§. 272. Eugcnius IV. (1431—47). Nicolaus V. (1447—55) re. 667
sich mit dem Papste auszusöhnen, verfehlten soweit ihren Zweck, daß die Vä-ter in einem derben Briefe an das Kirchcnoberhaupt dieses als den Urheber desSchisma's darstclltcn, und sich wiederholt als rechtmäßig versammeltes Conciliw Spirit» st» legitime eongregata) geltend machten. Ja die Feindselig-keit gegen P. Eugen steigerte sich indcr sechsten Sitzung (6. Scptbr.),wo bereits 32 Bischöfe anwesend waren, bis dahin, daß verlangt wurde,den Papst für halsstarrig (contuinsx) zu erklären. Die ausschweifendeErhebung der Autorität des Cvncils war nämlich immer allgemeiner geworden,und man scheute sich selbst nicht, ganz unbegründete Gerüchte über Eugen'« sitt-lichen Charakter zu verbreiten. Cardinal Julian nahm nun sogar sn dersiebentenSitzung (S.Novbr.) wieder den Vorsitz an, und man beschloß:daß, im Falle der Erledigung des apostolischen Stuhles, die Wahl einesneuen Papstes nur in Basel stattfinden sollte. Immer weiter gehendstellte man dem Papste die Frist von 60 Tagen zur Widerrufung seiner Auf-lösungsbulle, und erklärte ihn endlich in der zehnten Sitzung (19. Febr.1433 ) wirklich für ungehorsam und halsstarrig. Da Eugen erkannte, daßmanche Hindernisse, die nach seiner Ansicht einer segensreichen Thätigkeit imWege standen, beseitigt seien, trat er zu den Basler Vätern in ein friedliche-res Verhältnis). Er hob durch eine Bulle vom 1. Aug. 1433 sein frühe-res Aufhcbungsdecret auf, und leitete durch Gesandte Verhandlungen zumAnschluß an das Concil ein. Die Basler zeigten aber auch jetzt so wenigMäßigung, daß sie auf ihre vermeintliche Repräsentation der gesummtenKirche (universalem eeelesiam repraesentans) fußend, die Vorschläge mei-stens verwarfen, an den Ausdrücken der neuen Bulle Eugen's mäkelten;namentlich verlangten sie, daß der Papst statt „wolle und sei zufrie-den" sage: er bestimme und erkläre («lecmmmus et clecluramus), und dieanstößige Vollmacht für seine Legaten: alle Geschäfte unter dem Beirathedes Cvncils (cum consilio (mncilii) abzuthun, ändere, da die Väter so ausRichtern zu Rathgebern herabgesetzt würden. Ja sie fuhren in der Ilten bis15ten Sitzung fort, Decrete zur Demüthigung des Papstes und Erniedrigungder päpstlichen Würde zu publicirem. Eugen that das Aeußerste, als er einevon dem Concile entworfene Anerkennungöformcl unterschrieb. Diese wardindcr löten Sitzung (5. Febr. 1434) vorgelesen, worauf dann in Ver-folgenden (28. Febr.) den päpstlichen Gesandten der Vorsitz eingeräumt,und auch die Wid errufung aller gegen die Person und dieWürde dcsPapstes gerichtetenActe festgesetz twurde"). Durchdie erfolgte Eintracht genoß das Concil nun die allgemeine Achtung; derjetzt in Basel anwesende Kaiser Sigismund hatte diese Aussöhnung ernst-lich vermitteln helfen.
Da bei dem seitherigen Kampfe um die Existenz des Cvncils und die er-neuerten Prinzipiensragen begreiflich noch wenig von dem ursprünglichenBerufe war erfüllt worden, so hätte man erwarten sollen, daß das in Folgeder jetzt eintreffendcn größeren Anzahl von Bischöfen verstärkte Concil so-fort desto eifriger darauf bedacht gewesen wäre: die Ausrottung aller Ketz-ereien, Vereinigung aller Christen mit den Katholiken und die Verbesserung
1) Vgl. Nar/natct. ml n. 1433. M-. !9 8g. Die sogleich erwähnten BullenEugen'S bei Mmsr. N.-XX1X. x. 574. Lreckitr». 1'. Vlll. x. 1168-72. vgl.E»sr. I. e. x. 72 8g. "
2> Nach dem Berichte des Augenzeugen Augustinus Patricius in seinerduwwn LvLciiiorum ete.