z. 185. Unter Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen.
441
dr-MN die Araber vor, richteten über Barcelona und die ganze spanische Marskinc schreckliche Verwüstung an, bedrohten sogar von Sicilicn aus auch den Papstin Rem. Ludwig hatte au der Ostgränzc seines Reiches von den Obotriten,RSbmc», Serben und Mähren viel zu leiden. Ja seine eigenen SöhneMM» sich wiederholt gegen den Vater. Das Reich Carl'S d. Grs ging in derssch erneuernden Völkerwanderung sichtbar seiner Auflösung entgegen.
^ Ungeachtet dieser Fehden im Innern und nach Außen wahrte der KaiserWar eifersüchtig seine Stellung zum Oberhaupte der Kirche. Als nachGreaor's IV. Ableben ein Diakon Johannes sich mit Gewalt des apostoli-scheu Stuhles bemächtigen wollte, und die Wahl Sergius II. (844—47)»eßhalb beschleunigt wurde, ohne die Ankunft des kaiserlichen Gesandten ^ab'uwartcu, schickte der darüber erbitterte Lothar sogleich seinen Sohn Lud-wig »nt einem verwüstenden Heere nach Rom. Doch selbst in dieser Be-drängniß bewies sich Sergius entschieden, und krönte Ludwig zum Königder Langobarden erst dann, als dieser erklärt hatte, daß er keine feindseligeAbsichten hege. Ebenso wurde auch bei der nächsten Wahl L eo's IV. (847-55)Oe weil Rom von den Sarazenen schwer bedrängt wurde, dieAnkunftder kaiserlichen Gesandten nicht abgewartet, doch geschah dies unter demausdrücklichen Vorbehalte: unbeschadet der Treue, welche der Papstnächst Gott dem Kaiser schuldig sei. Jetzt plünderten die Sara-zenen die Peters- und Paulskirche, eine schreckliche Zerstörung zurücklassend.Auch hier zeigte sich der Papst standhaft; er ertheilte Lothar, in dieHände seines Sohnes Ludwig die Kaiserkrone (850), und salbte den inRom anwesenden 5sährigen Alfred, der sich in der Folge nach Carl d.Gr. als die hervorragendste fürstliche Persönlichkeit erwieö, zum Königevon Messer in England (853).
Nach eincr Fabel des späteren Chronisten Mart in us Polonus (s-1278),so wie des Stephan de Borbonc s-s 1261) soll zwischen Leo IV. (s- 17.Ki855> und Benedict III. ein zu Mainz geborenes und zu Athen in allenWissenschaften gebildetes Mädchen als Johannes VIII. auf dem päpstlichen StuhleMe», aber bei einer feierlichen Proccssion ihren Trug schmachvoll gebüßt ha-be». Da aber feststeht, daß Benedict unmittelbar aus Leo folgte (855—58),also für eine solche Abenteuerin keine Zeit erübrigt, auch alle Schriftsteller desS. bis ll. Jahrh. davon nichts wissen H und sogar bestimmte Thatsachen dage-gen sprechen, haben selbst Protestanten nach flüchtigem süßen Genüsse an derschönen, schon in den vermeintlichen Quellen variircnden, später aber anmuthigansgcschmücktcn Erzählung de» Glauben an dieselbe zur Ehre ihrer Gcschichts-sorschnng aufgegcbcn *).
1) ÄiAi'r II. vita, st epp. b. Lkansr V. XIV. p. 799 8g. //arckurn. ss. IV.p. I4H3 sg. — 2) Deon. IV. vita st epp. b. Mrirsr. I. XIV. p. 853 sg.linin. I. V. x. 1 sg. — 3) Denn bei dibliotlrsc im 9. Jahrh. ist die
Erzählung in einigen Mariuse, intcrvolirt aus MrrtOru« Dokon.,- ja bei Ma-rianns Scotus (s- 1086) wie bei SicgcbcrtuS v. GcmblourS > fl 1113)ist die kurze Stelle unächt, weil sie sich nach monum. klerrn. 1. V. x. 55lu> I. VI. p. 340 u. 370 nur in den älter» gedruckten Ausgaben, nicht in denNannscripten findet.
0 Besonders wichtig ist Lrncinarr ex. 26. all Xicol. I. a. 867. sopx. sei. §->-mnfl I. II. p. 298.) Hier ist erzählt, daß Hinkmklr's Bote unterwegs den Todrco'S erfahren und in Rom angclangt, schon bei Benedict Erfüllung seines Gesuches«langte. Eben so entscheidend ist ein Diplom des Kl oft. Corvey (Mrürtton,w dipiom. p. 43 g. M XV. p. 113.) und endlich ein röm. Denar,
welcher Benedict's u. Lothar's Namen hat. Der letztere aber starb schon 28. Scpt.M! s. Köhlers Münzbclust. Bd. XX. S. 305. Auch ist eine Urkunde vor-Händen, welche Benedict III. unter dem 7. Octob. 855 bald nach seiner Erhebung