702 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 3. Eapitel.
fessor in Tübingen (f- 1495). Der Letztere gehörte de» Klerikern des ge.meinschaftlichen Lebens an und verfocht den Nominalismus des Occam.
In den meisten der vorgesührten Leistungen vermißt man bei aller An-hänglichkeit an den kirchlichen Lehrbcgriff doch sehr oft das tiefere Eindringenin den Kern des christlichen Glaubens. Zugleich begegnet man bisweilen derBehauptung : eö könne etwas in der Philosophie wahr sein, was in der Theo-logie falsch ist'), wodurch das Princip der Scholastik aufgegeben wurde, diein ihrer abstrusen Form die Gemiither nicht ansprach, sondern von sich ab-wandte. Ein Zeitgenosse schildert dieselbe in folgender Weise: „Nach undnach gericth die scholastische Theologie, die übrigens eine Fülle von Scharf-sinn und Tiefe des Urtheils entwickelte, und die der Kirche in Bestreitung derKetzer nicht wenig genützt hat, in Verfall. Die neuern theologischen So-phisten, die mit dem Worte Gottes einen Handel treiben, haben aus dieserhohen Wissenschaft eitele Wortkrämerei gemacht. Sie werfen allerlei gering,fügige Fragen auf, schmieden Meinungen und thun der h. Schrift Gewaltan; so machen sie unser» heiligen Glauben, worüber schon Thomas vonAquin klagte, den Weisen dieser Welt zum Gespötte ")." Dieser entartetenScholastik gegenüber bildete sich ein Gegensatz, der auf dem einfachen posi-tiven Glauben fußte, mehr aus die heil. Schrift zurückging, und die einseitig-dialektische Richtung durch eine mehr praktische zu verdrängen suchte. DiesVerdienst gebührt den oft genannten Reformatoren der Zeit. Nicolausde Clemange (1393 Rector der Universität zu Paris, dann Geheimsecre-tär Benedict's XIII. -f um 1440 in der Zurückgezogenheit) straft die Lehrer,die ihre Studien nur des Reichthums wegen trieben, da sa die Vorzüge desMenschen nur in einer heiligen Willensrichtung bestehen^); aus sittlichenMotiven müsse das Studium der Theologie erwählt und betrieben werden.Von dem Mangel dieser Berücksichtigung komme es, daß es zwar viele Lehrerder Theologie, aber keine Abnahme des Bösen gebe. Auch darin fehltendie akademischen Lehrer, daß sie den Jrrthum nur aus dem Kopfe, nicht aberaus dem Herzen zu entfernen suchten; so finde man bei aufgeklärten Geist-lichen ein vernachläßigtes Volk, das dem Jrrthume und der Sünde preisge-geben sei. In gleicher Weise zürnte Nicolaus von Cusa *) oft überdie damalige theologische Lehrmethode, und der Canzler Gerson^) wieszunächst zur Belebung eines bessern Sinnes unter den Theologen besondersauf Bonaventura hin, machte aber auch anderweitige Vorschläge zur ReformdeS theologischen Studiums, indem er zuletzt die Hoffnung auf eine Umge-staltung znm Bessern durch dieWissenscha ft aufzugeben schien.
§.284. Die Mystik dieser Periode.
Die Werke über die cbristl. Mystik von Görres, H c l ffer i ch, N o a ck s.oben S. 608. Görres, Einleituna zu Heinr. Suso'S Leben u.Schriften von Dicpcn brock. S. XXV-LXXXVI. Galle, gcistl.Stimmen aus dem MA. Halle 841. Pfeiffer, deut. Mystiker des 14.Jahrh. Lpz. 845 ff.
I > Verdammt vom Lutsrnn. V. ssss. VIII.
2) 7/enr. dornet. äs vnm'tsts seisntiue. Iil> I. c. 97.
34 L7cok. cke äs stnäio lbsol. Ok'^oster^, spioilsA. 1- I. P. 473-80!
sein Leben bei n. ck. /ckm-cke. D. 1. ? II. p. 71. seine rcformator, Schriften «>.ck^ck/u«. Imi-,1. Ilnt-'n'. 613. 4. u. bei v. ä. Lnrät.
41 Mo. k7r«Lcr»rr«.?, äs äocln ignornntia. (opp. Lus. 565 k.)
5) >7. epp. äuo (Io l okorm. tbsol. sopp. sä. cku D»». 1.1. p. 120—124)