682 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 1. Capitel.
Deutschland geführt. „Tausend Mittel werden ausgedacht, sagt der kur-mainzische Kanzler Meyer, wodurch der römische Stuhl uns wie Bar-baren durch seine Kunstgriffe das Geld ablösen könne." Die dagegen vonAeneaS Sylvius verfaßte Apologie des apostolischen Stuhles^) machtewenig Eindruck, rief nur eine sehr scharfe und lakonische Erwiderung vondem Speyer'schen Priester Jacob Wimphcling hervor (1510), Dochschwuren die Bischöfe fortwährend deni Papste den Eid der Treue, und wennsie bisweilen außer den Pallicngeldern noch besondere Summen für die Er-haltung des Bisthumö bezahlen mußten, so entschädigten sie sich dadurch,,daß auch sie für die von ihnen verliehenen Beneficien Geld verlangten unterder Motivirung, auch sie hätten ihr Amt nicht umsonst! Zudem erhielten sie,so wie auch die Cardinäle andererseits von den Päpsten, die sie gewinuenwollten, eine Menge Beneficien. Die Domherren ließen, ungeachtet derstrengen Rüge Grcgor's IX. ss. S. 575.), meist nur Adelige in die Capitelzu. Die Synode von Eonstanz") beklagt dies neben andern zu beseitigen-den Mißbräuche», weil so die Gelehrsamkeit aus den Eapiteln verschwände,und ungelehrte, unselbstständige Prälaten zum größten Nachtheile der Kirchedann die bischöflichen Stühle einnähmcn. Sic beschloß, daß auch Nicht-adelige, besonders Doctorcn der Theologie oder der Rechte, überhaupt wenig-stens zum vierten Theilc Graduirte in jedes Capitel ausgenommen werde»sollten. Die Verwaltung der Diöeesen erfuhr sonst keine besondere Veränderun-gen, nur wurde sie bei dem Verfall der einst gefürchteten päpstlichen Machtoft beispiellos vernachlässigt. Besonders zur Zeit der Avignvnschen Päpsteentfernten sich viele Bischöfe auf längere Zeit aus ihren Diöeesen und be-schönigten dies durch die Residenz der Päpste zu Avignon. So mußte Gre-gor XI. von einem Bischof, den er darum zur Rede stellte, hören: er möchtezuerst selbst nach Rom zurückkcbren. Die Synoden dieser Zeit haben wieder-holt und nachdrücklich die Residenz der Prälaten und sämmtlichcr Bcncficia-ten zur Pflicht gemacht I.
z. 277. Die Sitten der Gei st l i ch e II.
Höchst nachtheilig wirkte zunächst aus die Sitten der Bischöfe daS ver-minderte Ansehen der Päpste, ja die Unfittlichkeit Einzelner unter denselben.Wie Viele die BiSthümer auf unapostolischc Weise erhielten, eben so ver-walteten sie auch dieselben und regten noch weniger durch ihren Wandel einbesseres Leben an. Vineenz Ferrcr beschreibt einen großen Thcil derBischöfe so: „Sie sind stolz, hoffärtig, eitel, prachtliebend, Wucherer, dieihre» Glauben auf das Maß der irdischen Dinge gewendet haben, deren
1) l>k8eriiitw «I«« ritii, «sin, maribns vt eonilitiain- (lermiinstie in Xeiiei«!8plv. cipy. u. in 77^«r// Uiiinil. eeeleo. '1'. )^VII. ,>. l86 8g.
2> Bei n. e/. 77»/»/t.T33 I ?, X. Idetstrinatorium in Ome. tlnnntaiit. e. 34«In ginilibst eeelssia «Mlisdrali «it »n« »»»/,.->//»/ /» 77tea/«/A»r,
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«iea re/ c7n7/7 //i-r, </»«,.-»/,^»e «»/,,7/eate /-«/-»/en/nr. p. 638 sg. Dasselbe Mharter Rede >>. 6!>5. lil>. II!. Diuilii8 lll. >Ie praebenäis in üiAiiitatibuL.
3> Itekerinat. (:«u8t. tbine. «leeret. lili. III. tilnl. II. i He « lerids inai «esi-äentibuL in ocel. vol iiraelieuäa. je. «/. 77«/»//. 3'. I. I'. XII p. 694.)