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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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668
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668 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. I. Capitcl.

deS Kirchenzustandes zu bewirken. Dennoch gaben die Väter sogleich zu ver-stehen, daß sie die einmal betretene Bahn und die früheren Coterien nichtaufgeben wollten. Man sprach schon in der siebenzehnten Sitzung denpäpstlichen Legaten die fliristlietio eoaotivr, ab, wiederholte in der acht-zehnten Sitzung das bis zum Uebcrdruß ausgebeutete Constanzcr Demivon der Supcriorität der allgemeinen Concilien über den Papst, in einemAugenblicke, wo Eugen I V. in Folge des durch den Herzog von Mailand zuRom angezettelten Aufstandes verkleidet nach Florenz fliehen mußte. Mehrnäherte man sich der Aufgabe des Concils in der 19tcn Sitzung (7. Septbr.)wo die Väter mit den griechischen Gesandten die Vereinigung beider Kirchenauf ein in Italien in Gegenwart des Papstes und des griechischen Kaisersgriechischer Patriarchen und Bischöfe zu haltendes Concil verwiesen. Inder zwanzigsten und den folgenden Sitzungen erschienen äußerst wich-tige und strenge Reform ation sd ecrete gegen das Co ncubinatder Geistlichen, gegen Vervielfältigung d er App c l l at ionen undInterdikte, wie gegen dieAnnaten, zur rdig cn Abhaltungdes Gottesdienstes und gegen freventliche Mißbräuche indenKirchen (Narrenfest, Schmausereien und Jahrmärkte), für die Wahl desPapstes und das Collegium der Cardinäle. Die regelmäßige Abhaltung derDi öcesan - und Provinzialsynoden war schon in der löten Sitzungeingeschärft worden. Als man jedoch in der 23tcn Sitzung (25. März1436) im stürmischen Eifer die päpstliche Würde zu völliger Abhängigkeitherabzudrücken drohete, den oft so nothwendigen Einfluß des Papstes auf diekanonischen Wahlen sofort vernichten-), die ihm jetzt besonders dringendnothwendigen Einkünfte entziehen, seine wohlerworbenen Rechte einseitigaufheben wollte, mußte dies selbst bei früher eifrigen Vertheidigern des Cvn-cils wie Nicolaus Cusanus u. A. Mißtrauen erregen. Ja die Reaction desConcils gegen die vom Papst bezogenen Annaten und sämmtlicheTaren bei Verleihung oder Bestätigung von Bcneflcicn mußte um so mehrauffallen, als es selbst für nöthig fand, für den Unterhalt seiner Mitgliedervon dem Klerus der Diöccsen Abgaben zu erheben. Und was noch wenigerdem angenommenen Reformationseifer und den so oft allegirten Dekreten derConstanzcr Synode entsprach, war der Umstand, daß cs sogar zur Auf-bringung der für die Vereinigung der griechischen Kirche erforderlichen Geld-summen einen Ablaß feilbot!

Ueber dieses rücksichtslose Benehmen der Synode gegen die Person undWürde des Papstes, namentlich in der 23ten Sitzung, worin bis aufsKleinste die Form der Wahl des Papstes wie sein Verhalten in der Regierungvorgeschrieben , ihm sogar ein Glaubensbekcnntniß mit den Constanzcr undBasler Beschlüssen von der Supcriorität der Concilien über den Papst vorge-legt wurde, und die Uebernahme einer Menge fremdartiger Geschäfte undEinmischung in politische Angelegenheiten, was die Hauptaufgabe der Ver-sammlung beeinträchtigte, führte Eugen bei allen Fürsten Europa's Be-schwerde, und dachte ernstlich daran, das Concil zu suspendircn und zu ver-legen. Hierin wurde er noch mehr bestärkt, als in Folge neuer durch den

*)Für einen Unwürdigen," sagt Acncas Sylvins auf Grund eigener An-schauung,den der Papst zu einer Stelle ernannt Habe, wolle er immer tausendrohe, dumme und ganz untaugliche Menschen aufführcn, die von den Capitclnund Ordinarien wäre» befördert worden."