Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
457
Einzelbild herunterladen
 

§. 190. Dic unter Hildcbrand's Leitung erwählten Päpste. 457

den Besitz wie Verfügung über ihre Güter vollständig sichern. Seine vor--ürlichste Sorgfalt wandte er dann dem zerrütteten Zustande der Kirche inWien Frankreich und Deutschland zu. Die Bestimmungen der unter ihmMienen Synoden zu Florenz und Rom zeugen von dem hohen Ernste sei-xr Gesinnung; auf der Synode zu Tours wurde Berengar wegen Er-niucrung seiner Irrlehre zur Rechenschaft gezogen. Mit der griechischenjtirckc aber kam cs, durch dic heftige Erklärung seiner Gesandten in derSophie,rkirche zu Et., zu einem offenen Bruche. Den Tod ahnend, riefHeinrich den Papst nach Deutschland; sterbend empfahl er dem Freunde undMer der Christenheit die Kaiserin Agnes und den 5jährigen Sohn. Würdigdieses Vertrauens hat Victor durch sein apostolisches Ansehen die unzufriede-nen Fürsten besänftigt, dic Reichsverhältnisse geordnet, Heinrich IV. dieSnccession gesichert. Er starb zu Florenz (1057), wo sich eine große An-zahl italienischer Bischöfe zu gemeinsamer Berathung versammelt hatte.

Jetzt war auch in Italien, durch Vermählung Gottfried's von Lothringenmit Beatrix, der Wittwe des Markgrafen von Toskana, eine neue Machtzum Schutze der Kirche entstanden, und Friedrich, der Bruder Gottfried's,Ut von Montccassino, ungeachtet seiner Weigerung einmüthig zum Papsterklärt und sogleich consecrirt worden. Als Stephan (>X.) X. (1057-1058) ging er in die begonnene Reformation ein, und erließ strenge Ver-ordnungen gegen den Concubinat der Geistlichen, wie gegen die HeirathenMer Blutsverwandten '). Die Erhebung dcS Petrus Damiani zum Car-dinal mußte für die Simonisten und für verheirathete Priester wie eine offeneErklärung zu verzweifeltem Kampfe erscheinen. Da die Persönlichkeit Ste-phau'S über allen Tadel erhaben, seine Wahl auch nach den erneuerten Be-stimmungen der Synode zu NhcimS vom Klerus und Volke einstimmig er-folgt, die Kaiserwürde andererseits gerade erledigt war, so brauchte die Ein-willigung desselben nicht eingeholt, und konnte auch von der deutschen Re-gentschaft nicht gefordert werden. Dennoch sandte Stephan den erfahrnenhildebrand an den kaiserlichen Hof, um etwaiger Mißstimmung vorzubeu-gcn, und über kirchliche Angelegenheiten gemeinsame Rücksprache zu nehmen.Die Erledigung erlebte er nicht mehr. Seinen Wunsch, im Falle seinesfrühen Todes vor der Rückkunft des Legaten Hildebrand keine neue Wahl»orzunehmen, hatten die Römer eidlich gelobt, erfüllen zu wollen.

Dennoch wählte der römische Adel und der schlechtere Theil des Klerus,durch die tuskulanische Partei unterstützt, den B. von Velletri als Bene-dict X. Aber Petrus Damiani und die strengern Cardinäle, wie daSVolk, eingedenk der früheren Acrgcrnisse, protestirten dagegen. Neue Fac-tunien ahnend, schickten sie sogleich eine Gesandtschaft von Nom an den kai-serlichen Hof, um wegen eines neuen kirchlichen Oberhauptes seine Willcns-meiuung zu vernehmen. Man glaubte nämlich von einem am kaiserlichenHofe vorgeschlagenen Papste doch mehr erwarten zu dürfen, als von einemdurch Avelsfactionen aufgedrungenen. Im Namen des unmündigen Hein-rich >V. bezeichnete die Kaiserin Agnes den B. Gerhard von Florenz,euren Burgunder, der bei den Deutschen und Italienern beliebt war. Jetztversammelte Hildebrand die von Rom vertriebenen Cardinäle und römischenGroßen zu Siena, und leitete die Wahl auf den Designirten, einen durch

vi n ^l^anr IX. vita 6t epp. b. MrȀ. 'I. XIX. p. 861 8g. Larckurn. 1'.

1051 sg. Höfler 1. c. AM. II. S. 269 ff. Gsrörcr, Greg. VII.«d. IS. 582 ff.