660 2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt, l. Capitel.
1415) und ward wegen dieser friedlichen Gesinnung zum Cardinalbischvfvon Porto erhoben (-f- 1417). Bencdiet dagegen zeigte sich zur Resignationweniger geneigt, und ward in der 37ten Sitzung als Meineidiger, Schis-matiker und Häretiker abgesetzt (26. Juli 1417). Obschon er auch jetzt nochhartnäckig behauptete: die Kirche sei zu Pcniscola (der Arche NoahS)seiner Residenz in Spanien, so nahm die Christenheit doch keine Notiz mehrvon ihm (-f- 1424).
Die Kirche erhielt nun ein einziges Oberhaupt in dem sittlichreinen, gelehrten und milden Cardinal Otto Colonna, als P. Mar-tin V. (i i. Nov. 1417). Friede und Ruhe waren hergestellt. Dieser Gangder Verhandlungen war aber erst nach langwierigen Debatten eingeschlage»worden, da die deutsche Nation, Kaiser Sigismund an der Spitze, und an-fangs noch von den Engländern unterstützt, verlangte: daß die in Aussichtgestellte Reform nach einem Entwürfe von achtzehn Artikeln ^) v or der Wahleines neuen Papstes vorgenommen würde. Nach näherer Verständigungdrangen aber selbst Peter d'Ailly und Gerson mit dem Cardinal Zoba-r ella auf die Papstwahl als das zunächst Nothwendige, hinweisend aufMatth. 22, 25.: „Jedes Reich, das in sich selber uneins ist, wird verwüstetund kann nicht bestehen," und hoben sogleich nachdrücklich hervor, daß dieKirche keinesweges durch einige Decrete an Haupt und Gliedern verbessertwerde, die noch dazu sehr leicht gerade unter dem Vorwände, daß sie voneiner hauptlosen Versammlung erlassen worden, von den Bctheiligten ver-worfen werden könnten^). Von den drei Hauptaufgaben des ConstanzerConcils: 1) Beilegung des Schisma's, 2) Glaubensrei-nigung und Ausrottung der husitischcnJrrthümer, 3) Fest-st ellungr eso rmatorisch er Besch lüsse (intendiinns insisters psoem,oxnltutivnem etrolormationem setdssinesttrgiigmlitglsin popnli clinstiani)war den versammelten Vätern bis jetzt nur die erste vollständig gelungen.Die auch bereits unternommene weiter unten vorzuführende Unterdrückungder husitischen Häresie (3. Nov. 1414— 6. Juli 1415 von der AnkunftHusens in Constanz bis zu seinem Tode) hatte die Glaubensspaltung nocherweitert; der Tod Husens bereitete der Kirche noch größere Gefahr. InBeziehung auf die R esor m e n entsprach der neugewählte P. Martin dengehegten Erwartungen nicht vollständig. Die von ihm dafür niedergesetzteCommission von sechs Cardinälen und Deputaten jeder Nation zum Behufeder Reform konnte sich nicht vereinen und nahm auch das Reformationsstatutdes Papstes nicht an ^). Die Nationen fanden es daher angemessener, zur
1) Bei v. ck. Tlarckt. V. IV. p. 1452 u. bei Mr»st V. XXVII. p. 1164.
2) Sehr beachtenswert^» ist die Protestatio« der Cardinäle u. der drei Natio-nen gegen die von den Deutschen beantragte Verschiebung der Papstwahl vomScpt. 14t7; darin heißt es u. A.: TVaetsrea sr rs/or-nat/o Fencka «nt Äs cks/or-matts, guae m«i)or est et esse zotest r'n corpore cke/ormttas, guaur eareree«M'te et aeeMcrtnm esse? lila (chtur sirior tamguam inaxis neeossnria äsbot6886 reformatio, guao corpus ipsum aä euput rekormst st rn/ormet,' et con-trariuio asserers vel t'acere. non viästur esse sseurnm. Less. XXXVIII. beiMm«-. V. XXVII. x. 1152. 77»,V. VIII. p. 849. Hatte ja die deutscheNation auch gleich anfangs das Bekcnntniß offen ausgesprochen: Xso est suterit ussertrix, nee umguam intravit ejus msntsm luifusmoäi /»aereseos inksetio,ut eeelesinw sine summo Uontistco äsbits kisrarcbiLuri xutet, aut utilsm esseraeationew äiutius protslatam. TUänsr. I. c. p. 1155. TTarcknm. p. 852.
3) Dasselbe wurde bereits zu Ende Januar 1418 publicirt unter dem Titel: