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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
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482
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482 2. Zeitraum. 1. Periode. 2. Zeitabschnitt. 4. Capitcl.

sich fast überall in Folge cigenthümlichcr Localverhältmffc anders MMAm Ende des 9. und in einem Tbeile des 10. Jahrh. sank, besondersItalien und einzelnen Thcilen des ehemaligen großen fränkischen R^"von der unter Carl d. Gr. errungenen Höbe am tiefsten herab, weil damalsdasKirchenober Haupt in seiner Wirksamkeit auf den Gksammtkörpcr gelähmt wa r. Der unter den Parteikämpfen oft vmKlerus versäumte Volksuntcrricht erzeugte nvthwendig beim Volke ei«äußerliche, sinnliche Richtung, die mit nnannigfachcm Aberglauben, nament-lich einer fast heidnischen Heiligen - und Rcliguicnverchrnng verbunden warSie trat besonders bei dem Bilderdienste und den auffallend übcrhantGmenden O rd allen der verschiedensten Form hervor, so daß selbst d,sdarüber zürnenden und drohenden Stimmen der Zeitführer und Synodenfruchtlos verhallten. Bei den Großen des Reiches dagegen trat oft ein,zügellose, durch keine weltliche Macht zu bändigende Gcwaltthätigkeit da-vor. Gegen diesen Geist mußte die Kirche mit ihrem geistlichen Ansehen ineiner Weise auftreten, die bisher nicht gekannt war. Diese betrübendenErscheinungen wurden dadurch zum Tbeil noch erhöht, daß sich im Abend-lande die Meinung der früheren Chiliastcn erneuert hatte, und man mit deinJahre 1000 das jüngste Gericht und Ende der Welt erwartete'). DieserWahn brachte auf Gute und Böse außerordentliche Wirkungen hervor; h«jenen erzeugte er ein auffallendes Verlangen zn Wallfahrten, besonders nachRom und Palästina JndemBaronius die Rohheit derZeit und das fas!allgemein überhandnehmende Sittenverderbniß überblickte, wollte er inseinen Annalen das 10. Jahrh. nicht beginnen, obne durch vorbereitendeBemerkungen dem möglichen Anstoße des Schwachen vorzubeugen.

Der in der Kirche stets wirkende h. Geist erzeugte aber selbst in dmdunkeln und gewaltthätigen 10. Jahrh. überall hohe Gestalten, die entwederwie Elias und Johannes der Täufer jedes Laster öffentlich züchtigten, oderin stiller Zurückgezogenheit in vielen Gemüthern den Grund zu einem heili-ger» Leben legten. Die obige Darstellung hat uns aus dem fränkische«und deutschen Reiche, aus Italien, den brittischen Inseln und Spanien ffeine lange Reihe heiliger Persönlichkeiten und großartiger Institute vorge-führt, die uns warnen mag, selbst im 10. Jahrh. nur Unwissenheit mdRohheit zu finden. Seit der Mitte des 11. Jahrh., wo der apostolische Stuhlwieder zu der ihm gebührenden Würde erhoben, mit wahrhaft apostolische»Männern geziert war, strömte allmälig von dem Haupte neues Leben in de»ganzen Kirchenkörper. Besonders wurde in Folge der Einführung deS Got-tes frieden s der Charakter der Zeit ungleich edler und ernster, als er vor-her gewesen war.

1) Viele Urkunden jener Zeit beginnen: ^.ppropinquants munäi >on»woldamals geschahen auch die meiste» Schenkungen zur Stiftung von Kirche». Ka-der LaÄrtkx'r. lib. III. o. 4. erzählt: Intra millssimnm tertio Mn lors iiimi-nkius anno contiZit in uuiverso penn tsrrarum orbe, praecigue tsme» >»Italia ot in Oalliis. innovari sceiesiarum Lasilieas, liest pleraslM ilsceatorlocatae miniws incliZuisssnt ste.

2) 6?ader ÄackutM. lib. IV. e. 6. ?er irlsin tempus (um 1033) er »in-verso orlis tan: innumsrabilis multituäo cospit conlluers »egnleruw 8»I-vatoris üierosoffmis. guantam nullus dominum prius speraro i>oterat.

3) Vgl. Stolberg-Kcrz Th. 31. S. 444-504. Th. 32. S. 426 ff. A-33. S. 439-525.