716 2. Zeitraum. 2. Periode 2. Zeitabschnitt. 4. Capiiel.
§. 289. Reform der älteren Orden.
Der auf den Concilicn wiederholt ausgesprochene Wunsch einer Refor-mation an Haupt und Gliedern mußte nothwendig auch die Aufmerksamkeitauf den nicht unbekannt gebliebenen Verfall der Klöster richten. Die Väterzu Constanz vcranlaßten daher ein Pro v inzialcapitel der deutschenBenediktiner (s. S. 661.), welches unter der Beaufsichtigung des Concilöseit längerer Zeit wieder als das erste gehalten wurde (1417) *) ; das Bei-spiel fand in mehreren Ländern Anklang und Nachahmung. Entschiedenernoch wirkte dafür die Sy nod e z u B asel, und der Cardinal NicolauSvon Cusa arbeitete dafür in Deutschland als päpstlicher Legat'). Haupt-sächlich wurde gegen die Vertheilung des gemeinsamen Besitzes unter die ein-zelnen Mönche als das Grundvcrderben, ungeachtet manches Widerspruches,gestritten. Doch fehlte eö nicht an Beispielen, wo man in beschämenden undsehnsüchtigen Gefühlen nach einem bessern Zustande dieser Reformation mitedler Freimüthigkeit entgegcnkam. Auch die zuletzt an Zucht und Sittensinkenden Klöster der Bcttclmönche^), die aber durch ihre wissenschaftlichenBestrebungen immer noch eine ehrfurchtsvollere Haltung behaupteten, wur-den einer Reformation unterworfen. Darin, daß das Concil zu Constanzder strengeren Partei vor den Conventualen den Vorzug gab*), lag für vieleKlöster dieses Ordens ein Sporn zu edlem Wetteifer; mehrere freilich sahenmit kalter Gleichgültigkeit darauf hin.
§. 290. Neue Orden z u r E r i n n c r n n g u. N a ch a h m u n g d cSLcbcns Christi.
Das sich bei den bestehenden Orden immer noch kundgebende religiöseBcdürfniß und die in der Kirche nie ganz erstorbene religiöse Begeisterungschufen neue Orden mit neuer, freudiger Wirksamkeit. Johannes Tdlo-mei vonSiena, früher Professor der Philosophie, stiftete (1313) in freu-diger Rührung über sein wunderbar wieder hergestelltes Gesicht in einerWildniß auf dem Oelberge bei Siena den Orden der Olivetaner seon-Zi'suutio 8t. älniine montis Oliveti), dein Johannes XXII. die Benedicti-nerregel gab"') und rhn bestätigte (1319). In Siena selbst schuf Johan-nes Colo m b i n o den Orden der JesuateiV'). Durch das Lesen desLebens der Heiligen, besonders der Maria von Aegypten, die früher eine be-kannte Sünderin, nachmals eine heroische Büßerin war, wurde er so ergrif-fen, daß er auf das höchste Staatsamt verzichtete und sich fast in crceutrischerWeise ganz dem Dienste der Armen und Kranken widmete. Als Urban V.von Avignon nach Rom zurückkchrte (1367), bestätigte er diesen Ordenslosuuti) als einen blos aus Laienbrüdern nach der Augustincrregel lebendenBettelorden. Erst zu Anfang des 17. Jahrh. dursten sic sich die Priesterweiheerthcilen lassen, aber nicht lange darauf hob sie Clemens IX. als reichepsclri OkII' ueguavite auf (1668), da sie sich in einigen Klöstern neben der
1) Vgl. cbran. Kiesaugienso all u. 1417. 1. 1l. p. 346 sg. die
Act. bei r'. <7. 77aü7k, llonc. Lttirse. 1 I. p. >086. Vgl. äl/a/n-'l. V. XXVIII. p. >037.
2) Vgl. Schar Pf Bd. 1. S. >56 ff. u. Dur Bd. II.
3) TVeat. cts (VsmanAl.?, de rulna veel. e. 33. (r. ek. <7t. '1.1. 1'. III. p. 33.)
4) Bei o. <7. TlarcK, Ovne. Oanst. 1'. IV. x. 515 8g.
5) Vgl. Nai/nalL ad n. 1320. nr. 50. Hclpot a. a. O. Bd. VI. Cap. 24.S. 225 ff. 77ot«tett-LrocL>e. 'I. V. x. 1 8g.
6) aeta 88. m. du). V. VII. p. 333 8g. Helpot, Bd. III. Cap.55. S. 484 ff. Pösl, Leben des hl. Colomb. von Siena, Rcgcnsb. 846.