§. 286. Das Studium dcr h. Schrift.
709
entfremdet. Mit gleicher Treue blieben dem Christcnthume ergeben dcrSpanier Ludovicuö Vives ff- 1540) und der Franzose Will»cl uiBudäuö (st 1540 im 73ten Jahre), welche mit Erasmus das gefeiertelitterarische Triumvirat bildete»"). Bei etwaiger Vergleichung wurden sieso charakterisirt, daß Erasmus sich durch Rcichthum der Rede (,Iico»,Ii cojn'u),Budäus durch Geist (iriMnio), ViveS durch Scharfsinn (stxlicüo) auözcichne.Auch ist bekannt, was in England Fisher, B. von Rochestcr, JohnColet, Dechant der St. Paulökirche in London, von Lilly und ThomasMoruS^), der Freund des Erasmus, zum Aufblühen der elassischen Wissen-schaften gcthan haben, ohne dem Christcnthume entfremdet zu werden,tz. 266. Das Studium der heit. Schrift.
-Mc/mrck LÄnon, last, eritigus Oos priixipaux , omiueirtatvurs On R. 1'.
lioscnmEer, liist. intorprotatioiiis libror. sacror. iu veelos. «Iirist. rnl. II.
Inps. 8l4. 5 '1. Mcper, Gcsch. dcr Schrifterklär. Gotting. 802—9. 5 Bde.
Wie schon im 10. Jahrh. Gerbert bei den Arabern zu Cordova den Grundzu seiner umfassenden Gelehrsamkeit gelegt hatte, so gaben auch fetzt die vondenJuden in Spanien verfaßten Commcntare (s. S. 630.) den ChristenAnregung, die h. Schrift, besonders das A. T., statt nach der seither üblichenMethode in der lateinischen Uebersetzung, im Nrterte zu studircn, undunterstützt durch linguistische Hilfsmittel strenger nach dem Wortsinne zu for-schen. Die Kirche weit entfernt, sich dagegen aufzulchnen, bat vielmehr, dengroßen Werth eines solchen Studiums klar erkennend, auf dem Concil zuVienne unter Clemens V. (1311) verordnet: daß zu Rom, Paris, Oxford,Bologna, Salamanca je zwei Professoren dcr hebräischen, chaldäischen, arabi-schen und griechischen Sprache angestcllt werden sollten^). Obschon dieseBestimmung zunächst nur für den Zweck dcr Missionen erlassen ward, sowirkte sie doch auch bald auf wissenschaftliche Bestrebungen, namentlich aufdem Felde der Bibelcrklärung ein. Hierin aber ging voran der FranziscanerNicolaus von Lyra^), Lehrer der Theologie zu Paris (l'ostillator, 1)r.planus et ntllis st 1341). Ohne den allegorischen, moralischenund anagogischen Sinn ganz anfzugeben, hat er durch seine Kenntnißder orientalischen Sprachen vorzugsweise für die buchstäbl i ch e oder gram-matisch-historische Erklärung des A. und N. T. viel geleistet. Seine Bedeutungauch für die Folge ist in dem bekannten Spruche: «8i l.zra non lvrassot,Imtlionm non sslt-msot» hinlänglich angedeutet. Im 15. Jahrhundert ver-faßte Alphons Tostatus, Doctor zu Salamanca und später B. vonAvila (st 1454), ausführliche Commentare über die meisten historischenBücher des A. T. und über das Evangelium des h. Matthäus, worin ergroße Gelehrsamkeit bewies und auf viele Einwendungen der damaligenJuden in Spanien antwortete. Auf der Synode zu Basel, wo er zugegenwar, wurden die Verordnungen von Vienne erneuert, und ihre Ausführungblieb nicht blos frommer Wunsch.
lf Bei Lncküm'e. IVres erinnern wir besöud. an sein, berühmt. Commcntar zuile eivit. Del (s. oben S. 2l8. Note 6.), >lo ilisciplims oft Hrsg. —<wn Zuckaeux gehört hierher bcsond. Oe trausitu Ilollemsrui all Oliristiaixsmum.
2) Oe «ptimo roipubl. statu llogus nova iusula Utopia. Vgl. st^Rud-hardt, Thom. Morus a. d. Quell, bearb. Nürnb. 829. Thommeö, Thom.MoruS, Lordkanzler von Engl. AngSb. 847. — 3) t.7ems»t. lib. V. 'lit. I. e. 1.tarp. .jurls 6auan) — 4) Das Hauptwerk pvstillae perpotuae iu bibliaistow. 47l. 5 Vol. k.). am besten enr» Fleuarckentr«, ck. T)«ck<'sf at ckae.»o i-ittKz,. I-Ngll, 590. vgl. Freib. Kirchenlcr. Bd. VI. S. 688 ff.