530 2. Zeitraum. 2. Periode. 1. Zeitabschnitt, t. Capitcl.
Hände eines Königs oder eines andern Laien ligis che Treue ablegeu')Man wollte statt des seitherigen Vasallenverbandes zwischen Königen mBischöfen jetzt nur die allgemeine Verpflichtung des Ünterthanen gegen de»Landesherrn eintreten lassen. War ja das ganze Streben Gregor's dahi»gerichtet, die Bischöfe den Lehensverhältnissen des Feud alstaates zu ent-ziehen und die Freiheit der Kirche wie der kirchlichen Wahl zur Besetzung derKirchenämter und Ausübung derselben zu erringen.
Die Anregung eines Kreuzzuges gab dem päpstlichen Ansehen und Planeeinen neuen Schwung; ganz Europa begann jetzt Gut und Blut für eineIdee zu wagen, und dadurch eben mußte der Papst gewinnen, da er ja gegendie seitherige rohe und materielle Zeit für eine Idee lebte und wirkte. Daherkonnte Urban jetzt in Frankreich selbst Philipp I. wegen der ehebrecherische»Verbindung mit Bcrtrada bannen, nachdem Ivo, B. von Chartres, sichdem Könige mit wahrhaft christlicher Freimüthigkeit gegenübergcstellt undmit apostolischem Geiste ihm zugcrufcn hatte : „Möge der König gegenmich thun, was er unter Gottes Zulassung will und vermag. Möge er micheinschließen, ausschließen, die Acht über mich aussprechcn. Nach Eingebungund unter Leitung der Gnade Gottes habe ich beschlossen, für das Gesetzmeines Gottes zu leiden, und keine Rücksicht soll mich zwingen, die SchuldDesjenigen zu thcilen, dessen Strafe ich nicht theilen will." Ja Urban kehrtejetzt wie im Triumphzuge nach Italien und Rom zurück. Die Belehnungdes Grafen Roger als perpetuellen Legaten von Sicilien (monnreliia ee-olosiemtics Lioilms vgl. S. 456), ein Keim zu langwierigen Streitigkeitenzwischen den Päpsten und Königen in Sicilien, war die letzte bedeutendeHandlung P. Urban's
§. 216. Die Krcuzzüge.ff- nach 1188), bist, bslli sneri Iil>. XXIII. (Vongars. 7. I>>deutsch v. Kaust er. Stuttg. 843. Xuouz-mi bslli sneri lüstorm in La-brAon, miissum. 1. I. U. II. p. 130; ein Ausz. daraus in /ae.xssta I)oi psi- Ui-uueos ste. IInuu. 611. 2 1. I. IlklekauÄ, bibl. lies croiLuäss. ?ar. 830. 4 77 Willen, Gesch. d. Krcuzz. Lpz. 807-32. IBde.
bist, clss oroisaäss. (kur. 812.) sä. IV. kur. 825 sg. 7 I.übers, v. Ungewittcr. Qucdl. 828 ff. 7Bdc. Sybcl, Gesch. d. erst. Krcng.Düsscld. 841. Sporschil, Gesch. d. Krcuzz. Lpz. 843. Raumer, Gesch.d. Hohcnst. Bd. I. S. 37—231. Ratisbonne, d. h. Bcrnard, Bd. IIS. 87 ff.
Die Kreuzzüge, die zweite große Bewegung des germanischen Europa'-,und in sofern sie aus kirchlichem Boden erwachsen, die erste, in welcher sichzugleich die volle Eigenthümlichkeit des Zeitalters entwickelte, verlangen einebesondere Hervorhebung. In höchst überraschender Weise tritt hier in einerewig denkwürdigen Erscheinung vor uns: was die Kirche Christiall-mälig unter den schwierigsten und zerstörendsten Verhält-nissen bei den germanischen Völkern gewirkt hat. Durch Jahr-hunderte hatte sie unter Hohen und Medern einen wahrhaft christlichen Geist
1) 8z-uocl. Olarom. 6su. 17.: Xs spiseopus vel sacorilos reZi vsl slstwInico tu mnuibus Ii'Zism Lclelilatem kncint. (Mrusr. 7'. XX. x. 817. Mrciin».7?. VI. ?. II. p. 1719.) Dasselbe sprach schon Gregor VII. aus. Bgl. ck Mmäs ooucorä. 8,-reeriIot. lib. I. Aehnliche Bestimmungen auf jenem Conen z»Clermont, 6nu. 15. 16. 18. — 2) Ivo Onrilotsus, sp. 15. u. ep. 20.
3) Vgl. Mrnsr. 77 XX. p. 659. Mriaterra in s. bist. Licula. nb.
IV- c. 29. (Mrrat. I. V. p. 601 sg.)