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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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647
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§. 267. Johannes XXII., Benedict XII., Clemens VI. im Kampfe w. 647

Rodert die Reichsstatthaltcrschast in Italien bis zur Krönung eines Kaisers.Als dann Ludwig der Bayer den Herzog Friedrich von Oestreich beiMbldorf gefangen genommen batte (1322), sich ohne päpstliche Bestätigungals römischer König benahm, und den bedrängten lombardischen GhibellinenHülfe sandte, lud ihn Johannes binnen drei Monaten zum päpstlichen Ur-theilsspruchc (Oetob. 1323) vor^). Während Ludwig hier schwankend denPapst um Verlängerung des Termins bat, protcstirte er aus dem Fürstcntageri, Nürnberg trotzig gegen daS Recht des Papstes, seine Wahl zu untersuchenund zu genehmigen, seine Würde allein auf die Wahl der Churfürsten grün-dend. Der Papst hatte einen verlängerten Termin bewilligt; als aber Lud-wig hartnäckig trotzte und dem P. Johannes wiederholt vorwars:ein Be-schützer der Ketzer und Störer des kirchlichen Friedens zu sein," belegtedieser ilm mit dem Banne, dem ein Interdikt folgte (1. Oct. 1324). Inder Entrüstung nahm Ludwig sich Kaiser Heinrich IV. und Philipp denSchönen zum Muster, und erklärte in einer Denkschrift den angeblichenP. Johannes für einen Feind des Friedens und Urheber aller Zwietrachtin Deutschland und Italien. Cs entspann sich ein höchst leidenschaft-licher Schriftwechsel»') für und gegen den Papst und Kaiser, worinsich schon recht sichtbar hcrausstellte, daß die theilwcise willkürliche LeitungdcS Pvntificats, besonders aber die von den letzten Päpsten kundgegebeneParteilichkeit für Frankreich in weiten Kreisen Gleichgültigkeit und Miß-trauen gegen die fetzigen Kirchenvbcrhäupter erzeugt hatten.

In die Reihe der Feinde des Papstes stellten sich die Docwren der PariserUniversität Marsiiius <>to lluzunuiniiniu) von Padua <) 1328>, Johann vonJandun (Jand in Champagne, ( nach 13380 auf welche wahrscheinlich der zurverfolgten Partei der strengen Minoriten fSpiritualen) gehörende Ubcrliuovon Casale cinwirkie, Hangcnör von Augsburg, Gebeimschreiber desKaisers, besonders aber der Minoriten-Provincial Wilhelm Occam <13421,der ebenfalls zu de» verfolgten Spiritualen gehörte, endlich sogar Lupoid vonBcbenberg () l354 als B. von Bamberg), ein Geistlicher, der sonst eifrigbemüht ist, den in seiner Zeit noch tief wurzelnden Glaube» an die päpstlicheÄollgcwalt möglichst zu schonen. In dem großcntheils mit blendender Sophistikverfaßten tlokonsor >>w'w verirrte» sich Marfilius, Johann von Jandun u. A.bereits bis zu der crtrcmen calvinischen Behauptung: alle legislative und richter-liche Gewalt der Kirche ruhe im Bolle, welches sie erst dem Klerus übertragenhabe; die Unterscheidung der hierarchischen Abstufungen seien erst spätere Erfin-dungen herrschsüchkiger Geistlichen; auch dem römische» Bischöfe sei nur ausäußerer Conventen; durch die Autorität des höchsten Gesetzgebers, d. i. der ge-lammten Gläubigen oder des Kaisers als ihres Repräsentanten, die Prärogativedes Primates übertragen worden, nnd dieser beschränke sich nur auf die Befugnis!,ökumenische Concilicn zu berufen. Der Kaiser, welchem zugleich alle zeitlichenGüter der Kirche gehören, und das Strafrecht allein gebühre, könne daher sogar denPapst ab- und cinsctzen, oder strafen. Bei dein anfangs etwas weniger extre-men Oceam, welcher sich mehrfach an Dante'S luouaw biu < i. I. 1321 1anschloß, tritt, erwacht durch das Studium des Altcrihums, besonder.' die antike

1) Die Bulle bei ml u. 1323. nr. 30. vollständiger bei

!. e. ?. I. p. 194. Ludwig's Protcstat. zu Niirnb. bei ?. 1. p>. 248.

u. in Ol eit sch lag er's Urkundend. S. 84.

§je arge Mißstimmung gegen die seither vereinte geistliche und weltlicheGewalt der Hierarchie zeigt sich bereits bei Dnnte, sniruutor. onuto XVI v. 10Ü

1A; «ks 174»»!»» ;EB. v. Bourgcs ) >316), «Io potWtatv rogiu

et pmuiüeia; <7e (Dominican. ch 1304), äo in>lok,t. roisiu

ot pupali. in Llcmurdiiu 8. 11«m. Iirgi. b'rek. 61 l ^g. III. B. worin

auch die andern Schriften für den Kaiser.