§. 292. Dcr Cnltus während der ganzen Periode (1073—1517). 723
graph: „seine (originellen) Predigten waren Feuerströme, denen Niemandwiderstehen konnte; sic entflammten viele Sünder und Verbrecher zur Buße."Auch fehlte cö selbst nicht an zweckmäßigen Anweisungen zu fruchtbringenderPredigt; Alanus von Ryssel und Abt Guibert von Nogent(( 1124) verfaßten solche'); der letztere fordert vom Prediger zunächst einreines Gewissen, dann Feuer und Kraft dcr Beredsamkeit, verbunden mitPopularität des Ausdrucks. Diesem Beispiele folgten Humbert ausNomon »n Bisthumc Vienne (P 1277), und dcr h. Bonaventura inseiner biblisch historischen Anweisung für unwissende Prediger stnliliu pan-gornmj, worin er gegen jegliches Blendwerk beim Prediger eifert; denn dieEhre Gottes und das Heil der Menschen soll das alleinige Ziel und Strebendesselben sein.
Im 14. u. 15. Jahrhunderte haben manche Gegenden in Beziehung aufErbauung durch die Predigt sich eines fast nie gekannten Segens erfreut.Den Eindruck, de» dcr Mystiker Johannes Tauler (P >301) zu Cöluund Straßbnrg durch seine tiefen und doch volksthümlicheu Predigten ausdas Gemüth seiner Zuhörer hervorbrachte, glaubte keiner seiner Zeitgenossenvollständig beschreiben zu können^). Als der demüthige Volksrcduer bemerkte,daß seine stolze Sicherheit und Wissenschaft cs verhindere, daß das gött-liche Wort die Seelen recht durchdringe, verschwand er zwei Jahre von derKanzel, sich in dcr Einsamkeit ganz dem Studium der Lehre Christi und derHebung der Selbstverleugnung widmend. Vincenz Ferrcr s) führte durchsein tiefes inneres Leben nnd mit der großen ihm von Gott verliehenen Gabe derBeredsamkeit viele ketzerische Sekten oft wunderbar der Kirche wieder zu. Selbstunter verschiedenen Völkern predigte er mit demselben Erfolge, so daß manglaubte, cs sei in ihm die Sprachengabe wieder erweckt. Sein Leben erinnerte sosehr an de» irdischen Wandel Christi, daß ihm die Bewohner von Bannesbei seinem Einzüge entgegenricfen: „Gebcnedeit, dcr da kommt im Namendev Herrn." Dabei war er anspruchslos, demütstig, gegen sich selbst biszur Geißelung streng. In ähnlicher Weise wirkte der Bußprediger I 0 Han-nes Cap istr anu S sogar durch seine lateinischen Vorträge und die darauffolgende Auslegung seines Gefährten, besonders in Böhmen gegen die Husi-tcu. Durch seine eifrige, erfolgreiche Mitwirkung zur Bekämpfung derTürken erwarb er sich auch in der Profangcschichte einen Namen. Hierony-mus Savonarola^) erschütterte mit unwiderstehlicher volksthümlicher
1) kkn/bortu.x, Odor, guo vräiuo sorino üvri äoboat; cko Na-
äo uruäitiouo pra.o,Iic'Utnr. lilch. II.
2i Joh. Taulcr's Predigten in die jetzige Schriftsprache übertrage» «vonSchlosser). Franks, a. M. 826. 3 Thlc.; auf alle Sonn- u. Festtage im Jahre»ach der Ausg. von Joh. Arud u. Jae. Spcuer herausg. vom Protestant.Prcd. Kunze u. I,r. Bicscnthal. Bert. 841. 3 Tb.
31 Heller, Vinccntiuo Fcrrer, Berl, 830. Frcib. Kirchenlcr. Bd. IV. S. 39 — 4!.
4 > Die erste Biographie von I'. Seckckius lkiswriu Leraplnoa); nachdemWadding in seinen nun. «rdin. Dlinor. die zahle. Documentc mitgetheill, er-schien: OttMli'nuns lriunipliuus 8. Instorla t'uuäainontal. äs 8t. ,1. llajNmranoele. .nxtoro I>. pe. ^-1,„<Mck. 1/er»„a»u. orä. Ickinor. slriotuo ubsorv. <14. 1700.deutsch. Münch. 844. Vgl. Bonner Ztschr. H. 21. u. 22. Freid. Klee.Bd. II. S. 322-24.
5) Das Verzeichnis; seiner Predigten bei Meier a. a. O. S. 393 ff.; zu sein,dorzügl. Werk, gehören: In oralinu. Domini expositio gnaärnpiox. IInx 517 ;eomgomllo 1 I 1 iIvolnLi'oni. Diran/o 495. 4. u. Dior. 6t Dar 496. 4 ( Io > »npii, iun .0rNue el>r. Dior. 496. 4.; IrruMMu« oruol«, 8. üo vvriluto üäoi. In». 497. 4.
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