726 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitel.
Satzungen seines Hauses. Durch die bunten Glasfenstcr') endlichfiel ein gehcimnißvollcö Zwielicht in die erhabenen feierlichen Räume; denndas gewöhnliche Licht, welches dem beschränkten irdischen Wirkungskreise derMenschen scheint, sollte nicht zu den überirdischen und unergründlichen Ge-heimnissen leuchten, vielmehr eine ans den erhabensten Lichtwirkungcn beider Morgen- und Abcndröthe znsammenströmendcn Helle. In diesem ver-klärten Lichte hatte die Kunst den Herrn des Tempels, seine Heiligen, dieheil. Geschichte vom Sündenfalle bis zur Auferstehung und dem jüngsten Ge-richte dargcstellt, so daß der Blick des Andächtigen wie des Lässigen immerauf solche Gegenstände traf, die ihn in einer heilsamen Stimmung erbiclteiioder geeignet waren, ihn wieder darauf zurückzusühren. Die Gestalten derHeiligen aus Stein wuchsen gleichsam aus Säulcnbündcln hervor und zier-ten die Gräber heil. Fürsten und Bischöfe. In Ermangelung der erst durchdie Buchdruckerkunst weiter verbreiteten Erbauungsbücher haben solche crba-bene Tempel deren Stelle vertreten. Sie waren mit ihren Symbole» gleich-sam ein Buch, aus dem der Gebildete und Ungebildete seine Beziehung zuGott und dem Jenseits mit leichter Mühe lesen konnte ').
Die Ausführung solcher Baue ging anfangs von den Klöstern aus, welchedie ersten Baumeister und Steinmetzen bildeten. Fulda und St. Gallenwaren hier besonders berühmt. Erst allmälig bildeten sich weltliche Bau-meister und Steinmetzen, die sich zur Bewahrung und Fortpflanzung ihrerKenntnisse und Fertigkeiten und zu dem nothwcndigen Zusammenwirken beigrößeren Bauten zu Corporationen und Innungen sMaurcrbrüdcrschaftcn)vereinigten. Während noch im 12tcn Jahrhunderte, Italien ausgenommen,die meisten Kirchen von Holz waren, begann im 13. Jahrhundert ein regesLeben, um in neuen Kirchen jene wundervollen Denkmäler und Riesenbautenin unabsehbarer Anzahl hinzustellen, die wir bewundern und anstannen, abernicht auszuführen vermögen^). Durch großartiges, freudiges Zusammen-wirken, dessen bewegende Kraft der Glaube war, wurden dieselben da-mals von einer einzigen Stadt oder einem einzigen Stifte unternommen undauSgeführt. Davon geben Zeugniß die damalige Feier der Grundsteinlegungund Einweihung der vollendeten Gotteshäuser^). Und dieses glaubcnsfrcu-digc Walten und Schaffen durchzog Europa von dem einen Ende zu demandern. Im höchste» Norden legte EB. Epstein den Grund zn jener Ka-thedrale von Dronthcim zu Ehren des h. Olaf^), die in Größe,Festigkeit und Reichthum als das schönste und vollendetste Bauwerk der ge-summten skandinavischen Halbinsel galt. Als die vorzüglichsten Meisterwerkedieser Art aber gelten inDeutschland nach Marburg und Trier (scit1227)der Dom zu Cöln (1248), die Musterkirche^); sic bildet mit Strah-lt Harter, Bd. I V. S. 673 ff. Gesscrt, Gcsch. der Glasmalerei inDeutschst. u. den Nieder!., Franke., Engl., Jtal. n. Spanien. Stnttg. 839.
2) üst-ec/. lick cg.,ist. Itt>. VII. op. 109. In dem Herr!. Gedichte Titurelwird wohl das Ideal der christlichen Baukunst geschildert. Vgl. Bo isserbe, Ver-such über die Beschreibung des Tcmp. des heil. Graals im 3tcn Gesänge desTiturel. Münch. 835.
3) Prisac, wie die christl. Völkerschaften des MA. Kirchen bauten. (CollierDomblatl. Iahrg. 842. Nr. 25 u. 26.) Hist, polit. Blatt. Bd. 32.
4) Ausführliche, spcciellc Beschreibungen bicrvon bei Harter, Jnnocenz >HBd. IV. S. 662 ff. u. 697 ff. — 5) Minütoli, der Dom zu Dronthcim u.die mittelaltcrl. christl. Baukunst der skaudinav. Normannen, Bcrl. 853.
6) Nach dem Plane des Meister Gerhardt; der Straßb. Dom nach dem