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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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730
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730 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitel.

Constanz') solche angeführt. In der bessern Auffassung wollte man dadurchdas göttliche Strafgericht, welches man in jenen Zeichen der Zeit zu erkennenglaubte, abwenden. Leicht aber setzte man die Versöhnung mit Gott, stattin das Verdienst Christi und seine Sacramcnte, in daö eigene Bußmerk, undverachtete alles Kirchcnthum ^), weshalb die Pariser Uuiver sitat ge-wisse Geißler eine sectn contra Dom,, contra lainain ct contra ualntemigsornin genannt hat. Auch Gerson bekämpfte sie:weil Irrlehre, Verachtungder Priester, der Beichte und der Sacramente, ja Erpressung und Diebstahl,Müßiggang und alle Arten von Lastern oft in ihrem Gefolge seien." Nochauffallender war das entgegengesetzte Ertrcm der Tänzer, die oft unterAnrufung des hl. Veit leidenschaftliche phantastische Bewegungen (Veitstanz,Johannistanz) ausführten '). Man glaubte in ihrem Treiben eine dämo-nische Besessenheit zu erblicken, und wandte vielfach den Ervrcismus bei ihnenan; am Ende aber wurden sie, wie die Geißler, von der Inquisition hart verfolgt.

§. 295. Verbreitung des Christenthums; Judcnbckchriuig,

Auch diese ist ein Beweis des immer noch regen religiösen Lebens, undspricht für die oben entworfene Schilderung. Nicht sowohl der geringeMissionseifer, als vielmehr der hartnäckige Widerstand der LittbauerJwar Schuld, daß ihnen in Euro p a so spät das Christenthum, das Lichtder Welt leuchtete. Die für die Verbreitung des Evangeliums in den Nach-barländern thätigcn deuts ch en Ritter mußten den Versuch einer Bekehrungderselben hart büßen. Die Litthaucr verbrannten 8 von ihnen auf einmal(1260). Nur allmälig batten sich einzelne der russis ch en Kirche zngc-wandt; einen entschiedenen Schritt zu ihrer Christiauisirung that der Groß-fürst Jagello, der durch Annahme des Christenthums die Hand der junge»Hedwig und mit ihr den Thron Polens zu erwerben hoffte. Darum forderteer auch seine Nntcrhanen auf'),. seinen! Beispiele zu folgen (1386). Nachder Taufe zu Krakau kehrte Jagello, als König von Polen WladislawIN, mit großem Gefolge nach Litthauen zurück, ließ die heidnischen Heilig-thümer, um ihre Nichtigkeit darzuthun, zerstören, belehrte zum Thcil selbstseine Landsleute, und verhieß ihnen als Pathengeschenk neue Kleider. GrösstSchaarcn eilten nun herbei, so daß die Taufe der Einzelnen als eine unüber-sehbare Arbeit erschien. Sic wurden daher Abthcilungsweisc mit Taufwafferbesprengt, und den einzelnen Abtheilungen ein gemeinsamer Name Petrus,Paulus u. dgl. gegeben. Nur den Personen adeligen oder militärischenRanges wurde die Taufe einzeln ertheilt. Der polnische Franziseaner AndreasVasillo, Beichtvater der Königin, ward zum Bischof von Wilna er-nannt. P. Urban V I. bestätigte ihn, stellte ihn unter seine unmittelbareJurisdiction, und verbot die Ehen zwischen griechischen und römischen Chri-sten. Die Annahme der Taufe blieb größtcntheils nur ein äußerer Act

11 t/erx»!,. cp. inisuu, LlarZsteo Vincent, etc. (opp. V. 11. p. 658. r. ü.77»ra!t. '1'. III. I'. VII. p. 94 sg.)

2> Vgl. Na»,na?Ä. ml «. 1372. nr. 33. F reib. Kirchcnlcr. Bd. IV. S. 367-70.

3> Vgl. Freiburger Kirchcnlcr. Bd. XII. Art.Tänzer." u. Hecker, dieTanzwuth eine Volkskrankheit im MA. Derl. 832.

4) Llffakow/es, bist. InUiuauiao U. 1. Vanliaci. 659. 1'. II. Xntv. 663 4.Vgl. lV-rr/ntt in der Litterat. oben vor tz. 180. S. 389.

5) Nach DkttAOW? bim. Union, eil. Ueancos. 711. l. lib. X. p. 96 wurdemit Jagello sein Bruder Levitr^a! u. sein Vetter XVitomlt getauft. lieber dieTaufe vgl. 1>IuA. I. p. 109. Joh. Lindcnblatt seines Zeitgeuoss. >, Jahr-bücher herausg. von Voigt. Königsb. 823. S. 60 ff. 334 ff.