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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 216. Die Krcuzziigc.

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entwickelt, der den Besitz der überirdischen Güter jenem der irdischen vorzog,und sich endlich zu jenem Heldenacte des Christcnthums begeisterte, worin,n höchster Eintracht und freudiger Hingebung Fürsten und Völker zur Er-oberung jenes Landes eilten, in dem einst der Heiland die Erlösung voll-bracht , und das er durch seine Gegenwart geheiligt hat. So erscheinen dieKreuzzüge als ein wahrer Triumph des Christenthums, indemdie Nachkömmlinge jener Barbaren, die einst die Eisgcfilde und WüsteneiendeS Nordens verlassen, und in dem weltlichsten Sinne sich anderwärts blosweltlichen Besitz erobert hatten, nun ganz im Gegensatz zu den von ihrenAhnen gemachten Eroberungen Hab und Gut, kurz Alles, was dem sinn-lichen Menschen hicnieden wünschenswerth erscheint, verließen, um unterselbst aufgelegten Entbehrungen, Mühen und Leiden, ja unter Gefahr ihresLebens eine große christliche Idee zu verfolgen. Jener höhere Geist, dereinstens in der Völkerwanderung die Fürsten angetrieben hatte, in die Kircheeinzutretcn, und zur Befestigung ihrer Throne und der bürgerlichen Ord-nung auch ihre Völker dahin nachzuziehen, eben dieser trieb nun die Völkeran, mit Hintansetzung alles Irdischen den Mahnungen der Kirche und demBeispiel der Fürsten zu folgen, und cs bedurfte keines äußern Zwanges, woschon die innere Stimme gebot'). Dieser hochherzige Kampf, in welchemstck der religiöse Enthusiasmus der Christen mit dem religiösen Fanatismusder Sarazenen maß, war durch eine eng zusammenhängende Kette von Er-scheinungen vorbereitet worden.

Seit den großen Tagen der Erlösung fand aus allen Theilcn der Erdeein stets ununterbrochener Zug nach Jerusalem statt. Besonders ermunterndwar das Beispiel der h. Helena, Mutter Constantin's d. Gr., gewesen.Die über dem Grabe des Erlösers erbaute Kirche verlieh den Pilgern eineStätte inniger Andacht. Im 10. Jahrh. hatte die Furcht, im 11. die In-nigkeit der Andacht und die Verwüstung von Kirche und Staat im beginnen-den Jnvcstiturstreite Viele nach Palästina geführt. Schon Sylvester II.hatte (999) im Namen des verwüsteten Jerusalems die allgemeine Kircheum Hilfe angerufen (s. S. 453) ; Gregor VII. sah sich bei der Beunru-higung der Pilger schon im Geiste (1074) als Führer eines Heeres zur Be-freiung des h. Grabes.Weil unsere Väter, schrieb er ), zur Befestigungdes katholischen Glaubens diese Gegenden oft betreten haben, so wollen auchwir, unterstützt durch die Gebete aller Christen, wenn sich uns unter der Lei-tung Christi der Weg dahin öffnet, weil der Weg des Menschen nicht inseiner Hand ist, und von dem Herrn die Schritte des Menschen geleitet wer-den, um desselben Glaubens willen und zur Vertheidigung der Christendahin gehen." Der griech. Kaiser Alexius rief aus der Synode von Pia-cenza um Hilfe (1095). Peter der Einsiedler, eine unansehnliche,abgezehrte Gestalt, verkündete nach seiner Rückkehr aus dem heil. Lande infeuriger Rede, kühner Zuversicht und wunderbarer Begeisterung die Drang-sale der Christen im Oriente und den an ihn nnmittelbar von Christus er-

1) Vgl. lVMeim. bist. belli sacri. lab. I. (Lo»Mi's. 9?. I. p. 640.)

2) SreAor. epp. liii. li. gp. zi.^ Ein zweiter Brief in dcrselb. Angelegenheitau ownss Obristiauos: lib. I. sp. 49. und ein dritter an d. Grafen v. Bur-gund: !>d. I. gp. 4 g. lieber Victor III. (1086) heißt cs im cbronic. 6asin. lib.ui. c. 71.: Oe oniuibus Idee Italiae populis Obristiauor. sxsrcitum con§ro-gaoz atgus vsxillum b. Ostri Vpost. iliis eoutraücus, snb rvmissions omniurnMeatoruw contra Laraeenos in Atrien oommoruntss äirsxit.

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