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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 214. Papst Gregor VII-, 1073-1085.

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Gregor's demnach so zu erfassen: Indem er die damalige Welt im Argensab »»d in dem Papste den alleinigen Retter aus diesem Verderben klarerkannte, schwebte chm der großartige Plan einer Universaltheokratievor. Diese sollte alle Reiche des christlichen Namens, vorerst die abend-ländischen, zu einer großen Gemeinschaft umschlingen, deren oberstes StaatS-aesen die Gebote GotteS seien. Lenker desselben sollte der Papst als sicht-barer Stellvertreter Gottes sein, dessen geistliche Herrschaft sich zur welt-lichen der Könige verhalte, wie die Sonne zum Monde, der von dererstem sein Licht und seine Wärme erhält, dabei aber das Papstthum niemalsdie Gewalt der Landesherr» vernichten oder sie ihrer Souveränität berauben.Andererseits müssesichdieSouvcränetätdesLandesherrnvor der h crn Sou verä n et ät Gottes beugen, von deinerseinRcich erhielt, und wolle er dieses nicht, so solle er aus diesemtbcokratischen Bunde ausgeschlossen, und dadurch unfähig sein, ferner GotteSRepräsentant als Obrigkeit eines einzelnen Reiches zu bleiben Werdendie Handlungen Gregor's nach dem Richtscheite dieser Idee beurtheilt, soerhält Alles Klarheit und Zusammenhang; sein Plan, das Staatsleben aufdas Christenthum zu basiren, erscheint großartig und mußte in einer Zeitder Gewaltthätigkeit, wo das Bedürfnis! einer höchsten sittlichenMacht, der Herrschaft des Geistigen über das Leibliche und Irdische um sodringender hervortritt, gerade bei den edelsten Gemüthern sich ungetheiltenBeifalls erfreuen. Die Idee dieser Universaltheo kratie war übrigensnicht neu, sondern wurde von Gregor nur bestimmter und entschiedener aus-gesprochen und geltend gemacht. Die daraus nothwendig folgende Unter-ordnungderweltlichenGewaltunterdiegeistliche wurde bereitsvonGregor von Nazianz, Chrysostomus, P. Gelasius undGregord. Gr. offen verkündet, und sie war zur allgemeinen Ueberzengunggeworden 0, zumal noch die Idee des Lehenöwesens diese Ansichtnicht wenig unterstützt hatte. Darnach besaßen die Fürsten ihre Reiche alsvon Gott durch seinen sichtbaren Stellvertreter empfangene Lehen. Auf-lehnung gegen Gott oder seine Kirche machte sie daher zu Hochverrätern undberaubte sie ihres Lehens. Diese Idee und nichts anders würde in derInschrift der Krone liegen: l'otrg cleclit ketro; Ualrus «liaclamg Umlolplio,welche Gregor VII. für den Kaiser Rudolph gesandt haben soll, was abernicht genügend erwiesen ist.

Zur Ausführung seiner Idee stand Gregor, wenn nicht Alles, doch dasMeiste zu Gebote. Bei der begeisterten Hingebung für die Kirche Christibesaß er eine unerschütterliche Willenskraft; eine Uebcrlegenheit des Geistes,

l > Diese Grundsätze finden sich zum große» Thcilc in den 27 Sätzen des s. g.llictows Oro^. VII. (libli. II. op. 55. Il/a-rn'. 'I. XX. p. 168 sg. 'I.

71 ?. I. p. 1304. doch stehen sic hier ohne allen Zusammenhang!g, worin Alleszosammengestellt ist, was die Hoheit und den Umfang der päpstl. Gewalt ausmacht.Hara». »<! a. 1076. nr. 31 hält dieselbe» für echt, auch 0/»-. in notiv

et «liss. oll eoneiiio; für unecht aber die Franzosen Dannol sopp. 116. VI. ep.l3.s TÄAt, erit. in La»'»«. ,-uI :>. 1077. nr. 8. u. äVatai. b. e. suoc. XI.et XII. sixg. in . wogegen Andere darin bestimmt einen fremden, etwas plumpenstusammciistellcr, aber doch großcnthcils die Grundsätze Grcgor's finden, so auchd.Echröckh, KG. Th. 25. S. 519-21. u. Neandcr, KG. V. Bd. I. S. 157.

2) 6,'SAor. LI. opist. lib. III. sp. 65: ut terrsstro rdMUin roslcst.i reguolawulmur. Vgl. oben S. 309. Note *; S. 397. Note *. u. Lingard, Gcsch.»an Engl, deutsch übers, von Salis Bd. III. S. 3.