentreffens beklagenswerther Ereignisse vielfachen Ver-fall des kirchlichen Lebens und ein immer noch fruchtlos gebliebenes Ringennach einer Reformation an Haupt und Glicdernzu berichten ge-habt : von Oberhäuptern der Kirche, welche durch unrühmliches Leben oderdurch Mißbrauch ihrer hohen Stellung das kirchliche Leben darniedcrgedrückiund das Einheitsband des christlichen Volkes zerrissen haben, so wie vonsolchen, welche auf die ernste, warnende Stimme der für das Heil derkatholischen Kirche lebhaft besorgten Männer wenig achteten; von viel-facher Entartung des Regnlar- und Weltklerus, was auf das religiös-sittliche Leben der Laien sehr nachtheilig einwirkte. Indem die christ-lichen Forscher so bei Beobachtung der immer noch steigenden Oppositiongegen die Kirche das bange Gefühl eines nahen großen Abfalls ergreift,wendet er seinen Blick nochmals auf die abgelaufene Vergangenheit zurück,als wollte er sie siriren, und übersieht noch einmal den großen Schauplatzaller jener herrlichen Begebenheiten als einen innerlich und äußerlich nochnicht zerrissenen mit der Empfindung eines Novalis'):Es waren schöneZeiten, wo Europa Ein christliches Land war, wo Eine Christenheit diesenmenschlich gestalteten Welttheil bewohnte. Ein großes gemeinschaftlichesInteresse verband die entlegensten Provinzen dieses geistlichen Reiches. Ohnegroße weltliche Besitzthümer lenkte und vereinigte E i n Oberhaupt die großenpolitischen Kräfte. Wie wohltbätig, wie angemessen diese Regierung,diese Einrichtung war, zeigte das gewaltige Empvrstrcben aller andernmenschlichen Kräfte, die harmonische Entwickelung aller Anlagen, die unge-heure Größe, welche einzelne Menschen in allen Fächern der Wissenschaften,des Lebens und der Künste erreichten, und der überall blühende Handelsver-kehr mit geistigen und irdischen Maaren in dem Umkreise von Europa bis i»das fernste Indien hinaus." Auch steht unleugbar fest: daß Deutschland nurgroß und mächtig gewesen ist im Mittelalter und in den Reichszeiten: solange überhaupt das Reich verbünd en war mit der Kirche.

1) Novalis, die Christenheit od. Europa, ein Fragm. gcschricb. i. J> t^tl.