§. 27t. Das Concil zu Konstanz (1414—18.)
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italienischen, englischen und später der spanischen, die sich zubesonderen Curie» gestalteten, und deren jede ihren cigenthümlichen Charak-ter und individuelle Bestrebungen entfaltete. Nur aus äußerem Drange warJohannes XXIII. nach Constanz gekommen. Unterwegs hatte er dasgute Landvolk durch sein Fluchen im Namen des Teufels geärgert. Beim An-blicke von Constanz äußerte er: „Das ist die Falle, in der man Füchsefängt." Nach den getroffenen Einleitungen forderte das Concil die frei-willige Resignation aller dreiPäpste. Johannes, darüber be-troffen, zeigte sich anfangs geneigt, entfloh aber gegen seinen Eid durchUnterstützung des Herzogs Friedrich von Oesterreich (21. März 1415) nachSchaffhauscn, dann über Laufcnburg und Freiburg weiter rheinabwärts, undnahm alle früheren Zugeständnisse als erzwungen zurück. Nur auf Ger-son's kräftige Rede und des jetzigen Cardinals d'Ailly Bemühungenward die Synode fortgesetzt. Man faßte in der 3ten und 4ten Sitzung jeneberühmten Beschlüsse: „Daß ein allgemeines Concil ohne seineEinwilligung durch den Papst nicht verlegt oder aufgelöstwerdenkönnc; das gegenwärtige daherauchnachder Fluchtdes Papstes i n aller Kraft so r tbestehe; daßJeder, auchderPapst, waödenGlanbenund die Ausro ttung dcs Schisma'sbetrifft, dem allgemeinen Concile, g eh o r ch en müsse, unddieses, wie über alle Christen, so auch über den Papst zu ge-bieten habe. Peter d'Ailly und Gerson verfaßten noch während desConcils Rechtfertigungen derselben '). An fi ch waren diese Grundsätze un-statthaft und verwerflich; sie paßten nicht für einen gesunden Körper, inwelchem alle Th eile vereint zu gemeinschaftlichen Zwecken wirken müssen.Darnach steht das Haupt weder über, noch unter dem ganzen Körper, eSbesteht mit ihm und in ihm, ist ohne ihn todt, wie auch alles Ucbrige ohne dasHaupt todt ist. So verhält es sich auch mit der Kirche, dem mystischenLeibe, dessen unsichtbares Haupt Christus, das sichtbare aber der Papst ist.Die hier ausgesprochene Ueberordnung des Concils paßt also nicht für dennormalen Zustand der Kirche, doch schien sie nothwcndig durch die Verhält-nisse, die sich auf so abnorme Weise gestaltet hatten. Die Päpste warennämlich aus der rechten kirchlichen Gemeinschaft herausgetreten, und hattenoft den billigsten Wünschen kein Gehör gegeben. Jetzt zerrütteten drei Päpstedie Einheit und den Frieden der Kirche, und. keiner wollte sich zum Nach-gebcn, keiner zur Entsagung entschließen, keiner einen Richter anerkennen.Solchem Nebel schien nicht anders abgeholfen werden zu können, als durchAufnahme und Feststellung des Grundsatzes: der Papst stehe unter einemallgemeinen Concil, und könne, was den Glauben, Ausrottung des Schis-ma's und Verbesserung der Sitten betreffe, von einem ökumenischen Concilgerichtet und nach Befinden der Sachlage sogar abgesctzt werden. Nachdiesem Grundsätze wurde Johannes in der 12ten Sitzung wirklich abgesetzt,und der Herzog Friedrich vom Kaiser in die Acht gethan. Als dieser binnenkurzem seiner Besitzungen beraubt ward, bat er um Gnade und lieferte denPapst aus. Johannes unterwarf sich jetzt dem Urtheile des Concils. AuchGregor that seine Pflicht, legte sein Amt unter Bedingungen nieder, (4. Juli.
1) T'etiA« reuet,Mus so pntostats soclsgiustieu i. I. 1416.
io. L ÄaE. 1 ". VI. p. 15—78. Kerson. ozip. V. 11 .) °/o/r. Ker§on, truct. ilsMsst. sec), i. I. 1417 . (gmi. p. 78—137. Sorson. oxx. 1'. II. p. 225—260.)
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