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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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681
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§. 276. Die übrigen Glieder der Hierarchie. 681

.'einigen')." Die Bekämpfung und sogar gegenseitige Verwerfung beiderSysteme wurde auf den gehaltenen Concilien meist als die Hauptsache betrie-ben und darüber die mit vereinten Kräften zu erstrebende Reformation inder Kirche an Haupt und Gliedern unmöglich gemacht oder doch immer wei-ter hinausgeschoben. Von den Päpsten allein war diese jetzt um so weni-ger zu erwarten, da mehrere fühlten, die Reformation müsse bei ihnen selbstbeginnen, andere in dem starren Festhalten an der päpstlichen MachtfülledaS Heil für Kirche und Staat sahen. Zudem war auch ihr Einfluß durchdie Ereignisse in Avignon, das Schisma, die daraus folgenden ärgerlichenöffentlichen Verhandlungen, so wie die Unsittlichkcit mehrerer Individuen zusehr geschwächt, als daß ihre Anordnungen jetzt allgemeine Anerkennunghätten finden können. Vielmehr gab sich das Bestreben kund, möglichstselbstständige Nationalkirchen zu gründen (sanctio pra^mntioo, die Beschlüssevon Mainz und Frankfurt), wodurch das einheitliche Leben in der Kirche aufbetrübende Weise gestört wurde.

Doch konnte durch alles dieses in der allgemeinen Meinung der Völkerdie wahre Idee des Papstthums als Einheitöpunkt und dessen Nothwendig-keit zur Regierung der Kirche nicht unterdrückt werden.Der Papst konnte,sagt Schrö ckh, noch nach dem I. 1500 ebenso gebieterisch wie BonifaciusVIII. um das I. 1300 sprechen." Hierin müssen wir den der Kirche ver-heißenen göttlichen Beistand erkennen, daß nämlich selbst bei der schlechtestenmenschlichen Vertretung eines ihrer wcsentlichen Elemente nicht unter-drückt und aus dem Bewußtsein der Gläubigen vertilgt werden kann. Auchdie herrliche christliche Idee des Doppclvereins zwischen Papstthum und Kai-serthum wurde, wenn auch immer weniger im Leben verwirklicht, doch beibesonder» Veranlassungen feierlich vergegenwärtigt. Wie einst Heinrich II.,der Heilige, in der Papalmeffe Benedict's VIll. zu Fulda das EvangeliumlaS, so fungirtc auch Kaiser Sigismund als Diakon in der Messe JohannesXXiü. zu Constanz, während Kaiser Karl IV. beim Einzuge in Rom demP. Urban V. das Pferd am Zügel führte, und bei Gregor XI. die Bestä-tigung für seinen Sohn Wenzel als römischen König nachgesucht hatte. Docham Schlüsse dieser Periode verkündete Maximilian den Beginn einer neuenZeit, als er 1508 zu Trient sich den Namen eines erwählten römischenKaisers beilegte, ohne die Krone aus der Hand des Papstes empfangen zuhaben.

§. 276. Die übrigen Glieder der Hierarchie.

Die großen Concilien haben besonders für dieBischüfe gekämpft; siesollten unabhängiger vom Papste werden, und den ursprünglichen Antheil ander Verwaltung der Kirche erhalten. Zwar verzichtete der größere Theilder Bischöfe auf die von den Synoden ercentrisch geforderten Vortheile, vor-aussehend, daß bei der intendirten Erniedrigung des Papstes in weitererEntwickelung auch ihr eigenes Ansehen gefährdet war. Fehlte cs ja nicht anargen Beschwerden gegen die weltliche Jurisdiction der Geistlichkeit inFrankreich und gegen die bischöflick-c Gerichtsbarkeit in Deutschland. Gleich-wohl wurde die V er g cb u n g der Bcneficicn vonRom aus beson-ders au Ausländer und die vielen direkten und indirekten Be-steuerungen von dort übel empfunden. Laien und Klerus sahen sich durchbeides beeinträchtigt und gedrückt. Die lautesten Klagen wurden wohl in

l) Bet Lvc/t, t-uuerio xragiu. 6erm. iliustr. eux. 2. §. 15.