688 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 2. Capitcl.
als jemals die von Jnnocenz IN. gegen Johann ohne Land geltend gemachtenRechte aufzuheben beabsichtigte. In einer Predigt nannte er den Papst den„Antichrist, den hochmüthigen, weltlichen Priester von Rom, den verdammte-sten Gelderpresser." Noch ercessiver zeigte er sich bei dem Kampfe der Uni-versität Oxford gegen die Bcttelinönche (1360h, von denen er sagte: in einenBettelorde» treten und sich des Reiches Gottes verlustig machen, sei dasselbe.Durch seinen Eifer gegen die Besteuerungen des Papstes machte er sich denHof geneigt, und erhielt eine Professur der Tbeologie zu Oxford(1372). Auch war er bei der Gesandtschaft, die König Eduard zu Unter-handlungen nach Brügge schickte (1374), wo er den Sohn Eduards III.,Johann von Gent, kennen lernte, welcher der kirchlichen Opposition gleich-falls sehr geneigt war. Als Gregor XI. in Folge einer Anklage wegen ISIrrlehren Untersuchungen gegen ihn einlciten ließ, die aber bei seinem An-hänge unter den weltlichen Großen zu keinem Resultate führten, bildete erseine häretischen Ansichten schärfer aus. Er behauptet: der wahre Christhabe durch die Gnade Christi dieGewißheit seines Glaubens, ohnedasUrtheilderKirche. Die heil. Sch rift sei die einzige Quelleund Norm des christlichen Glaubens. Er leugnete die Transsubstan-tiation im Abendmahle, sowie daß Ehristuö darin ein Opfer angeordnethabe. Auch erklärte er, ein Bischof oder Priester, der in schwere Sündeverfallen, könne kein Sacrament spenden; wenn Jemand innere Zerknir-schung über seine Sünden empfunden habe, so sei das äußere Bekenntnis inder Ohrenbeichte überflüssig und unnütz; wenn der Papst unsittlich unddarum ein Glied des Teufels sei, so habe er keine Gewalt über die Christ-gläubigen; es sei gegen die heil. Schrift, daß die Geistlichen weltliche Be-sitzungen hätten; selbst Könige und Fürsten müßten, wenn sie in schwereSünden verfielen, der Regierung entsagen: „denn jede Herrschaft seidurch den Stand der Gwade bedingt u. A." Indem Wicliff auchnoch einer ab so lu t e n Präd estin ati o nsthe o rie huldigte, enthielt seinesich immermehr entwickelnde Lehre den Keim der größten Zerstörung auf demkirchlichen und dem politischen Gebiete in sich, zumal durch die Verwechs-lung des sittlichen Standpunktes mit dem Rechtsstandpunkte. Auch hatteWicliff wie seine Reiscprediger durch ihre aufreizenden Anklagen und An-griffe auf den Reichthum des Klerus den Bauernaufstand 1381 wenn nichterregt, doch mehrfach begünstigt. Nach Unterdrückung des Aufstandes ver-warf die Synode zu London (1382) 24 Sätze theilö als häretisch, theilSals irrthüml ich *). Der Hof erkannte das Urtheil der Bischöfe an, woraufdie Universität Orford den Wicliff und seine Freunde Preisgaben, understerer der Professur entsagend, sich auf seine Pfarrei Lutterworth zurück-ziehen mußte, wo er starb (1384). Hier hatte er sein Hauptwerk, denTrialogus") versaßt, worin er die Opposition gegen die Kirche auf daüäußerste Ertrem getrieben und system atisch entwickelt hat ').
t) Ucbcr diese Londoner Synode vgl. 7/«>'ckrr',r. 3'. VII. p. 1889 eg. Illanar.3?. XXVI. p. 695.
2) D'iakoAus, ausführlicher: ckoanirre IVreke/i, viri unäeqnngue piissiwi, äin-inpor. libd. IV. Uns. 525. 4. sä. IVret/r. et I-ps. 753. gib. I äe Uso stiäeis; lib. II. <1s erent. innnäi; lib. III. äs virtntilius et vitiis; lib. IV. äs oe-clesia, eaernmentis sto.) Von seinen übrigen bei Lerer',-: p. 143 eg. aufgcführtcnSchriften besonders wichtig die Abhandlung äs iäeis.
31 Vortreffliche Kritik des Systcmes v. Wicliff findet sich bei Morn. IVÄcken-«r's, äoetrinale untiguitatum üäsi (geg. Wicliffs u. Husens Irrlehren) sä. kur.