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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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2. Zeitraum. 2. Periode, t. Zeitabschnitt, l. Eapitel.

j Oenoinansnum), und Ivo von Chartres (Garnotennft) und suchten, oblchmAnhänger der Grundsätze Grcgor's VII. und Urban's II., den gcängstigten undvor fernerem Blutvergießen erbebenden Papst zu entschuldigen: habe ja Gott diegrößten und heiligsten Männer in derartig^ Schwächen verfallen lassen, damit istdadurch zur Sclbstkcnntnifi geführt, ihre -schwäche sich selbst zuschrciben und dasihnen verliehene Gut der Gnade Gottes zu verdanken lernen. Man möge sichdoch nicht bis zur Anklage der Häresie »ersteige», da diese sich auf den Glaub«beziehe und ihren Sitz im Innern habe. Daraus cntgegnete aber der EB. Jo-hannes von Lpon: allerdings habe Glaube und Häresie ihren Sitz im Hericuaber wie der Gläubige sich in seinen Werken offenbare, so thuc es auch der Hinretikcr. Wenn auch das äußerliche Handeln des Jnvestircns durch Laie» an sitnichts Häretisches sei, so gehe doch die Behauptung und Vertheidigung desselbenaus häretischen Grundsätzen hervor. Am vollständigsten aber bezeichne»die Stellung der verschiedenen Parteien der Prior Placidus von Nonau-kula, und wußte zwischen ihnen die richtige Mitte zu treffen.Allerdings, ant-wortete er denen, welche die Kirche nur als eine rein geistige betrachten wollte»ist die Kirche eine geistliche Gemeinschaft, welche mit der Gabe des heiligen Gei-stes geschmückt worden; aber sie sollte auch durch die ihr geweihte irdische Gabegeehrt werden, und was ihr einmal geschenkt worden, kann ihr ohne Sacrilegimnnicht wieder entrissen werden. Wie die Seele in diesem Leben nicht ohne Leibbestehen kann, so kann auch das Geistliche nicht ohne das Leibliche sein, dieses wirddurch die Erziehung zu jenem geheiligt. Das Große, was die Kirche jetzt be-sitzt, gehört ihr nicht minder als das Kleine, das sic einst besaß, zumal es etwasGott Geweihtes ist. Derselbe, der sic einst durch Mangel bildete, hat sie jetztbereichert und verherrlicht. Als Glieder der Gemeinde sollen die Fürsten Theilhaben an der Wahl der Bischöfe; als Söhne, nicht als Herren der Kirche. -Gesalbt wird der Kaiser, nicht damit er die Kirche regiere, sonder» damit erdas Reich treu verwalte." Und in Ansehung des mit dem Kaiser durcheinen Eid cingcgangcncn Vergleiches sagt er: der Papst dürft demselben nichttreu bleiben. Denn ein Eid, durch den einer etwas Schlechtes zu thun gelobt,könne nicht verbindlich sein; vielmehr müsse ein solcher es bereuen, daß er dmNamen des Herrn auf eine eitle Weift gebraucht, indem er gelobt etwas zu thun,was er weder mit noch ohne Eid thun dürfte.

Auf dem Lateranconcil (1112) mußte sich Paschalis förmlich verantwor-ten ; er erkannte sein Unrecht an, war aber zu gewissenhaft, um nach demeidlichen Versprechen: nie etwas Nachtheiliges gegen den Kaiser zu unter-nehmen, denselben jetzt zu bannen '). Da ercommunicirten mehrere franzö-sische Bischöfe') König Heinrich wegen der am Papste verübten Gewalt-thätigkeit; die Synode von Cöln ( 1115 ) bestätigte eS. Dennoch kam Heinrich nach Italien und sogar unter heuchlerischem Vorwände nach Rom; ver-trieb sogleich den Papst und nahm die Güter, welche die nun verstorbeneMarkgräfin Mathildiö der römischen Kirche testirt hatte, mit Gewalt. Zwarführten die Normannen den Papst zurück, doch starb er vor Beendigung deöStreites.

In der dringenden Lage wurde der Cardinal Johannes von Gaeta schnellalsGelasiuö II. gewählt. Sogleich ward er aber von seinem eigenen

1) Vgl. Xnnalinta 8axo all u. 1112; daraus schöpfte Lbronie. Ursxorg. undvita Üauckal. ex 6aräin. Aragon, j Muratovr, D. III. k. I. p. 363); nach derletzteren erklärt Paschalis: guainviu cnncütio z'urarnentin praeposita ab ipso et8u>8 rninnu olwsrvata 8it; ego tarnen eunr nunguam anatbematinabo etnungnarn äs invs8tituri8 ingnietabo. Habet zuclicem Oeum. Die Acten dlSConcils ex variis anctorid. colleeta b. Hka>r«r. D. XXI. p. 4970. Äiräm".D. VI. ?. II. p. 18991914. Es findet sich hier sogar ein von dem Papste ab-gelegtes Glaubensbekenntniß. Vgl. , acta intsr Ilenr. V. et kuscba-

lein II. Uvtt. 785. 2) <7omc. Vrennen. bei Mr-rsr V. XXI. x. 73 sg.