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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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699
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§. 282. Die Inquisition.

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Deutschland in Polen (1318), und durch Parlamentsbeschluß auch in Eng-land eingeführt worden (1400). Wir beklagen die an Häretikern und spaterauch an s. g- Hexen verübte Todesstrafe, denn wir wünschen mit dem h.Augu sti nu s, daß man die Ketzer einer zeitgemäßen diseiplinaren Strengeunterzogen und gebessert, nicht aber getödtet hätte; aber wir sind nicht par-teiisch genug, um mit derprotestantis ch en Geschichtsdarstcllung in jenemVerfahren des MA. gegen die Häretiker nur Geistestprannei und blutigeRachgier zu finden, und suchen darum dasselbe im Geiste der Zeit zubcurtheilen. Die hier vorgebrachten Gründe fielen alle bei den später ver-meiutlich geistig freien Protestanten weg, und doch haben, wie Luther undMelancht hon, so Calvin und Beza, die Todesstrafe gegen die Häre-tiker nicht allein ausführlich und bündig gerechtfertigt, sondern auch an Bielenmit furchtbarer Consequenz vollziehen lassen*), ja dieselbe auch an Hexenund Zauberern zu einer Zeit vollstreckt, wo Katholiken, namentlich C or-nelius Loos zu Mainz (-j-1593), die Jesuiten Adam Lanner (ch 1632)und besonders Friedrich Spee (ch 1635) mit eindringlichem Ernste vorder Unvernunft und Unmenschlichkeit der Hexcnprocesse gewarnt hatten undkatholische Fürsten dieselbe abschafftcn (vgl. unten Z. 377).

Einen von dieser kirchlichen ganz verschiedenen Charakter hatte diespanische Inquisition. Seitdem durch die Berheirathung Jsab ella'svon Castilien mit F erd in and von Aragonien oder dem Katholischen (1479)beide Reiche zu einer imposanten Macht vereinigt worden, bot man zur Er-hebung der königlichen Macht gegen die übermächtige Aristokratie Alles auf.Ms ein wirksames Mittel hiesür erschien die Einführung der Jnqusition,die für den Fiskus eine reiche Ausbeute durch Güterconsiseation verhieß.Seit 1484 erhielt dieselbe noch die specielle Aufgabe, die zahlreichenMauren und deren Anhänger, die übermächtigen Juden, beide unversöhn-liche Feinde der kathol. Spanier, zu unterdrücken. Darum ward die Inqui-sition in Spanien gewissermaßen national, und die Trauerscenen derAuto da Fe's (actus IKIci) wurden hier auch darum von der zahlreichenVolksmenge wie von den edelsten Männern und Frauen mit Theilnahme be-sucht, weil bei denselben keincSweges immer hingerichtet, sondern weit öfterdie Beschuldigten begnadigt und sreigesprochen wurden **). Die Atheistenund Ungläubigen wurden übrigens nur dann verfolgt, wenn sic Proselytenzu machen suchten. Hiernach erscheint die spanische Inquisition als einrein politisches Staatsinstitut, dem die Päpste oft nach Kräften ent-gegcnwirkten '). Wenn die Negierung einige Mitglieder aus der Geistlich-keit dazu berief, so legte die Kirche diesen die Willfahrung hierin nicht als

Der Wiedertäufer Felix Manz wurde auf Zwingli's Veranlassung ersäuft<qui inerxunt, morßuntur), Servcde wegen seiner Häresie in der Trinitätslchreauf den Antrag Calviu's verbrannt, Gcntilis enthauptet, der Kanzler Crcllwegen des Calvinismus mit Schadenfreude gemartert u. dann enthauptet, Hen-ning Brabant wegen vermeintlich. Bündnisses mit dein Teufel furchtbar ver-stümmelt und zu Tode gemartert (s. §. 337); Cartstadt u. Hesihusius wur-den vertrieben, der Astronom Keppler auf's heftigste wegen seiner Lehre ver-folgt; die Stern kam m er in England; in dem kleinen Gebiete der freienReichsstadt Nürnberg wurden von 15771617 gegen 356 der Häresie u.Zauberei verdächtige Personen hingerichtet u. 345 gestäupt und verstümmelt fs.Bcsnard's Repertorium 842. S. 301.) u. m. A.

Vgl. darüber die Angabe Llorcntc's bei Hefele a. a. O. S. 340 ff,l) A. Menzel, neuere Gcsch. der Deutschen. Bd. IV. S. 197.