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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 208. Das durch Michael Ccrularius erfolgte Schisma. 511

chm des Orients trugen die Namen der römischen Bischöfe in die Diptychenem und lasen sie in der heil. Messe ab; dennoch blieben beide Kirchen ohneme Verbindung unter einander. In der griechischen entstand eine momen-tane Spaltung, verursacht durch den Kaiser Lev, welcher vom PatriarchenNicolaus Mysticus (896 mit Unterbrechung bis 925) ercommunicirtworden war, weil er die ihm verbotene und so sehr widerrathene vierteEhe geschlossen hatte. Päpstliche Legaten beseitigten den Streit und stelltendie Eintracht wieder her. Später wurde aber die Spannung beider Kirchenm Folge politischer Eifersucht abermals beklagenswerth angeregt gerade zurZeit, wo Luitprand, B. von Crcmona, als Legat des Kaisers Otto in Ct.weilte (968).

Die Veranlassung dazu gab ein Schreiben P. Johannes XIII., welchesPhokaS nur Kaiser der Griechen, dagegen Otto Kaiser der Römerund Augustus nannte. Im Ilten Jahrh., wo der bedrängte Osten desAbendlandes so sehr bedurfte, wurde keine aufrichtige Versöhnung herbeige-siihrt; es kam vielmehr durch den (seit 1043) zum Patriarchen von Ct. er-hobenen Michael Cerularius zur völligen Spaltung. In VerbindungmitLeo von Achrida, Metropoliten von Bulgarien, erließ er einen en-glischen Brief an den B. Joh ann von Traui in Apulien ), worin erdie Vorwürfe gegen die römische Kirche erneuerte und vermehrte. Er nenntdie Lehre vom Ausgange des h. Geistes aus dem Vater und Sohne, denCölibat aller Geistlichen, den Ausschluß der Priester von der Ausspendungvom Sacrament der Firmung, den Gebrauch des ungesäuerten Brodes beimAbendmahl, das Fasten am Sabbat, den Genuß vom Erstickten, das Aus-sehen des Alleluja während der Fastenzeit u. m. A. Das Schreiben erhieltberCardinalbischofHumbert, und durch ihn der P. Leo IX. Kunde davon.Gleichzeitig wurde auch nach Rom berichtet, daß der Patriarch Michaelwegen jener Divergenzen die Kirchen der Lateiner geschlossen und ihren Mön-chen die Klöster genommen habe. Um so dringender mußte dem Papsteeine Widerlegung jener Encyclica erscheinen. Er gab sie in einem an denPatriarchen und den Metropoliten Leo von Achrida gerichteten sehr ausführ-lichen und mit großer Mäßigung abgefaßten Schreiben. Dasselbe scheintans den friedliebenden Kaiser einen guten Eindruck gemacht zu haben, so daß' er den Patriarchen nöthigte, in freundlichen Verkehr mit dem Papste zu tre-ten, und er selbst forderte den Papst auf, eine Gesandtschaft nach Ct. zuschicken. Lev IX. entließ eine solche, den CardinalHumbert an der Spitze'),mt einem in strengerem Tone verfaßten Schreiben (1054), worin demCerularius auch der Vorwurf gemacht wird, daß er sich ökumeni-scher Patriarch nenne. Der Kaiser Co nstantin IX. nahm die Gesandt-schaft gut auf, und suchte den Patriarchen zum Frieden zu stimmen. Dieseraberfand cs auffallend, daß die römischen Legaten nach Ct. gekommen, nichtumbelehrt zu werden, sondern zu belehren, und verweigerte jedeUnterredung, verdächtigte sogar den Kaiser eines Einverständnisses mit denRömern. Die Gesandten sprachen nun aufs neue den Bann über Cerula-rms, legten die Urkunden desselben') feierlich auf den Altar derl Sophienkirche nieder (16. Juli 1054), und kehrten unter dem Schutze des

>1 La,o,r. n. 1053. nr. 22. Leo Itb. III. e. 14.

Lm'mr, ns u. 1054. nr. 10 s<>.

-0 Law», net u. 1054. nr. 1943.