510 2. Zeitraum. 1. Periode. 2. Zeitabschnitt. 6. Capitcl.
Der nächste Gegenstand desselben war die Angelegenheit des JgnatinsnudPhotius. Wie verschieden war nun die jetzige Lage von jener in der Vor-zeit ! Nur auf besonderes Ansuchen des Kaisers bewilligte die sarace-nische Herrschaft, daß die Patriarchen von Antiochien, Jerusalem und Ateran-drien oder ihre Abgeordneten nach Ct. reisen dursten. Unter der cinflustrei-chen Mitwirkung der päpstlichen Legaten ward Photins als Usurpator, Ur-heber der Trennung und Verfälscher von Spnodalacten verdammt, sei,, Par-teigänger Gregor von Syrakus sannnt den übrigen hartnäckigen An-hängern des Photins crcommunicirt').
Ais diese Angelegenheit im Einverständnisse des Kaisers mit den römi-schen Legaten beseitigt war, erneuerte sich der Streit wegen der Bulgareideren Abgeordnete jetzt nach Ct. gekommen waren, und vor einer Versamm-lung in Gegenwart der päpstlichen Gesandten die Frage stellten, welcher(Patriarchal-) Kirche sie unterworfen sein müßten. Die AbgeordnetendckPapstes erwiederten sogleich: „Offenbar der römischen Kirche, welcher,gleichwie dem Apostelfürsten, dem h. Petrus, euer König und sein ganzesVolk sich übergeben hat; hat ja auch euer Volk von dem Nachfolger diesesApostels Lebensvorschriftcn, Bischöfe und Priester verlangt und diese wirk-lich erhalten." Als der Streit in seiner weitern Entwickelung aufs höchstegestiegen, starb Ignatius, und als sollte der Wechsel des menschlichenSchicksals recht anschaulich werden, wurde Photins zufolge einer Aussöh-nung mit dem Kaiser wieder Patriarch. Der P. Ioh an n VIII. erkannteihn unter der Bedingung an, daß er vor einer Synode Genugthuung leisteund eines bessern Lebens sich befleiße, und auch in der Hoffnung auf Friede»und Ausgleichung wegen der Vulgarer'). Als Photius statt dessen auf demConcile zu Ct. 879 in Gegenwart der päpstlichen Legaten seinenHcch-muth und seine Verwegenheit noch steigerte, sprach P. Johannes, das Evan-gelienbuch in der Hand, den Bann über Photius und seine Anhänger, sowie über Alle, welche das von Photius gehaltene Concil anerkennen würden.Erst unter Leo VI., dem Philosophen, ward Photius abermals entsetzt(886) und starb in Klosterhaft (891). Das Patriarchat verlieh der Kaiserseinem Bruder Stephanus, und erbat sich in Uebereinstimmung mit dergesammten griechischen Geistlichckeit vom Papste die Anerkennungfür ihn. Als P. Stephan V. bei den widersprechenden Berichten damitzögerte, starb der Patriarch (893). Für seinen Nachfolger AntoniuSlI(899) ward bei dem neuen P. Formosus vielseitig das Gesuch erneuertund bewilligt, doch die Gültigkeit der von Photius ertheilten Ordinationennicht anerkannt.
§. 208. Das durch Michael Ccrularius erfolgte Schisma,blpp. Xicolai kutriareb. (Varo».. ack s. 912.) Durtpi'ams/ lsgatio ucl llieegd.kirne, (corpus scriptor. lrint. kg-rumt. koiiir. 828. k. XI.) blpp. kmäamst alior. ((7a»rs.-La«miAS, Isott. arrtig. k III. k. I. P. 281 sg.) Hx.Iwoirio IX. b. La,k. XIX. /karckrre». k. VI. k. I. P. 927 sg.)
Im 10ten Jahrh. standen zwar die Nachfolger des Patriarchen AntoiuüSmit Rom fortwährend in der Kirchengemeinschaft; auch die übrigen Patmr-
1 > Hier ist Anastrrs. bibliotli. zu vergleichen, der noch als Abgeordneter de»Kaisers Ludwig II. der letzten, zehnten Sitzung beiwohnte, und die Ursachen dageringen Anzahl Unterschriften des Cvncils angibt. ^ . .
2) ckoll. VIII. sp. 199 u. 203. (ManÄ. k. XVI. x. 136 sg. b. L-»««.ep. 93. 3?. VI. k. I. x. 63 sg.) bei Lanorr. uck a. 879-