638 2. Zeitraum. 2. Periode l. Zeitabschnitt. 6. Capitcl.
milden Beharrlichkeit Ottv's, und als der polnische Herzog ihnen ewigenFrieden und Herabsetzung des Zinses versprach, erklärten sich die Stettinerzur Annahme des Cbristcnthums bereit; die Julincr folgten dann ihremBeispiele. In Kurzem waren in Juli» 22,000 durch daS Bad der Taufewiedcrgeboren. Dem christlichen Berufe entsprechend, entließ der Herzogseine 24 Kebsweiber, die Untcrthanen gaben allmälig die heidnischen Ge-bräuche der Ermordung und Aussetzung der Kinder, das Verbrennen derTodtcn u. A. aus. Als Otto nach Bamberg zurückkchrte (1125), hinterließer 12 Kirchen und iu Julin ein Bisthnm, welchem sein seitheriger CapellanAdalbert zuerst Vorstand. Bei seinem abermalige» Besuche in Pommer»(1128) fand er aber m Stettin und Julin Viele vom Christenthume abgefal-len, Andere heidnische Sitte mit dem Evangelium vermischend. Durch seinennermüdcte, wohlberechnete Thätigkeit wurden die letzten Reste des Götzen-dienstes ausgerottct. Auch nach seiner abermaligen Rückkehr blieb er zu Bam-berg den Kirchen Pommerns mit väterlicher Fürsorge zugewandt (s- 113g).Das Bisthum Julin ward später nach Camin verlegt (1170), und schonJnnocenz II. hatte es dem päpstlichcnStuhle unmittelbar untergeordnet (1140).— Die Insel Rügen, ein Hauptsitz heidnischer Heiligtbümer, batte derEinführung des Christenthums hartnäckig widerstanden. Als dieselbe abervom dänischen Könige Waldemar erobert wurde (1168), zerstörte dessenkriegerischer Bischof Ab s a l o n v o n No s k il d e die Götzentempel (1 log)und taufte die Bewohner.
tz. 262. Die Bekehrung der Licvländer, Esthcn u. Kurländcr').
Kaufleute aus Bremen und Lübeck sollen bei den Licvländer n die ersteKunde des Evangeliums verbreitet haben (1158) ; einen wirklichen Bckeh-rungsvcrsuch machte der Augustmerkanomcus Meinhard aus dem KlosterSiegebert im Holsteinischen (1186) , der von einem vornehmen LievländcrKaupo unterstützt, eine Kirche zu Arkü l l an der Düna erbaute. Als eran der Spitze seiner Neubekehrtcn gegen die heidnischen Licvländer gesiegthatte, ging er nach Rom , um sich als B. von Irküll consccriren zu lassen.Nach seiner Rückkehr fand er die Licvländer feindlich gegen sie gestimmt(ss 1190); P. Cölestin lü.veranlaßte einen Krcuzzug gegen sic, den der jetztzum B. von Nrküll ernannte CistercienscrabtB er th old v. Loccnm leitete.Die Licvländer wurden zwar besiegt, aber auch Dcrthold siel (1198). Diebesiegten Licvländer wurden zur Taufe gcnöthigt, wuschen sich dieselbe abergleich nach der Entfernung des Kreuzhecres wieder in der Düna ab. AnBer-thold'ö Stelle wurde Albert vonAp cldern, Domherr in Bremen, er-nannt, der ein zweites Kreuzhccr anführtc, den Bischofssitz nach dem neucr-bautcn Riga verlegte (1200), zum Schutze der Mission den Orden derS chw ertbrüd er") stiftete (1202), deren erster Ordensmcister, Vinnovon Rohrbach, ermordet wurde (1208). Die zwischen dem Bischof unddem Orden über das eroberte und zu erobernde Land nusgebrochencn Strei-tigkeiten legte der Papst bei (1210). Der B. Albert verband sich mit denRussen, um die Esthen zu bekriegen; aber erst durch Hilfe des KönigsWilhelm 11. von Dänemark wnrden sie vollständig besiegt. Jetzt entstand
1) Parrot, Entwickl. der Sprachabstamm., Gcsch. der Mpthol. derLiev., Le-then, Esthen. Stuttg. 828. — Äc-iiVo? um 1226, orißg- lüvvniao ertivil. s. ebion. e. notis Orubsri. b'raucot'. st 1i,pb. 740 l. Kruse Xeerolivomacd.Altcrthümer Liv-, Esth- u. Kurl, bis zur Einfuhr, der chriftl. Rcl. Dorpat. 842.
2) T'ott, ckv glutOt'vris s. lrutrib. militius Obr. Lrl. 806.