722 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitcl.
knnst erschienen mehrere Hymnen-Nebcrsetzungeu, Lieder und Gesangbücherschnell aufeinander im Druck, welche wir uoch besitzen. Anderweitig wurdedie Andacht des Volkes in Ermangelung der jetzigen Gebetbücher geleitetund gefördert durch das oben ln seinen Anfängen vorgeführtc Roscu-kranzgebet, welches in seiner weitern Ausbildung und Verbreitungdurch die Dominicaner alle Geheimnisse unserer Erlösung,die Angelpunkte des christlichen Glaubens umfaßt und der Verherr-lichung der Mutter Gottes gilt'). Als die berühmte Schlachtbei Lepauto (7. Octob. 1571) unter Don Juan von Oesterreichgegen die Türken gewonnen wurde an demselben Tage, an welchem dieNoscnkranzbrüd erschaften zn Rom ihre feierlichen Wallfahr-ten und besonder» Andachten um Verleihung des Sieges über die Un-gläubigen Hielten, vcrordnete P. Pius V. ein eigenes Fest zu Ehren dcsh.Rosenkranzes, welches Gregor XIII. auf den ersten Sonntag iu>Oktober festsetzte, und Clemens XI. der gesammtcn Christenheit verschrieb.
Der öffentliche Gottesdienst ermangelte aber niemals der belehrende»und erbauenden Predigt, welche denselben belebte und fruchtbar machte.Richard von St. Victor (um 1164) wollte in einer Osterprcdigt nurins Gcdächtniß zurückrufen, nicht lehren, weil seine Zuhörer den Sinn derh. Schriften so gut kannten als er. Am Ende dieses Zeitraumes (1503)vernehmen wir sogar die Behauptung^): „Am meisten trägt die Predigt zurBekehrung des Menschen bei; sie treibt ihn zur Buße, wodurch auch für dieTodsünden Vergebung erlangt wird. Aber durch das Meßopfer werden bloödie läßlichen Sünde» abgewaschen." Besonder» Ruhm als Prediger erwar-ben sich Ivo von Chartres, der h. Bernard von Clairvaux,H ild ebcrt von Mans, Gottfri cd v on B ord eanx, Gilbert dela Poröe, Abälard, Bonaventura und auch Thomas vonAquin,wie überhaupt noch mehrere andere Scholastiker, der streng demonstrirendcnForm vergessend, sich an der erbauenden Predigt vor dem Volke erfreute».Dem Dominicanerordeu galt ja die Predigt als das Hauptziel, das Johau-ncü von Vicenza (um 1230) in überraschender Weise erreichte, ehe erdurch Einmischung in die Politik sich bloöstelltc. Schon früher hatte i»Frankreich der mächtige Bußprcdiger Ful co von Neuilly das Herz desfranzösischen Volkes gerührt und es zu neuen Opfern für das Grab des gött-lichen Erlösers vermocht. In Deutschland erschütterte der FranziScaucrBerthold () 1272) selbst rohe Gcmüther, und erweckte in ihnen Demuthund HcrzenSreinheit'). Vom hl. Antonius von Padua sagt sein Biv-
schcr, das deut. Kirchenlied vor der Reformen, mit alten Melodien. Mimst. 848.stKehrein, Kirchenlieder, Hymnen u. Psalmen aus den ältesten deut. gedruckte»Gesang- u. Gebetbüchern, Würzb. 859. Für Poleni Olosf, pol». Licderhistoric.l Beiträge zn d. poln. Welt-, Kirchen- n. Gclchrtcn-Gcsch. Danz. 764. 2 Thl.I1 > Die Litter. vgl. oben S. 487. Note 2. n. Handb. der Roscnkranz-Audachta. d. Franz, von A ring er. Augsb. 843.
2> Bei Surgant in seinem niauunlv eniutorum. Leider fehlt noch eine»»parteiische Gcsch. der Prcdigtwcisc im MA. Andeutungen finden sich dafür beiHurler, Jnnocenz III. Bd. IV. S. 501—510. u. bei Schröckh, christl. KG.Thl. 29. S. 211—330. vgl. auch Daniel, thcol. Contrvverscn S- 73 ff.besond. S. 80. Note * gegen Gucrikc. , .
3> Kling, Bcrthvld's d. FranziScan. Predigten thcils vollständig, thcils m:AnSzugc. Bcrl. 824. neu übers, n. vollständig Hrsg. v. s-G ö b e >, Schaffst. 85t. 2 Thle.2. Ä. 857. Gricshabcr, deut. Predigten des 13. Zahrh. Stuttg. 844—46. 2Bdc.