708 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 3. Capitel.
rumpirten sittlichen Grundsätzen an den Höfen und unter Völkern freilich amsichersten zum Ziele führe. Diese Richtungen griffen unter den Humanistenum sich; Viele gaben bei dem überhandnchmendcn Jndifferentismus über derschönen Form der Classiker den Geist des Christenthums auf, und lenkten indieser heidnischen Weltanschauung vom Christenthumc ab. Schon VincenzFcrrer klagte am Anfänge des 15. Jahrh.: „Das Gold dcS guten Lebensist verblichen in der Welt, die beste Farbe, die evangelische Lehre, welchedie Seele mit mannigfaltigen Farben übertüncht, ist verwandelt, denn dieAuslegung der h. Schrift hat setzt einen poetischen und philosophischen An-strich, so daß wenige Prediger das Evangelium verkündigen, wohl aber denCicero und Aristoteles." Ünd am Ende des 15. Jahrh. zürnte H ierony-mus S a v on a rol a über einen solchen Geist von der Kanzel herab: „UnsereSeele eckelt vor dieser Speise der h. Schrift. Wer wird uns geben, daßwir hören Ciccro's Beredsamkeit und die klingenden Worte der Poeten, diesüße Redeweise des Plato, den Scharfsinn des Aristoteles, den» die heil.Schrift ist doch gar zu einfältig, eine Speise für Weiber. Predigt uns wasFeines und Hohes, und so bequemen sich die Prediger auch nach dem Volke."Daß sich solchen Bestrebungen gegenüber die schulgerechten Theologen, dieScholastiker widersctztcn, darf nicht befremden; aber man sollte es auch nichtfür ein Unglück halten. Gingen sic bisweilen aus Verdruß, sich von denHumanisten überflügelt zu sehen, in ihrer Opposition zu weit, so entgingensie dem Tadel, ja dem Spotte nicht. Waren sa die humanistischen Gelehrtendes 15. Jahrh. also geartet, daß sie cs für ebenso nothwendig hielten, einenGegner zu haben, über den sie ihre Galle ausschütten, als eine Geliebte, dersie zärtliche Tändeleien vorsagcn konnten
Ein besserer Gebrauch von diesen klassischen Studien wurde jedoch an-fangs in Deutschland, besonders in der Schule der Brüder des gemein-samen Lebens gemacht. Die Religion für das Höchste haltend, suchtensie das Sprachstudium zur Förderung wahrer ReligionScrkenntniß anzuwen-den. Bei ihnen hatte auch NicolauS vonCusa seine erste Bildung er-halten. In dieser Weise wurden die Sprachkenntnisse von dem Hauptlitte-ratvr jener Zeit, dem Desiderins EraSmus von Rotterdams,wie zu Ausgaben der Classiker, so zu Uebersetzungen der Kirchenväter undzur Erleichterung des Studiums der heil. Schrift nach dem Urtexte benutzt.Von den Fürsten und den Päpsten gleich hochgeachtet, hat er gleichwohl überdie entartete Scholastik und die Thorhcit der Mönche gespottet. Obschonauch er gegen die überhandnehmende Richtung deS HeidenthumS klagte, sohat dieses doch in ihm selbst das religiöse und kirchliche Interesse oft ge-schwächt. Auch den für die wissenschaftliche Bildung Süddeutschlands soeinflußreichen RudolphAgricola aus Frieöland, Professor in Heidelberg,hat die Bekanntschaft mit der heidnisch-classischcn Litteratur der Kirche nicht
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son zönio ot 888 orrours. kar. 833. 2 'C. Frei b. Kirchcnler. Artikel Bd. VI.S. 7l2 ff.
1> So Roscoc, Lorenz von Medici, a. d. Engl. Wien 817.
2) Bcsond. Colloquium. Ciceronüruns. ^.claZia. Ichnstolas. bloriaö onco-inimn. blnclnr. milltio Cbriot. katlo vsrao 3'bool. blatrlmouii clrr. iustituüo.Cc<1o8iast68. TVomwi lCsslamettt»»! Araeee,' oo-'slo, auuotaO'ones.', TÄraFliM'.
7V. 7; beste Ausg. von AuANÄl». Lorol. 778—80. 3 ll. 8. Vgl. Ad.Müller, Leben des Erasm. von Rotterd. Hamb. 828. T-leberM/m, clo blrasmiiiiAenio uc kloctrina. ckon. 836.