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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 284. Die Mystik dieser Periode.

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Das Ziel, die Scholastik fruchtbar zu machen und das verfallende kirch.liche und religiöse Leben zu erheben, wurde auch jetzt von der Mystik erstrebt.Ja cs kann von ihr gesagt werden, daß diese jetzt desto inniger wurde, jeunfruchtbarer stch das Studium der Scholastik allmälig gestaltet hatte, unddaß ihre gegenwärtigen Leistungen zu den schönsten aller Zeiten gehören.Weit entfernt, stch in dem beschaulichen Leben von der Welt ganz zu entfernen,haben die Mystiker in Lehre, Wandel und Ermunterung ihr den Frieden mit-zutbeilcn gesucht, den ste selbst gefunden, und sich dazu am Rhein, Franken,Schwaben und Bayern zu dem mystischen Vereine der Gottesfreundeverbunden. Wurden ihre Bestrebungen zurückgewiescn, dann wandelte sichihr LiebeScifer zuweilen in Zorncseifer um. Sie traten strafend der Unge-bühr entgegen, mußten sich dafür aber auch die Rückwirkung der Leidenschaf-ten gefallen lassen, zumal ste vielfach einem ertremen Realismus hul-digten und wenn auch unbewußt, stark zum Pantheismus hinncigten.So war der milde, liebreiche und tiefsinnige Johannes Ta ul er scloctorsublimis et i'IIiimi»gt»8-j- 1361), der überall auf Abgeschiedenheit, Gcfan-qennehnmng aller Kräfte und Entsagung alles Eigenwerkes dringt, und derm der geistlichen Armuth die rechte Gottgleichheit findet, doch ein heftigerEiferer gegen den Mißbrauch des Bannes. Dadurch, wie durch theilweiseallzu kübnes Vordringen an die von Gott für Erkennen und Leben gesetztenGränzen und durch pantheistifch klingende Sätze hatte er selbst den Bann-strahl auf sich und seine Mitstreiter herabgezvgen'I. Heinrich Susoj.ämanckis) hatte seit seinem 12ten Jahre in dem Dominicanerorden zu Con-stanz und zu Cöln eine ausgezeichnete religiöse Bildung erhalten'*) , die ibnden bedeutendsten Asketen des MA. glcichstellt (Z zu Ulm 1365). Bei ihmzeigt sich derselbe thätig fromme Sinn, der, wo es nöthig, stch der Beschau-lichkeit entzieht, um sich des armen, von den Mächtigeren zertretenenVolkes anzunehmen. Sein merkwürdiges BuchVon den neun Felsen"ist sichtbar aus der tiefen Ueberzeugung von der Sündhaftigkeit der Zeit undder Besvrgniß hervorgegangen , ste könne endlich die Rache der ewigen Ge-rechtigkeit auf die Häupter der Strafbaren bernicderziehen, und wendet stchan alle Stände der Reihe nach, mit zornigem Liebeseifer strafend. DerGrundgedanke seiner Mystik ist: der Mensch müsse stch seiner Natur entklei-den, dann von und mit Christus gebildet sich in die göttliche Wesenheit ver-senken. Johannes Ruysbrock^), Prior der regulirten Chorherrn zu

>1 Obertmi iliss. äs 4. luulsri «lictione vernacula et mpsk. Xrgent. 7864 Opp. Int. reclkl. Col. 548. Nachfolge des armen Lebens Christi;

am besten hcrausg. von Schlosser. Frkf. a. M. 833. e. lex. 1rmlerin.no.Predigten ebcnd. 826. 3 Bde. Vor demselben die Gesch. seiner Bekehrung, vonihm selbst erzählt: Historie des chrw. D. Job. Taulcr. C. Schmidt, Joh.Tanker von Strahl». Beitr. zur Gesch. der Mystik u. des rclig. Lebens im 14tenZahrh. Hamb. 84l. vgl. Freib. Zcitschr. für Theol. Bd. IX. S. 268 ff.

2) Leben ». Schriften Hcinr. Suso's von Dicpenbrock. Regcnsb. 837.Opp. Int. reclil. 8urius. Col. 555. Gcistl. Bliithcn von Suso. Bonn 834. latrislwrologiurn sapisutiae, Colon. 856. C. Schmidt, der Mystiker Hcinr.«uso. ,Theol. Sind. u. Krit. 843. H. 4.)

3> Lpeeulum salut. netern.; summa totius vitso spiritual.; in tabornac.Mops. n. g. opp. s ürabantirrs germanico iäiomats reelel. lat. por

durinw. Cvl. 555. Arnswald, vier Schriften von Joh. Rusbr. in niedcrdcut.Sprache, Hannov. 848. Vgl. Engelhardt, Hugo von St. Victor u. Joh.-ltuysbroek zur Gesch. der myst. Theol. Erlang. 838.