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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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665
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§. 272. Eugcnius IV. (1431-47). Nicolaus V. (1447-55) re. 665

Die Kirche, sagt Nicolaus'), ist die lebendige Vereinigung aller vcrniinf-tiacn Geister durch Christus und in Christus jlili. 1. e. 1), der mystische LeibCbristi !>ib. ll- e. 18.). Sic ist daher von Anfang bis zu Ende nur eine, wirdaber nach den Hauptvcrschicdcnhcitcn der an ihr theilnchmcndcn Glieder in dietriumphircndc, schlafende und streitende cingcthcilt slib. I. e. 4.). Diestreitende Kirche hat drei Elcnicntc: die h. Sacramente, das Pricstcrthum und dieLaim, wodurch die lebendige Einheit erhalten wird. Christus theilt sich nämlichj„ den Sacramente» mittelst der Priester de» Laien mit; das Pricstcrthumist also ein nothwcndigcs Mittelglied in der Kirche, wie die Seele das nothwen-diac Mittelglied zwischen Geist und Körper ist. Es ist die Seele im Körper derGläubigen, und selber regiert vom h. Geiste siil,. l- o. 8) ist sein Geschäft, denKörper zu leiten, zu beleben und zu erleuchte». Dies geschieht durch verschiedenehierarchische Stufen und Ordnungen, deren höchste die Bischöfe einnehme» liid.I e. 6.;. Diese selber sind alle in Beziehung auf Weihe und richterliche Gewaltciuaiidcr gleich, aber verschieden in Beziehung auf Administrativgcwalt und dasObject ihrer specicllcn Sorge. Nach der verschiedenen Wichtigkeit und dem An-sehen der jedem anvcrtrautcn Gemeinde entstand unter den Bischöfen selber einUnterschied des Ranges und der Administrativgcwalt, nicht rurch Zufall,sondern nach einer von^Gott cingcfuhrten und von den Apostelngewählten Ordnung; über Allen aber steht der römische Bischof,durch göttliche Institution, damit Rom — früher das Haupt des Aberglaubens —nun Haupt der Heiligkeit werde slilr. I. o. 5—15). Christus setzte nämlich denh. Petrus als den ältesten den übrigen Aposteln vor, um alle Trennung zu ver-meiden und die Einheit zu erhalten, indem er die ganze durch Liebe vereinigteKirche in einem lebendigen Mittelpunkte darstcllte <!),. I. e. 11). Diese hoheWürde Petri ging auf seine Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhle zu Nomüber, denn dieses Vorrecht haftete an dem Stuhle und ist für alle Zeiten das-selbe* *!. Wer mit Nom nicht verbunden ist, ist außerhalb der Kirche slib. I.e. 14. 15).

Ein allgemeines Concil hat die höchste Gewalt und ist unfehlbar, dochnur in Glaubens fachen (lili. II. <-. 5): denn in ihm ist die ganze Kirchemittelst des Pricstcrthums versammelt, die von Christus die Gewalt zu binden undzu lösen und Unfehlbarkeit erhalten (Iil>. II. e. 18). Dieses Concil empfängt

also seine Gewalt nicht von Demjenigen, der cs beruft, sondern cs hat sic von

Christus, und die Gewalt des Zusammcnbcrufcndcn über dasselbe hört auf,sobald sich das Concil constituirt hat. Der Zusammcnbcrufende ist nicht uoth-wcndig der Papst, denn die acht erste» allgemeinen Concilieu sind wahre Con-silien, wenn sic auch nicht vom Papste zusammcnberuscn waren siili. ll. c. 25).Die Dccrctc eines jeden Concils erhalten ihre Kraft nicht vom Vorsitzer derSynode, sondern durch die vom h. Geiste inspirirte Ein- und Gleichstimmigkeitder Mitglieder, in deren Mitte Christus ist sl>l>. II. c. 8. 9). Jedes Mitgliedist ein wesentlicher Thcil der Synode: denn nur von der Einstimmung Allerhängt die Wahrheit ab, und wer das Recht hat, auf der Synode zu erscheinen,darf durchaus nicht ausgeschlossen und abgewiesen werden (!i>>. II. o. 15). DiesesRecht aber habe» nur die Bischöfe und ihre Stellvertreter, nur sie haben eine

definitive Stimme. ES ist jedoch ein löblicher und heilsamer Gebrauch, auch

andere gelehrte Kirchcnvorstchcr, Priester und Doctore» des kanonischen Rechtsbcizuzichcn, damit sic das Concil mit ihrem Rathc unterstützen slili. II. e. 16. u. 23).Nur ei» allgemeines Concil hat das Recht, Statuten zu erlassen, denenJedermann unbedingt Nachkommen muß slld. II e. 9), eben weil cs die Kircherepräsentirt. Die Statuten des Papstes aber, — denn auch er hat wegenseiner Aufsicht über die ganze Kirche und weil auch er Repräsentant der ganzenKirche ist, das Recht, Statuten für dieselbe zu geben — erhalten nur dann die-

1) Diese Analyse v. Hcfclc.; GicßerIahrb. f. Thcol. Bd. VI. S. 361 - 68).

*) Diese u. m. a. Acußcrungcn sind wohl nicht geeignet zu bewahrheiten,was Gicscler, Lchrb. der KG. Bd. II. Abth. 4. S. 62 sagt: daß die cou-cvrnin catlwlicu des Nie. v. Cusa Grundsätze enthalte: „welche das Papstthumm seiner innersten Grundlage bedrohten."