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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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724
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724 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitel.

Beredsamkeit und vorherrschend biblisch apokalyptischer Rede die Herzen.Gailcr von Kaisersberg (s- 1510) pries die lautere Frömmigkeit imHerzen, und züchtigte die Thorheiten der Welt und Mißbräuche in der Kirche,besonders in den Predigten über das Narrcnschiff von Brand mit beißendemWitze'). Der neapolitanische Mönch Gabriel Barletta sum IM)trieb diese Prcdigtmanicr bis ins Extrem"). Bei manchen Fehler» in derForm drangen die deutschen Predigten des FranziScancrö Pelbartus sum1500) tief zu Herzen '^).

§. 293. Die Bliithe der Kunst in der Kirche.

Va?arr (Baumeister zu Florenz ch 1493), Io vite äo'pittori, arcüitsui 6 scul-torl üa.I. (bä,-. Z s>. 559. 4.) blilano 808. 7 N. deutsch von Schorn,Stuttg. 832 ff. dserona: ck'^>.r/r»oourt, lüotoiro (Io I'art pur los monu-niouts. kur. et 8trasd. 823. 6. 3'. k. deutsch. Brl. 840 ff. ko inoz-on Lzemouumoutal ot. uroüoolugiezus, uvoo un toxto oxplica.til, exposnntchliistoire (Io ?urt ekuprös los nwnumous. 841 Boisscröc, Denk-male der Baukunst am Niederrhein vom 7.-13. Jahrh. Mönch. (833) 842.Laib u. Schwarz, Formenlehre d.roman. u. goth. Baustpls, 2.2l. Stuttg.858.Puttrich, Denkmale der Baukunst im MA. in Sachsen, Lpz. 83843.Rcichcnsbergcr, die christl. gcrman. Baukunst, Trier 845. Kuglcr,Handb. der Kunstgcsch. Stuttg. i842> 3. A. 859. mit Atlas von Guhlu. Caspar. Stuttg. 84554. Ottc, Handb. der kirchl. Kunstarchäol.des deut. MA. 3. A. Lpz. 854. Springer, Handb. der Kunstgcsch.chDursch, Acsthctik der chr. bild. Kunst des MA. in Deutsch!. Tiib. 854.chNeumaier, Gcsch. der christl. Kunst, Schaffh. 855. 2 Bde. chJakob.die Kunst im Dienste der Kirche, Landshut 857. Vgl. auchRaumer, Hohcnst.Bd. VI. S. 524-46. »Hurtcr, Jnnoccn; III. Bd. IV. S. 652-98.

In dem Grade, als durch die Scholastik die Erhabenheit des Christen-thums entfaltet wurde, ward dasselbe auch durch den vornehmlich von derMystik ausgehenden Geist in der Kunst verherrlicht und durch Beides demMenschen noch näher gebracht. Indem so die aufblühcnde heil. Kunst diechristlichen Wahrheiten durch herrliche Symbole dem Auge entschleiert dar-stellte, und dieselben in der Natur und Geschichte nach ihrem wahren sittlichenWerthe veranschaulichte, hatte dieselbe für den nicht ganz Verwilderten einegewisse magische Kraft und drang bis zur Tiefe des Herzens hinab. Durchdiese Entfaltung der Kunst im Dienste der Religion neben der Wissenschafthat die kath o l is ch e Ki r ch e eine Mannigfaltigkeit entwickelt, durch welchesie allen Vermögen des Menschen in den verschiedensten Richtungen undMischungen genügen kann.

Zunächst entwickelten sich neben dem seither üblichen byzantinischenund romanischen Kirchenbaustyle der germanische Baustyl, welcherseit Vasari der gothische heißt. Derselbe verbreitete sich über Deutsch-land, Frankreich, England, Spanien und Sicilien. In Italien verhindertedie Anschauung alt römischer Bauwerke die Aufnahme gothischer Baukunst.Hier wölbte Brunellesco die Kuppel des Domes zu Florenz (s. 1431),und Julius II. legte den Grundstein zur neuen PeterSkirchc (1506), an-fangs nachBramantes Plan. Der Dom zu Mailand bildet die Gränzerömischer und gothischer Baukunst und ist eine Mischung von beiden.

1) Weltspiegel, d. i. Predigten über Scbast. Brand's Narrcnschiff. Bas.574 u. oft. vgl. Ammon, Gailcr v. Katscrsb. Leb., Schrift, u. Prcd. Erl.826.

2) Lermon.ciuuäruKösim. Lrose. u. and. Samml. sr. Predigten. Von. 577.2 1.

3) Vgl. Ammon, Gcsch. der Homiletik. Bd. I. S. 353 ff. u. die schöneCharfteitagpredigt im Auszuge bei Daniel a. a. O. S. 8187.