§. 271. Das Concil zu Constanz 11414—18). 861
Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse und Abschaffung der grellstenMißbräuche einzeln mit dem Papste Concordate zu schließen, welche,in Verbindung mit den unten angedeutcten Rcformations - Dccreten, einenschönen Anfang zur Beseitigung der Auswüchse in der Kirche und dem kirch-lichen Leben machten. Auch wäre eine vollständige Reform setzt bei demMangel der ersten Grundlage: eines durchgängig mehr gebildeten und sitt-lichen Klerus, wohl noch nicht durchzuführen gewesen.' Auch waren dieBischöfe im Ganzen mehr mit den Angelegenheiten ihrer Staaten als mitBeförderung des Wohls ihrer Sprengel beschäftigt. Darum war der aufdem Concil wiederholt angeregte, aber ungestüme Eifer gegen die allmäligentstandene päpstliche Macht und der Wunsch einer urplötzlichen Zurückführungzur Einfachheit des schlichten Priestergcwandeö, gegenüber den BischöfenDeutschlands im Hermeline der Kurwürde mit Schwert und Krone, ebensowenig ausführbar als rathsam. Dagegen erschien Martin's V. Weg, diepäpstliche Gewalt allmälig in ihre Schranken zurückzuführen, und fürs erstedie anstößigsten und nachtheiligstcn Mißstände zu heben, ungleich empfehlens-werther. Neue Hoffnungen eröffnete er in der 44tcn Sitzung durch das in5 Jahren nach Pavia zu berufende allgemeine Concil.
Gegen den bis zum Uebcrdruß wiederholten Grundsatz von der Unter-ordnung des Papstes unter ein allgemeines Concil und die Appellation vonjenem an dieses, was jetzt keine Anwendung mehr fand, erklärte Martinfeierlich: daß Niemand von dem apostolischen Stuhle appel-liren, oder dessen Entscheidung in Glaubens fach en ver-werfen dürfe Die Veranlassung zu diesem Decrete gaben polnische
ölm'tr'm V. ret'orinstiu in capite st curia rcuna natiouibus oldata (r. ck. LarcÄ7. I. p 1021-45).
1) Diese Concordatc mit den Deutschen, vom 2. Mai 1418 ck. //arckt. 7.I. p. 1055—68. Münch, sollst. Samml. aller älteren und neueren Concordate.Th. I. S. 20ff.): 0. I. de immer» et gualitate 6ard:naliuu> et eurum creatiuus;0. II. de provisione eeelesiur., mnna8terior., prioratuum. dixnitatum et aller,benelieiarum; 0. III. <Ie aunarm; (I IV. de eaimis tractiindm in Romanacuria nec ne; 6. V. ele ecunmenclis; 6. VI. eie ximcmia; 6. VIl. ele nun vitan-clis excommunicatiZ, uuteguam per sudicsm iuerint cleclarati et dennutiati;L. VIII. de di8pen8ationibus; 0. IX. cle prnvi8ione 7apas et Oarclinalium;
O. X. de iudulgsntiis: cavelut Dcuninus uoeter kapa in uimiam iu-
clulgontiarum estüsioneoi, ns vileocant, et r» praeterrttt»! rauek88a8 ab obituOregorii XI. ad iu8tar alteri>i8 induigeutiao revocat et annullat. Den Curat-geistlichen ward spcciell empfohlen: guia incluigentiaruiu materia gravm est, inea eauie ae clirecte ver8Sntur sparocbi), neo guidguam, guud ücisi n»8traemmus cnnvenieno aut popul» eit 8csncla!»8um, prstsrant! 6. XI. de Iiormncouevrdatorum valors; mit den Engländern >2. Juli 1418 (r. ck. 7/cc-dt. 7. I.
P. 1079 —82): 0. I. de nnncern et rationo Cardinal.; 0. II. de iuclulgsutiis;0. III. cle appropriatiouibu«, uuionib., incorparatieiub. eccleelar. et vicaria-tuum; 6. IV. de ornatu 7ontiücali inksri»ribu8 Uraslatie nun coneeclendy;0. V. de di8po»5ationil>u8;'0. VI. cle Xuglm a.,1 oüleia Knm. «acrias aesumen-»>s; mit den Franzosen vom 2. Mai 1418 ln. ck. )Iarckt. 7. IV. p. 15667-79)nbcr dieselben Materien n. außerdem: kraerogativa in »btinenclie bsueüoiioOniversilati ?ar>8. eoncesea zier I)oi». Llarkinnm I'apani V.
2) Vgl. v. ck. Lmckr. 7. IV. p. 1548-64. 27crrckni»-. 7. VIII. p. 899.E,m. 7. XXVII. p. 1200 8>p Gegen dieses Dccrct erhob sich Ssr«on, traotat.quawoclg st au lievat in eausis üdei a 8UIUIN» Uontitic'v appsllars 8. ejuszudicium steclinars (»pp. 7. II. p. 303—8), und suchte zu zeigen, daß sich jaauch die Autorität Martin's auf die durch Cossa's Absetzung ausgcübte höchste