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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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695
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§. 281. Die Teutschc Theologie.

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Brüdern eine Schlacht bei Böhmischbrod (30. Mai 1434) zu liefern, welchedie Taboriten und Waisen mit den beiden Prokopen verloren. Nun erfolgtedie Unterwerfung unter König Sigismund, aber noch nicht die Wiederher-stellung deS kirchlichen Friedens. Das eifersüchtige Wachen der CalirtincroderUtraquisten über die erlangten Freiheiten einerseits, und das Bestre-ben der Katholiken, die frühere Einheit der gottesdienstlichen Handlungenberbeiznführen, andererseits, veranlaßen oft gegenseitige Verstimmung undReibung. Die strengere Partei der Husiten bildete sich in ihrer Zurückge-zogenheit allmälig zu den besondern Gemeinden der böhmischen undiniihrischenB rüder aus ^), die von den Calirtinern wie von Katholikenals Ketzer verfolgt wurden.

§. 281. Die Teutschc Theologie.

Unter die Persönlichkeiten, welchen in dieser Zeit häretische Elementezugcschrieben werden, und die zugleich entschieden auf Luther einwirkte»* *),gehört auch der bis jetzt unbekannte Verfasser des aöcetischen Büchleins,(in 54 Capiteln) , das Luther Deutsche Theologie nannte, der wahr-scheinlich im löten Jahrh. lebte und dem Vereine der mystischenGottes-freunde" angehörte. Bei tiefem Sinn und Gefühl, die durch warmeReligiosität und großen Ernst gehoben sind, und dabei ausgerüstet mit spe-culativem Talente, hat der Verfasser nicht nur die pantheistisch klingendenAusdrucksweisen Tankers adoptirt, sondern scheint sich auch nach sehrverfänglichen, lei chtzu mißdeute ndenAeußerungen den Theo-rien desMeisterS E ckart (s. S. 587.) genähert, und einen Pantheis-mus auf der Grundlage derJdeedesGuten ausgebildet zu haben, dieihm mit derIdee der Gottheit identisch ist. Nach der DeutungStandenmaiers machen sich in dieser tcutschen Theologie folgendeGrundgedanken geltend:Gott ist Alles, und alles Andere istnicht s." Da aber der Verfasser daS endliche Sein nicht nur als nichtigund eitel, sondern als endliches schon für ein falsches, sogar sündhafteserklärt, so wird ein zweifaches S ein unterschieden: nämlich ein Sein, so-fern es ist, d. h. bloßes Sein, und wiederum ein mit einem Wil len verbun-denes, fürsich seiendes, individuelles Sein. Das erste sei ein gutes,göttliches Sein, ja selbst auf den Teufel angewandt, da dieser gut sei,indem oder sofern er ist. Sünde dagegen sei, Anders wollen, be-

ll Bossuct, Gesch. der Veränd. der Protestant. Kirchen. Buch II. §. l68 ff.Lvchner, Entsteh, u. erste Schicksale der Brüdergemeinde in Böhmen u. Mähren.Rnrnb. 832. Gindcly, Gesch. der böbm. Brüder (14571671), Prag857 ff. 2 Bde.

*) Luther gab 1516 die Teutschc Theologie, selbe für einen Auszug ausTauler haltend, mit einer Vorrede heraus, worin er von derselben sagt:Diesedle Büchlein, so arm und ungcschmückt cs ist in Worten nnd menschlicher Weis-heit, also und vielmehr reicher und übcrköstlich ist cs in Kunst und göttlicher Weis-heit. Und daß ich noch meinen alten Narren rühme, ist mir nebst der Biblienund St. Augustin nicht fürkommen ein Buch, daraus ich mehr erlernt Habund will, was Gott, Christus, Mensch und alle Ding seyn, und befinde nunallererst, daß wahr sei, daß etliche Hochgelehrten von uns Wittcnbergischen Theo-loge» schimpflich reden, als wollten wir neue Ding fürnchmen, gleich als wärennicht vorhin und anderswo auch Leute gewesen." In neuerer Zeit ist diese TeutschcTheologie hcrausgegcben v. Grell. Berlin 817., v. Krüger. Lemgo 822., v.Detzer. Erlang. 827., v. Trorlcr. St. Gallen837., v. Fr. Pfeiffer. Stuttg.851 (nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift v. 1497). 2. A. 855.