714 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitel.
in Liebe und Demuth der Kirche zugethan. Durch die Vermittelung desStanzer Vertrages (1481) wurde er den in sich zerspaltcnen Eidgenossen einFriedenscngel. Noch einflußreicher, auch für die öffentlichen Verhältnisseder Kirche wurde die heil. Katharina von Siena*). Aus niederemStande entsprossen, erhob sie, wunderbar begnadigt, sich schon als Kind indie höhere Welt des Geistes; in den Dominicanern verehrte sic ihre diessei-tigen Schutzengel, weshalb sic in ihre» Orden trat. Christo und seinenHeiligen ganz hingegeben, lebte sie später nur von dem Himmelsbrvdc derEucharistie. Nächst dem Herzen Christ i hat sic die ganze Welt inLiebe umfaßt. Ganz Italien wallfahrtetc zu ihr wie zu einer Heiligen; inZeiten drohenden Zwiespalts wurde sie als Vermittlerin angerufcn. Aberlängere Zeit den weltlichen Dingen hingegcben, verfiel sic in Starrsucht. Desunterbrochenen himmlischen Umganges vermochte sie nicht zu entbehren, undstarb in Sehnsucht nach ihrem himmlischen Bräutigam (1389). Die Fran-ciscaner konnten ihre Canonisation verzögern, nicht unterdrücken; Pius II.vollzog sie (1461). In ähnlicher beglückender Wirksamkeit zeigte sich die h.Brigitta, jene begnadigte Königstochter Schwedens. Wvhlthätig leuch-tete auch noch einmal die christliche Begeisterung der Vaterlandsliebe in derJungfrau von Orleans. Bei der momentan vorherrschenden Richtungans das irdische Vaterland und ihrem frühen tragischen Tode ans dem Schei-terhaufen (1431) erlangte sie die allgemeine Anerkennung einer Heiligen nicht.Doch hat die auf Veranlassung König Carl's VII. von P. Calirt III. ange-ordnete Revision des kanonischen Procefscs ihr Andenken von dem angeschul-deten Verbrechen: „göttliche Offenbarungen abergläubisch erfunden und leicht-sinnig geglaubt zu haben" befreit'). Die Bürger Orleans errichteten ihrwiederholt ein Denkmal.
Solche Erscheinungen in den verschiedenen Ländern berechtigen wohl zuder Vermuthung, daß der einstimmige Ruf jener zahlreichen, freimüthigenRepräsentanten auf den Cvncilien zu Pisa, Eonstanz, Basel nach einer Re-form an Haupt und Gliedern, trotz der starken Abneigung mehrerer Päpste,die mancherlei Auswüchse und beklagenswerthen Mißbräuche durch einenaturgemäß sich entw i ckelnd e Resormati o n in d er K irche innicht allzugroßer Ferne und zuverlässig eher würde beseitigt haben, als esdurch die nachher cingeschlagenen stürmischen, aller Besonnenheit ermangeln-den Bewegungen geschehen konnte. Hatte ja auch noch auf dem letzten 1517geschloffenen Lateranconcil der Augustiner Aegidius V it erb o in einereindringcnden Rede den allein richtigen Weg einer wahrhaft fruchtbringendenReform durch die Worte bezeichnet: „das Heilige müsse die Menschen um-gestalten, nicht umgekehrt, der Mensch das Heilige" (Iiominss per suernimiuuluii Isis entt, inin mreru per Iioinines), und dabei dem P. Julius mitentschiedener Freimüthigkeit erklärt: „alle seine Aufmerksamkeit müsse sichauf Verbesserung der Sitten, Einpflanzung eines h. Lebens, Vertilgung derLasterund Ucppigkeit, wie Berichtigung der Jrrthümer wenden." Für Deutsch-land namentlich war die Hoffnung auf eine neue, bessere Zeit um sogegründeter, als es selbst nach strengem Urtbeile einen Episkopat hatte,
1) Leben bei NI. -4pr. I'. 111. p. 853 8 < 1 . Ihre Schriften (Briefe,
Gespräche, Offcnb.) ital. cd. von Lien. 707 5 1. 4. et- Hibr-o. bibi.
moel. et intim. I-ot. 1. 1. p. 363 8^. (Chavin de Mal an, Gesch. der hl.Katharina von Siena. Rcgensb. 847.
2) *G. Görrcs, die Jungfrau von Orleans. Rcgensb. 834.