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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 200. Zustand der Kirche in den Hauptländern Europa's.

, ändern auch das fernere Gedeihen und Wachsen des kirchlichen Lebens. Wennunter Carl d. Kahlen (seit 840) eine Reihe von Synoden zu CoulaineS,Nuenvillc Loire, BeauvaiS, Mcaur gehalten wurden, so wurden doch deren Bc-sMssc um so weniger beachtet, als die fortdauernden Bürgerkriege, sowie diekillenden Normannen alle kirchliche Ordnung und Zucht auflöstcn. Die wissen-I stlicbe» Cclebritätcn aus den Schulen Carl'S d. Gr. waren bis zum Jahre«75 ohne Schüler zu hintcrlaffcn, verschwunden. Die Unwissenheit des Kleruswurde daher bald so groß, daß die Bischöfe Frolicr von Poitiers und Fulrad vonülms sick gcnölhigt sahen, durch den Mönch Abbo von St. Germain eine Artüeiniliarium verfassen zu lassen (um 910), woraus die Geistlichen über dieGrundwahrheiten des Christenthums sollten predigen kennen; denn die Synode zuTmly (SOS) klagt, daß eine große Menschenmenge alt werde, ohne das Glau-bcnsbckenntniß und das Gebet des Herrn zu lernen. Dazu kam noch, daß, weih-rmd das Königthnm der letzten Carolingcr der Uebcrmacht der großen Basallenerlag mit dem politischen auch das religiöse Ansehen der Kirche geschwächt undzerrüttet ward, und die Synoden immer seltener wurden. So konnte sich dermchtigc Graf von Bermandois erstechen, seinen 5jährigen Sohn zum Erzbischofvon Rheims wählen zu lassen (um 925), und leider willigte der unwürdigeP Johannes X. darein, indem er dem Bischof Abbo von Soissons die geistlicheVerwaltung übertrug '). In dieser Zeit des Verfalles der kirchlichen Sitteneben der politische» Verwirrung erhielt nicht nur die fränkische, sondern auchdie gesummte christliche Kirche in der schnell und herrlich aufblühcndcn Congre-aation zu Clugny ein neues trostreiches Pfand der Zukunft. Darauf folg!»auch die politische 'Restauration unter Hugo Cap et und dem mit ihm beginnen-den nencn Königsgcschlechtc (887). Nachdem man sich aber bei den verschieden-sten Gelegenheiten von der Unzulänglichkeit der materiellen Gewalt überzeugt hatte,die Könige gegen die Rohheit und Zügellosigkeit der Vasallen zu schützen, undjene die Ccnsurcu der Kirche wiederholt anrufcn mußten, begann diese den Got-tcsfricdcn, die Treue;» Vst, cinzusührcn. Die Verletzungen desselben wurdenals Vergehen gegen die Religio» durch die kräftigen kirchlichen Ccnsurcn gestraft,und als diese noch nicht ausrcichten, ward sogar gegen Ende des 10. Jahrh.das Interdikt verhängt. Die durch Concubiuat und Simonie verkommeneGeistlichkeit erhob sich im Allgemeinen sehr schwer und langsam zu diesemhohe», heil. Ernste der Kirche: auf 80 Synoden im Verlaufe des 11. Jahrh.wurden Klagen erhoben und Vorkehrungen getroffen wie gegen räuberischeAnarchie, so besonders gegen die Gebreche» der Geistlichkeit, in derenstände» dann die verzweifelte Waffe des Interdiktes, wie z. B. bei dem entar-tcten EB. Robert von Rouen, zu freventlichem Mißbrauche angewandt werdenkonnte. Seit Gregor V. und besonders seit Leo IX. begann eine kräftige Reac-tion zur Erhebung des Klerus aus so tiefer Erniedrigung. Die zu Rheims ge-haltene Synode (1049) bekundete sogleich einen ungewohnten Ernst. Neben die-sen Erscheinungen der Rohheit und Entartung gewähren aber einen tröstenden An-blick die herrlich aufblühcndcn Schulen zu Rheims unter Gcrbcrt tum 970), zuChartres unter Fulbert (st 1028)'), denen sich dann die zu Tours unterBerengar ist 1088 >, so wie jene in der durch den h. Majolus von Clugnyrefvrmirtcn Abtei Marmouticrs bei Tours und im Kloster des h. Benignuszu Dijon errichteten Klosterschulen anschlossen. Diese alle aber wurden übcr-trvffen von de» im 11. Jahrh. aufblühendcn Lehranstalten in der Abtei Fe-cam und dem Kloster Bcc, wo die ausgezeichnetsten Theologen ihrer Zeit, Lan-srank und dessen berühmter Schüler Anselm, beide später Erzbischöfe von Canter-burv, lehrten

Das »ach dem Tode Carl's d. Dicken (888 durch die fünf Nationen derOstfrankcn, Schwaben, Bayer», Thüringer und Sachsen gebildete deutscheReich') hatte seit der Zeit des h. Bonisacius zusammen, eine Hauptkirchc, die

1) FVossoM'sss stist. ocel. R.Irem. lib. IV. o. 20.

2) Vgl. über Fulbert v. Chartres Stolbcrg-Kerz, Th. 33. S. 492 ff.

3) Die Chronik des Ncgino, Ditmar v. Merseburg, Adam v. Bremen,danibcrt v. Aschaffcnburg. IlVttrcstrncki mormcli. Lorboz. unualss (bis 957).