§. 295. Verbreitung des Christentums; Judcnbckchrung. 731
ohne innere Ueberzeugung, daher erhielt sich das Heidenthum noch lange.Aencas Sy l v ins erzählt nach dem Berichte des Mönches Hieronymusvon Prag, eines Angenzcngeu , daß derselbe »och kurz vor der Basler Sy-node den Götzendienst in Litthauen herrschend gefunden, und daß, als er vomKönig Wladislaw und Herzog Witondt unterstützt, die Götzen zerstörenwollte, sich Symptome eines Aufruhrs zeigtenZ. — In ähnlicher Weise er-folgte die Bekehrung derLappe n^), die seit 1279 schwedische Oberherr-schaft anerkannten. Der EB. H c m m r u g von Upsal a bewies sich dabeibesonders thätig und weihte den Lappen eine Kirche zu Tornea (1335).
Wenig Erfreuliches laßt sich über die Bekehrung d er Juden in die-sem Zeitabschnitte sagen, nachdem wir über deren Lage unter den Christendes MA. einiges werden vvrausgcschickt haben. Wie stets so hatten die Ju-den auch während der Verwirrung der Völkerwanderung ihren Speculations-geist geltend gemacht und allmälig in Italien, Frankreich und Deutschlanddurch ihren Wucher und Handel großen Wohlstand erworben ^). Die unterden Christen weit verbreitete Ansicht, daß Zinscnnehmcn Wucher sei, hattedie Geldgeschäfte fast ganz in ihre Hände gebracht und so ihre» Reichthumvermehrt. Derselbe wurde dann oft die Veranlassung zu heftigen Verfol-gungen gegen sie, indem man ihnen die allgemeinen Landplagen wie Pest,Erdbeben, aber auch schreckliche Laster wie Brunnenvcrgiftung, Ermordungvon Christcnkindern und Genuß deren Blutes am Osterfeste, Bezauberungder Luft u. A. mit geschwätziger Gehässigkeit nachredete und die Wuth desVolkes gegen sie erregte. Geschah dieses schon zu verschiedenen Zeiten inDeutschland, so war die Lage der Juden in Frankreich und England noch vielbedrängter. Die Päpste, die allgemeinen Beschützer gegen Ungerechtigkeit,haben auch wiederholt zu Gunsten der Juden ihre Stimme erhoben, und er-mahnend und drohend die Christen zur Milde und Gerechtigkeit verwiesen,namentlich die Nöthigung der Juden zur Taufe verpönt. „Kein Jude, vcr-ordncte Jnnocenz UI-, solle zur Taufe gezwungen, und wer nicht getauftwerden wollte, nicht verhöhnt werden. Niemand dürfe ungerechter Weise ihrEigenthnm beeinträchtigen, Niemand ihre Feste stören und ihre Gottesäckerverwüsten," was viele andere Päpste (Jnnvccnz I V., Gregor IX.) wieder-holt haben. Nicht minder erfreulich war das Bemühen mehrerer christlicherGelehrten, worunter berühmte Scholastiker, durch ausführliche Werke undUnterredungen die Einwendungen dcrJudcn gegen das Christenthum zu wider-legen und sic alsdann auf dem Wege der Ueberzeugung zu bekehren (Alanusvon Ryffcl, Thomas von Aguin; das verbreitetste polemisch-apologetischeWerk des MA. von Naymund Martini zu Barcelona ff nach 1286:pncho llüai n«Iv. Vkauros et Imlnoou). In dem nachmaligen Prämonstra-tenscr Hermann (12. Jahrh.) erlebte die Kirche eine aufrichtige und er-folgreiche Bekehrung eines Juden. Diesem Bestreben ganz widersprechendwurde den Juden in Spanien durch Ferdinand und Jsabella 1492 nur dieWahl gelassen zwischen Taufe und Auswanderung. Ihr Wucher hatte denIngrimm des Volkes gereizt und ihre Verbindung mit den jetzt auf ein engesGebiet beschränkten Mauren den nicht ganz ungerechten Verdacht der Ver-th Asnea« <1o -Uani blarop. sul>. in. x. 20- rar.
(lerm, neriMir. all. 'I. II. p. 1l4)
2) ü'c7»eF'err Imp>ionin. 10r(l. 673. 4.
3) Vgl. Depping, die Juden im MA. Stuttg. 834. bcsond. Jost, Gcsch.dn Israelit, s. d. Zt. d. Makkab. bis aus »ns. Zt. Brl. 825 ff. Th. IV. ff.