§. 294. Die Bußdisciplin.
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Nachdem dieselbe durch den Gebrauch der Or g el wesentlich gefördert wor-den kamen sogar neue geistliche Tonstücke zum Vorscheine, und die Kirche,weit entfernt dies zu hindern, gab der Musik, wie jeder Kunst, die würdigsteund erhabenste Grundlage. Die sich hierbei herausstelleuden fühlbarstenMängel der Unvollkommenheit der musikalischen Schreibkunst und einesüberall hindurchgchendcn Grundmaßes (dcsTactes) wurden dadurch be-seitigt, daß der fromme Mönch Guido von Arezzo bereits im IltenJahrh. ein einfacheres und faßlicheres Notensystem ausstellte, die Schlüsselin Anwendung brachte, die Zwischenräume zwischen den Linien benutzte u. A.,und ein gewisser Franko, Meister zu Paris, wahrscheinlich im 11. Jahr-hunderte außer der Verbesserung der Notenschrift auch den Mcnsuralgesang,den Tact begründete'). Besondere Aufmerksamkeit widmete dem Gesängealsdann der Cistercienserord en. Künstlerische Tonweisen gestattetendie sorgsamen Päpste an höhern Festen, denn die Würde des (einstimmigen)Gesanges sollte nichts einbüßen").
§. 294. Die Bußdisciplin. Vgl. S. 605.
Diese mußte bei dem aus den Rcsormationsconcilien vielfach in Er-wägung gezogenen Verfalle des kirchlichen Lebens in diesem Zeitabschnittverhältnißmäßig am meisten leiden. Ihre frühere Strenge nahm nun durchdie oft mißbräuchlich ertheiltcn Ablässe und durch das Anbieter! derselbendurch P. Julius II. zur Erbauung der Peter Ski r che noch mehr ab:Leichtfertigkeit trat jetzt an die Stelle des ernsten Bußcifers in den erstenchristlichen Jahrhunderten. Die überhandnehmcnden Sekten schwächten denBußeifcr durch ihren freventlichen Spott noch mehr, zumal die Geistlichenden begründenden Unterricht mehrfach vernachläßigten. Ebenso nachtheiligwirkten die zu oft und voreilig verhängten Banne und Jnterdiete,weshalb die Beschränkung derselben von den Concilicn wiederholt zur Pflichtgemacht wurde (s. S. 661.).
Da nach der Analogie, welche zwischen dem geistigen undphysischen Leben besteht, jenen krankhaften Erscheinungen im religiö-sen-sittlichen Leben damals auch außergewöhnliche Krankheiten im physischenLeben zur Seite traten: die öfter wiederkchrcnde Pest und der schwarzeTodJ, erhielt der Bußcifer an vielen Orten eine entgegengesetzte Richtung;zunächst ward das frühere Geißeln bis zum Extreme geführt. Man sah da-mals ungewöhnlich große Züge von Geißlern*), und selbst der gottes-fürchtige Vincenz Fcrrer hat vor der Abmahnung des Concils von
S. 851—52. ffWisenian, über die in der päpstlichen Kapelle übliche Liturgieder stillen Woche, a. d. Engl, von Aring er. Augsb. 840. S. 58 ff.
1) Nach Andern ist dieser Franko ein Cölner u. Zeitgenosse Kais. Fricdr. 1.(obige Bestimmung nach Harter); seine nrs r-unus insni-urnbiitL hcransg. vonHerbert, ile eumu et inusien saer» 111. 1 sg.
2) Vgl. die nierkwnrd. Dccrctalc Johannes XXII.: doctn Snimtor. Uatrum;exti-LvaMM. tib. 111. tit. 1.
3) Hecker, der schwarze Tod im 14. Jahrh. Brl. 832. Tholuck, vcrm.Schriften. Bd. I. S. 91 ff.
4j lliswrin tla^ellnntium seu de rsetu st pervers» tlugellar. usu npwll'M'istlltnos. I>!>r. 700. Förstemann, die christl. Gcißlergcscllschastcn. Halle828. Mohnikc, über Gcißlcrgescllschaft. u. Vcrbrnd. (Jllgen hist.Ztschr.Jahrg.833. Bd. 111. St. 2.) Schnccgans, die Geißler, namentl. die große Geißler-sahrt »ach Skaßb. i. I. 1349. nach d. Franz, von Tischen vor f. Lpz. 840.Enthalt neue Data). Vgl. S. 599 u. Schröckh, KG. Th. 33. S. 446-57.