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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 200. Der Zustand der Kirche in den Hauptländcrn Europa's.

^ ihre wichtige Stimme bei den Königswahlcn. Und das geistliche Ansehenmir auch allein im Stande, den schwankenden Thron der Könige zu stutzen. DieseEntwickelung wurde bereits unter dem ansschwcifcndcn Könige Witiza^ 1lg) der die Geistlichkeit durch sein Beispiel zur Unkcuschhcit reizte,' dieDccrctalcii der römischen Päpste in Ansehung des Cölibats der Kleriker siir un-»irbttidlich erklärte, unterbrochen und durch den bald darauf erfolgenden Einfallder Sarazenen (712 ff.) kurze Zeit ganz gelähmt. Unter ihrer Herrschaftwaren die Christen Spaniens eine geduldete, oft schwer bedrängte Sekte; doch... ^ die christlich gothischc Nation unter dem Könige Pclagius in die Gebirgevon Asturien zurück, und führte mit kühnem Gottvcrtrauen in Bcrgschluchtcn einenBcrtlicidigungökrieg. Durch einige Vorthcilc crmuthigt fochten sic unter Alson-sus dem Keuschen schon auf ebenem Boden und eroberten Oviedo, Tuy, Leonund Astorga ,795842 ). Z» Oviedo erhob sich eine bischöfliche Kirche, Leonwurde die Residenz der christlichen Könige. Nach diesem hcldcnmnthigcn BeispieleMete Encko Arista, Graf von Borgia, das Königreich Navarra (Mitte desAeu Jahrh.), neben welchem im 11. Jahrh. die christliche Kirche von Arago-nie» und Castilien erstand. Die Christen erfreuten sich unter den Sarazenenzeitweilig freier Ncligionsübung, behielten ihre Kirchcnvcrsassung, 29 Bisthümcrsaninit den 3 alten Metropolen im arabischen Spanien, besaßen sogar bisweilenAenitcr im Staatsdienste, mußten aber stets wie im Oriente monatlich eine hoheKopfsteuer entrichte». Eine solche Stellung vertrug sich jedoch immer nichtlange mit dem muhammcdanischc» Fanatismus, der oft in Spott und Hohngegen das Kreuzeszeichen, das Glockengeläut«: und besonders gegen die Priesterder Christen ausartctc. Bei etwa hcrvortrctender Entrüstung der Christen kam esbald zu grausamen Verfolgungen, besondersuntcrAbdcrrhaman II., Muham-mcd I. und Abdcrrhaman III (zw. 85060.) Hier gab sich einerseits Feig-heit im offenen Bekenntnisse und der öffentlichen Ausübung des christlichen Glau-bens durch sophistische Aburthcilung über die Märtyrer kund; andererseits cröffne-,en aber die Christen auch mit dem Priester Pcrfcctus zu Cordova, der dama-ligen Residenz des Kalifats, eine Reihe hcldemnüthiger Märtyrer, worunter derjunge Aurclius, seine jugendliche Gemahlin Sabigotha und Eulogius.Das Concil zu Cordova ,852) mußte sogar vor uncrlcuchtetcm Vordrängenzum Märtyrcrthumc warnen. Als der Mönch Johannes aus dem Kloster St.Gorzc bei Meß als Gesandter Kaiser Otto's I. »ach Spanien kam, baten ihndie dortigen Christen, warnten ihn die Sarazenen, nichts vorzunchmen, was aufdas Bcrhältniß der Gläubigen zu ihren Beherrschern »achthcilig cinwirken könnte').Dcmüthig klagte ihm ein Bischof:Unsere Sünden haben diese fremde Herrschaftüber »ns hcrbcigcführt, und der h. Paulus verbietet uns (Röm. 13, 2), dervon Gott über uns verhängten Gewalt uns zu widcrsetzcn; doch haben wir nochde» Trost, daß wir nach unscrm Glauben leben können." Den durch diese Er-eignisse sehr lose gewordenen Verband mit der römisch-apostolischen Kirche knüpfteP. Leo IX. fester: das Concil von Tolosa ( 1055) unter P. Victor II. gibt be-reits Zcugniß davon. Kurz darauf beschlossen die neun zu Jacca im Baskcn-landc versammelten Bischöfe von Aragonicn (1060) einstimmig die Abschaffungder gothischc» Gebete und Annahme des römischen Rituals Doch gelang dievöllige Beseitigung der mozarabischcn Liturgie, für welche man eineSchwert- und Feuerprobe wagte, nach den wiederholten Bemühungen P. Alexan-ders II. erst unter Gregor VII. (1080).

Nach dieser Vorführung des religiösen Zustandes in den HauptreichenEuropa's und im Hinblick auf die Zerstörungen von außen und Verwirrun-gen im Innern gewinnt man bald die Ueberzeugung, daß das religiöse Leben

lolet. VI. 638.; Valet. VII. 646-; Valet. VIII. 653.; Valet. IX. 655.; Valet.X' 656.; Oonc. Lirierltsnse 666.; Oone. aXuguZtoclun. 670.; Valet. XI. 673.;

III. 675.; Valet. XII. 681.; Valet. XIII - XVII. 683. 684. 688.«ms. 694. OLesaraugustan. III. 691.

Xbbatis Oai^iensis (Lotta-rckrrs, aeta 88. all cl. 27. m. Vebr. Z.

M. Verte, V. VI. x. 372.).

«lzog's Kirche,igcschichtc. 7. Auflage. z i