Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
464
Einzelbild herunterladen
 

484

2. Zeitraum, l. Periode. 2. Zeitabschnitt. 3. Capitel.

treue (kiomkigium) leisteten, worauf dann die Belehnung mit den irdischeGütern der Kirche erfolgteDiese selbst ward noch dazu in höchst Hebens,licher und gefährlicher Weise von dem Lehensherrn durch Uebergabe dejRinges und Stabes, Symbolen der bischöflichen Würde und Gewaltvollzogen* *). Dieser Knechtschaft mußte sich die Kirche entziehen, und st,!Leo IX, ist ihr Streben eben dahin gerichtet. Die unter ihm gehaltene S».node zu Rheims 1049 beschloß, daß Niemand ohne die Wahl desstle-rus und des Volkes die bischöfliche Würde erlangen dürfte

Erhebend aber ist cs, daß in dieser Zeit des Druckes und der Abhängigkeitder Kirche eS nicht an kräftigen Stimmen fehlte, welche, die weltliche Machtin ihre Schranken weisend, den Fürsten das Wort Carl's d. Gr.:Ichbin nur Beschützer und demüthig er Helfer der Kirche" ins Ge-dächtniß zurückriefen, und die Grenzlinien beider Gewalten markirten,Diepriesterliche und königliche Gewalt," sagt die Synode zu St. MarcaWl),ist gänzlich von einander verschieden und die bischöfliche Würde ist in-

1) Wann die erste Forderung eines solchen Homagiums geschehen, ist unst-sttmmt. Schon die auf der Synode zu Quicrcy <8581 versammelten Bischestprotcstirten gegen das Ansinnen Ludwig's d. Deutschen, ihm den Lehcnseid zu Wen:Xt uns epiacopi, Domina eoubscrati, non 8NMU8 Ingnsmocli Iiominss, IN eie«!llominss snei ulnros in VnssnIIntico clebsamun nos cuilibet commsnclnre, «acl äsksnsionsin et neljutorium gnbernntionis in eccleänatico regimine na«ecelemnbguo nostrns committere: aut surntionib snernmentuin, guoänosevM.gelica st npostvlien ntgue cnnonicn nuctoritns vetnt, äd>snmus guagus nial«tacerv. blunu8 enim clncribmuts socio psrnnetn, gune cle pnns et vino agu>mixto per orntionvm et erueie bignnm conlleit corpu8 Olrristi et sangnini!kacrameuti. abominnbile set, guiclguiä nute orelinntionem tecerit, nt post «r-äiuatiousm cpi8eoz>a.tu8 bneculurs taugcrt nllo moclo bacramentnm sFaränin.1. V. x. 475>, Ob Hinkmar, B. von Laon, dem Könige Carl d. Mn,870 ein solches liomngium durch das Versprechen geleistet: er wollte ihm tmund gehorsam sein 8icut Iwmo 8no 8euiori ist nicht vollkommen sicher, dochwahrscheinlich.

*) Schon Chlodwig in cliplnm. n. 508 sagt: ljniäguici ent tlsci nostri, -per nnuulum trallimus. sb. V. IV. p. 6l6.) Von Chlodwig II W

beißt cs in d. v.its.8. liomuni Xp>. itotliomag.: Laeulum illi contulit pastoraie».In Deutschland beanspruchten die Könige ans der von ihren Vorfahren hcrriibm-dcn reichen Fundation vieler Bisthiinicr ein Erncnnungsrccht; es brachten bahnAbgeordnete des Klerus und der weltlichen Vasallen, auch wenn eine Wahl M-tet worden, dem Könige Ring und Stab des verstorbenen Bischofs,und baten um Bestätigung der Wahl. Ost aber wurde der König geradezu mErnennung eines Bischofs ersucht. Stehende Sitte mit Ring und Stab zu be-lehnen erst im 10. Jahrh. äVerterk, b. s. aase. XI. et XII. cliss. IV.

2j O'onc. Äemend'e cun. IIII.: Xe quis 8ins electione cleri et popnü »strsgimen seclebinbticum provelierstur. Xe guio 8nero8 orclines, aut ministemvoels8i-l8ticn, vel altu-rin, smerst aut vsiielsrst. Xt bi gui8 Olericoruni emcs-86t, id cum «ligna butibkactions 8vo Xpmcopo rsclderet. Xe guis staicorWeccl68M8tioum uiiuibtsrium vsl nltarin teuerst, uee spibcoporuin guibns coo-nsntirsnt. lllka»«. 1. XIX. p. 741. V. VI. ?. I. p. 1006.)

3) 6ap. I. b. Mrnsü 1. XVII. p. 538. I. VI. ?- I. bSÜ s>I !

ebenso Xonc. u. 909. cap. II. b. Ilkann. 3'. XVIIl. p 287. Aar-

ckur». I. c. p. 507. Man kain stets zurück auf die Worte d. P. GelasiuS s. omS. 397. Note *. Es ist hier von großer Bedeutung, daß EB. Hinkmar«.

Rheims, der doch die gegenseitige Unabhängigkeit der Kirche n»

des Staates innerhalb ihrer Lebcnskrcise anerkannte und vcrthcidigtc, rovalsbald die innere geistige Höhe der Kirchengewalt über die Staat -gemalt behauptet.